Dreieckige Gerüste markieren den Verlauf des Nord-Ost-Rings im Südosten von Kornwestheim. Foto: Bosch

Der Bürgerverein und die Stadt bringen sich mit einer Infoveranstaltung gegen das Projekt in Stellung. Den Anfang machen große Gerüste.

Kornwestheim - Die sichtbarsten Zeichen des Widerstandes sind drei Meter hoch, dreieckig und verkünden in dicken roten und weißen Lettern: „Kein Nord-Ost-Ring.“ Die Aufbauten aus Metall und Plane markieren seit einigen Tagen den Trassenverlauf der möglichen Straße im Kornwestheimer Südosten nahe des Zazenhausener Grundes. Hier würde, so die Pläne zum Nord-Ost-Ring Wirklichkeit werden, eine Tangente von der B 27 aus nach Osten führen, und zwar genau dort, wo es jetzt nur Feldwege, Äcker und Wiesen gibt.

Dass es in Kornwestheim nur wenige Fürsprecher für das umstrittene Straßenbauprojekt gibt, ist bekannt. Naturschutzbund, Bürgerverein, die Kommunalpolitik, auch etliche Landwirte positionieren sich schon länger gegen den Ring, der zwar eine Bundesstraße sein soll, aber von seinen Gegnern gern als „Autobahn“ bezeichnet wird. In vergangenen Jahren trugen die Kornwestheimer ihre Kritik oft andernorts vor, beispielsweise fuhren sie nach Fellbach zum Mit-Demonstrieren – die zweitgrößte Stadt des Rems-Murr-Kreises ist so etwas wie das Widerstands-Epizentrum in Sachen Nord-Ost-Ring. Die dreieckigen Markierungen künden davon, dass die hiesigen Nord-Ost-Ring-Gegner nun in Kornwestheim selbst ein Zeichen setzen wollen. Plakate sind ebenfalls bereits im gesamten Stadtgebiet zu sehen.

In Berlin macht sich Steffen Bilger (CDU) für das Projekt stark

Am Dienstag, 5. Februar, um 19 Uhr gibt es eine Informationsveranstaltung der Kornwestheimer Nord-Ost-Ring-Gegner im Galeriesaal. Organisiert wird sie vom Bürgerverein. Der Vorsitzende Horst Allgaier erklärt, worum es den Kornwestheimern geht: Der Nord-Ost-Ring diene nicht als Umfahrung für umliegende Kommunen, sondern bringe als neue Ost-West-Achse sogar weiteren Fernverkehr, er zerstöre Flächen, Äcker und Naherholungsräume für Bürger.

Konkret geplant und finanziert ist der Nord-Ost-Ring zwar noch nicht, doch nachdem er bereits seit 2016 in der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans – einer Art Leitplanke für die Verkehrsentwicklung im ganzen Land – stand, wurde er Ende 2018 in den Luftreinhalteplan der Region aufgenommen. Zudem macht sich neben anderen der CDU-Bundestagsabgeordnete des Landkreises, Steffen Bilger, in Berlin für das Projekt stark, und ließ in der Vergangenheit verlauten, nun sei Geld da.

Auch die Stadt will sich gegen den Ring aussprechen

„Wir müssen etwas machen, hier, vor Ort“, sagt daher nun Horst Allgaier. „Eine Veranstaltung gegen den Nord-Ost-Ring in Öffingen hat uns dazu bewogen“, betont er. „Wenn der Nord-Ost-Ring käme, wäre das auch für Kornwestheim eine Katastrophe“, ist Allgaier überzeugt und spricht von den Zehntausenden zusätzlichen Fahrzeugen, die die Straße bringen könnte. Der Bürgerverein Kornwestheim ist zwar Organisator, er steht bei der Veranstaltung aber nicht alleine gegen den Nord-Ost-Ring auf. Er hat mehrere Partner, natürlich die Arge Nord-Ost, für die Joseph Michl reden wird, den Naturschutzbund Kornwestheim mit Bernd Mathe, auch Vertreter von Landwirtschaft, Jägern, den Städten Stuttgart und Fellbach werden vor Ort sein.

Die Stadt Kornwestheim wird sich auf der Infoveranstaltung ebenfalls gegen den Nord-Ost-Ring aussprechen. Der Baubürgermeister Daniel Güthler will die Sicht der Verwaltung übermitteln. Bereits im Vorfeld findet er im Gespräch mit unserer Zeitung klare Worte. „Wir sind überzeugt, dass der Ring, wenn er kommt, eine überregionale Funktion haben wird, und Verkehr anzieht“, sagt er. „Das lehnen wir klar ab, zumal es auch die örtlichen Straßen belasten würde.“ Eher sei es jetzt an der Zeit, über alternative Verkehrskonzepte, ÖPNV, digitale Optimierungen im Straßenverkehr zu sprechen, ergänzt der Baubürgermeister. „Ist eine solche Straße erst mal da, dann geht sie nicht mehr weg.“

Auch die Nachbarn in Ludwigsburg werden aktiv

Auch in Ludwigsburg formiert sich der Widerstand gegen den Nord-Ost-Ring. Aus insgesamt sechs Vereinen hat sich ein Bündnis zusammengeschlossen, das gegen das Verkehrsprojekt mobil macht. Für Dienstag, 29. Januar, hat das Bündnis eine Informationsveranstaltung geplant. Sie beginnt um 19.30 Uhr im Ludwigsburger Staatsarchiv am Arsenalplatz. Das Bündnis setzt sich zusammen aus den Vereinen Nabu, Allgemeiner Deutscher Fahrradclub, Arge Nordost, Robin Wood, dem hiesigen Ableger des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), der Bürgerinitiative Anti-Atom und dem Aktionsbündnis Pro Niederflurstadtbahn.

Das Bündnis, heißt es in einer Pressemitteilung, sei zu der gemeinsamen Auffassung gekommen, dass der Nord-Ost-Ring keine Umfahrung für Remseck oder Stuttgart ist, sondern eine neue Fernstraßenverbindung. Die mit Luftschadstoffen „hochbelastete“ Stuttgarter Innenstadt würde durch den Ring „überhaupt nicht“ entlastet. Dafür würde den nördlichen Umlandgemeinden zusätzlicher Lärm und noch mehr Abgase aufgebürdet.

Auch wenn die neue Straße fernab von Ludwigsburg zu liegen scheine, heißt es weiter, bringe sie viel neuen Verkehr in den Landkreis. „Das ist das Gegenteil dessen, was die Menschen hier brauchen.“ ena

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