15 Parkplätze vor der Markthalle in der Dorotheenstraße: Händler und Kunden halten sie für unverzichtbar. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Händler der Markthalle sammeln Unterschriften gegen den geplanten Kahlschlag der Parkplätze in der Dorotheenstraße. Der Grund: Sie befürchten bei einem Abbau der Plätze um ihre Geschäftsgrundlage.

S-Mitte - Der Fisch scheint geputzt. Die Proteste des konservativ-bürgerlichen Lagers im Gemeinderat waren vergeblich: Etwa 150 bis 200 oberirdische Parkplätze innerhalb des Cityrings sollen verschwinden. Davon betroffen sind auch die 15 Plätze direkt vor der Markthalle in der Dorotheenstraße. 15 Plätze sind im Vergleich zu rund 11 000 Tiefgaragen-Plätzen in der Innenstadt freilich ein Klacks, die Händler in der Markthalle gehen dennoch auf die Barrikaden. Allen voran Dagmar Ragoßnig mit ihrem Obst- und Gemüsestand. „Wir werden täglich von verärgerten Kunden angesprochen. Alle sagen, wenn die Parkplätze wegfallen, kommen wir nicht mehr.“

Daher organisieren sich die Händler nun und wollen Unterschriften bei ihren Kunden sammeln, um sie dann den Lokalpolitikern der Stadt vorzulegen. Die Markthallen-Händler sehen ihre Geschäftsgrundlage bedroht. „Es geht eigentlich nicht um 15 Parkplätze, sondern das Signal, das durch den Abbau ausgesendet wird“, erklärt Dagmar Ragoßnig. Wenn die Kunden wüssten, dass es überhaupt keine Parkplätze mehr gebe, kämen sie gar nicht mehr. So aber führen sie wenigstens los, um ihr Glück zu versuchen oder dann doch in die Tiefgarage zu fahren. Ihr zur Seite springt der Feinkost-Händler Hasan Veizoglou: „Für manche unserer Kunden ist das unzumutbar. Für sie ist der Weg mit den schweren Tüten in eine Tiefgarage zu beschwerlich.“

Kunden wollen nur kurz parken

Außerdem sei die benachbarten Parkgarage für ältere Kunden zu eng. Veizoglou und Ragoßnig sind schon über 35 Jahre in der Markthalle. Sie kennen die Eigenheiten und Vorlieben ihrer Kunden: „Sie lieben es, kurz mit dem Auto vorzufahren, einzukaufen und wieder Heim zu fahren.“ Manche kämen daher immer nur an einem Samstag um 7 Uhr, um zu dieser Zeit noch einen Parkplatz zu ergattern. Beiden geht es um die Stammkundschaft, die in der Markthalle ihre Wocheneinkäufe tätigen. „Von diesen Kunden, die ihre Wocheneinkäufe machen, leben wir“, sagt Ragoßnig, „nicht von den täglich 500 Touristen, die mal schnell an meinem Stand vorbeilaufen und ein Foto machen.“ Und diejenigen, die sich mit einem Parkplatz – zum Beispiel in der anliegenden Schiller-Garage – anfreunden könnten, werden laut Hasan Veizoglou auch immer weniger. „Das müssen Sie sich mal anschauen, wie lange die Schlangen an manchen Tagen vor der Einfahrt sind. Das will sich nicht jeder antun.“ Hinzu kommt: Laut der beiden Händler seien ihre Stammkunden in einem Alter 40 Jahren aufwärts – „und diejenigen, die über 65 sind, tun sich schwer mit dem engen Schillergarage.“

Citymanagerin unterstützt die Markthalle

Wie viel Umsatzeinbuße die wegfallenden Parkplätze kosten könnten, kann auch Veizoglou nicht abschätzen. Er weiß nur, dass die Umsätze kontinuierlich sinken. Je mehr Parkplätze wegfallen, je teurer das Parken in der City werden, desto größer seien die Rückgänge an Kunden und Umsatz. „Wir hatten in den letzten Jahren wegen der Baustelle des Dorotheen-Quartiers doch ohnehin schwer zu kämpfen“, sagt Veizoglou. Ragoßnig bestätigt: „Knapp zwei Jahre haben die Handwerker des Dorotheen-Quartiers alle Parkplätze belegt.“ Und nun kommt auch noch ein schärferer Wettbewerb hinzu.

Der neue HIT-Markt im Dorotheen-Quartier ist – je nach Sortiment - eine echte Konkurrenz. Eine Händlerin spricht von 15 Prozent Umsatzeinbuße. Doch Ragoßnig widerspricht: „Für uns ist der HIT-Markt eine Ergänzung.“

City-Managerin Bettina Fuchs versteht im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Hans H. Pfeifer die Nöte der Händler in der Innenstadt. Der SPD-Stadtrat Pfeifer meint, man wolle schließlich nur weniger als ein Prozent der Parkplätze im Innenstadtbereich opfern. Wörtlich sagte er in einem Ausschuss des Gemeinderats: „Das hat keine Relevanz für die Erreichbarkeit der Innenstadt.“ Fuchs widerspricht dieser Haltung jedoch: „Die Markthalle wird unter der neuen Park-Regelung leiden.“ Auch weil in der Nachbarschaft zuletzt die Rathaus-Garage abgerissen wurde. Fuchs ist der Meinung, dass der Handel dieses Streichkonzert auf Dauer nicht verkraften werde.

Axel Heger, Stuttgarter Märkte-Chef, unterstützt seine Händler: „Sowohl für Kunden als auch für die Händler sind die Parkplätze äußerst wichtig. Wir sind stark daran interessiert, sie zu erhalten.“ Heger ist daher in Gesprächen mit verschiedenen Ämtern. „Ich hoffe, dass im Zuge der Neugestaltung der Dorotheenstraße noch möglich ist, etwas zu retten.“

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