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Entschieden lehnt Günter Scholz
die Schließung des Bauernkriegsmuseums ab. Er befürchtet einen Verteilungskampf. Der frühere Kulturamtsleiter der Stadt hat das Museum 1988 gegründet und hält es nach wie vor für aktuell. Der Verwaltung wirft er aber Versäumnisse vor.

Böblingen - Als damaliger Kulturamtsleiter hat Günter Scholz 1988 das Bauernkriegsmuseum eröffnet. Er hält es noch für aktuell – und nichts davon, die Ausstellung aufzugeben.

Herr Scholz, sind Sie einverstanden mit der Schließung des Bauernkriegsmuseums?

Diesen Vorschlag lehne ich natürlich entschieden ab. Das Bauernkriegsmuseum in Böblingen hat 30 Jahre lang gut funktioniert. Natürlich hätte man die Ausstellung weiterentwickeln müssen, aber für dieses Versäumnis liegt die Schuld bei der Stadtverwaltung. Eine Schließung wäre kultureller Kahlschlag und würde Erstaunen hervorrufen. Die Eröffnung des Bauernkriegsmuseums wurde in der gesamten Bundesrepublik bejubelt.

Warum ist das Bauernkriegsmuseum denn so erhaltenswert?

Böblingen ist eine Stadt, die im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde. Viele Bürger wissen nicht, ob sie sich hier auf einem historischen Boden befinden oder nur in einer Wohnsiedlung. Ein Ereignis wie der Bauernkrieg ist wichtig für die Identifikation mit der Stadt. Dabei geht es nicht nur um das Jahr 1525. Da geht es um die Themen Freiheit und Unterdrückung, das bleibt immer aktuell. Schauen Sie nach Hongkong: Dort wird gerade auch für mehr Demokratie gekämpft. Der Verein der Museumsfreunde fordert schon lange, das Bauernkriegsmuseum zu einem Freiheitsmuseum auszubauen.

Wie halten Sie von der Idee, ein Stadtforum zu eröffnen?

Dazu gibt es in dem Konzept nur vage Andeutungen. Aber so neu ist die Idee nicht, einen Bogen von der Geschichte über die Gegenwart bis in die Zukunft zu spannen. Das wird im Bauernkriegsmuseum bereits gemacht. Das Stadtforum kann man machen, aber das ist nicht mein Thema. Für wirklich keine gute Idee des Konzepts halte ich den Vorschlag, die Galerie in der Zehntscheuer zu belassen. Kunst braucht hohe, lichtdurchflutete Räume. Ich bin für eine moderne und zeitgemäße Galerie – und nicht für einen Verteilungskampf, um den es hier geht.

Können Sie dem Konzept auch etwas Gutes abgewinnen?

Wahrscheinlich wird das Bauernkriegsmuseum an Popularität gewinnen. Durch die Kritik rückt es ins Blickfeld. Ich bin mir sicher, dass es nicht geschlossen wird.

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