Damit rechtsradikale Ressentiments nicht salonfähig werden, zeigten viele Menschen Flagge vor dem Uhinger Uditorium. Foto: /Horst Rudel

Mehr als 150 Menschen machen am Samstagabend ihrem Unmut über eine Veranstaltung mit der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der AfD im Bundestag, Beatrix von Storch, Luft.

Uhingen - Drinnen tagt die örtliche Alternative für Deutschland (AfD) unter dem Titel „Scharia oder Grundgesetz – ist der Islam integrierbar?“. Draußen versammeln sich mehr als 150 Demonstranten. Der Verein „Kreis Göppingen nazifrei“ hatte dazu aufgerufen, am Samstagabend vor dem Uhinger Uditorium „Gesicht gegen Rechts“ zu zeigen. Das geschah lautstark, jedoch ohne größere Zwischenfälle, wie die Polizei erklärte.

Gegen Rassismus und Islamfeindlichkeit

„Wir stehen hier, weil rechtsextreme Ressentiments in unserer Gesellschaft in der letzten Zeit immer mehr akzeptiert werden“, sagte der Co-Vorsitzende von Kreis Göppingen nazifrei, Oliver Weyhmüller. Die AfD sei inzwischen ein Sammelbecken für Rechtsextremisten. Der Titel des Abends lasse bereits erkennen, dass es vor allem darum gehe, Ressentiments zu schüren, so Weyhmüller. Dass die stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Beatrix von Storch, die das Veranstaltungsgebäude durch die Tiefgarage betrat, eingeladen worden sei, passe dazu. „Beatrix von Storch fällt immer wieder durch zutiefst demokratiefeindliche und offen rassistische Äußerungen auf“, meinte Weyhmüller. Von Storch könne dem äußerst rechten Rand der AfD zugerechnet werden, was sie nicht zuletzt durch ihre einstige Forderung nach einem Schusswaffeneinsatz gegen Geflüchtete unterstrichen habe. „Uhingen ist eine weltoffene und tolerante Stadt, in der Rassismus und Islamfeindlichkeit keinen Platz haben“, so Weyhmüller.

Auf den Plakaten der Demonstrierenden waren Slogans wie „Rechtsextreme sind keine Alternative“, „Lieber international zusammen als national allein“ oder „Keinen Millimeter nach rechts“ zu lesen. Die Besucher der AfD-Veranstaltung wurden von den Demonstrierenden mit grellen Pfiffen und lauten „Buh“-Rufen empfangen.

Demonstranten zeigen „Gesicht gegen Rechts“

Unter den Demonstrierenden war Dominik Gaugler mit einer DGB-Fahne. „Menschenverachtende Meinungen haben hier keinen Platz“, fand er. In den Betrieben arbeiteten Menschen unterschiedlicher Herkunft gut zusammen. „Wer ausgrenzt, hat nicht verstanden, wie die heutige Gesellschaft funktioniert.“ Neben Gaugler war auch Rebecca Seidl mit ihrem CVJM-Pullover unter den Demonstrierenden. „Ich bin ein weltoffener Mensch“, begründete sie ihre Teilnahme an der Veranstaltung. Sie finde die Politik der AfD nicht gut und wolle dies auch nach außen zeigen.

Ebenfalls unter den Demonstrierenden waren die Eislinger Grünen-Stadträte Ulrike und Holger Haas. „Es ist Zeit zu zeigen, dass wir anderer Meinung sind“, erklärte Ulrike Haas. Spaltung und Schwarz-weiß-Denken könnten nicht der Weg der Zukunft sein, fand sie. Und Holger Haas ergänzte: „Die AfD ist eine rechtsextremistische Partei und eine Gefahr für die Demokratie, da muss man Kante zeigen.“

Dabei zählen sich die AfD und deren örtlicher Bundestagsabgeordneter, Volker Münz, zur konservativen Mitte, wie Münz am Abend kundtat. Im selben Atemzug warnte der Bundestagsabgeordnete vor einer angeblich immer weiter zunehmenden Zahl von Muslimen in Deutschland, gespeist durch eine höhere Geburtenrate muslimischer Familien sowie die Zuwanderung. Jederzeit könne es passieren, dass sich „die Menschen in Afrika auf den Weg machen“, sagte Münz. Und auch das seien vor allem Muslime und zwar auch noch solche mit geringer Schulbildung. Eine Anpassung an das Leben in Deutschland sei von diesen auch nach Jahrzehnten nicht zu erwarten. „Die multikulturelle Gesellschaft ist eine Utopie“, meinte der Münz vor rund 130 Zuhörern.

Es ging aber nicht allein um die Angst vor einer Islamisierung Deutschlands. Verschiedene Redner machten sich auch über die Fridays-for-Future-Bewegung lustig. So wurde Greta Thunberg von Münz als „Prophetin Greta“ bezeichnet. Dabei schadeten die Klimaaktivisten vor allem der deutschen Industrie. Es drohe massiver Arbeitsplätzeverlust.

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