Wer am 21. März nach Wikipedia sucht, der wird diese Zeilen lesen. Foto: Screenshot Wikipedia

„Wer sucht, der findet“, sagt ein Sprichwort. Wer am 21. März 2019 auf Wikipedia sucht, der findet nichts. Aus Protest gegen die Urheberrechtsreform geht das Online-Lexikon für 24 Stunden offline.

Berlin - Lexika sind wohl zweifelsohne in vielen Haushalten zum Staubfänger im Wohnzimmer geworden. Wer heutzutage nach Informationen sucht, der blättert nicht lange, sondern gibt einen kurzen Suchbegriff im Internet ein und landet in nur wenigen Sekunden bei Wikipedia. Doch schon in der kommenden Woche muss der Staubwedel ans Werk, denn wer am 21. März 2019 bei Wikipedia suchen möchte, der wird nur auf eine schwarze Hinweisseite weitergeleitet.

Wikipedia für einen Tag offline

Grund für die Auszeit ist eine Protestaktion der Online-Enzyklopädie. Die deutschen Autoren hätten sich dazu entschlossen, ein Zeichen gegen die geplante EU-Urheberrechtsreform zu setzen und ziehen deshalb für 24 Stunden den Stecker. Das hat Wikipedia-Administrator Thomas Planinger auf dem Kurznachrichtendienst Twitter bekannt gegeben. Ab am 22. März um Mitternacht stehen die 2.280.118 Artikel, die das deutsche Wikipedia seit seiner Gründung im Jahr 2001 veröffentlicht hat, wieder zur Verfügung.

Freie Verbreitung von Wissen bedroht

Der Protest richtet sich vor allem gegen den viel kritisierten Artikel 13, der unter anderem die Einführung von sogenannten Upload-Filtern vorsieht. Solche Filter würden ins Internet geladene Medien wie Bilder, Videos und Texte beim Upload auf Urheberrechtsmissbräuche prüfen und gegebenenfalls verbieten. Bisher funktioniert der Urheberrechtsschutz im Netz andersherum. Inhalte können ungefiltert hochgeladen werden. Wem eine Verletzung des Urheberrechts auffällt, der kann die betroffene Seite darauf hinweisen. Dann erst wird der Fall geprüft.

Wikipedia wäre nach eigener Angabe stark von den Filtern betroffen. Auf der Wikipedia-Seite zur umstrittenen Reform schreiben die Autoren, dass das Zitieren von Quellen erschwert werden würde. Außerdem schränke der Filter die freie Verbreitung von Wissen ein. Die Wikimedia Foundation, die vom amerikanischen Wikipedia-Gründer Jimmy Wales ins Leben gerufen wurde, setzt sich deshalb für eine Durchsetzung von Urheberrecht ohne die geplanten Filter ein.

Das Internet wehrt sich gegen Artikel 13

Wikipedia ist nicht die einzige Website, die sich von Artikel 13 bedroht fühlt. Auch in soziale Medien wie YouTube oder Instagram wird für Kampagnen gegen die Reform geworben. Für den 23. März haben Internetaktivisten mit dem Namen „SaveTheInternet“ 21 Proteste in deutschen Städten geplant.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: