Protest "Die Lage ist ernster, als viele meinen"

Von Michael Isenberg 

  Foto: Kraufmann
Foto: Kraufmann

Der Mann, der das K-21-Logo entworfen hat: Rainer Benz warnt vor Eskalation, wenn Bäume fallen.

Stuttgart - Er ist der Mann, der dem Protest gegen Stuttgart21 Konturen gibt: Rainer Benz und seine Werbeagentur rb.w haben das grüne K-21-Logo entwickelt, organisieren Großdemonstrationen und sorgen für Merchandising-Artikel. Als politischer Aktivist versteht sich der 61-jährige Benz nicht. Ihn freut schon, dass seine Heimatstadt "in Bewegung" geraten ist.

Herr Benz, Ihre Agentur arbeitet für die Stuttgart-21-Gegner. Was tun Sie konkret?

Viele reden von Kampagne - nur, es gibt keine Kampagne. Wir steuern den Protest auch nicht. Wer so etwas behauptet, hat nicht begriffen, wie der Protest tickt.

Und wie tickt er?

Tatsache ist, dass sich die bürgerliche Bewegung gegen das Bahnprojekt Stuttgart21 ganz von selbst bewegt. Der Beitrag unserer Agentur besteht darin, dass wir ein Logo entwickelt haben - eben das K-21-Logo mit dem frischen Lindgrün -, und wir lassen Buttons, T-Shirts und Tausende Stofftragetaschen mit diesem Logo bestücken. Außerdem machen wir, zusammen mit dem Aktionsbündnis gegen Stuttgart21, die Konzeption, Planung und Koordinierung von zwei großen Demonstrationen pro Woche.

Auch an diesem Samstag?

Auch an diesem Samstag. Bei diesen Kundgebungen wollen mittlerweile viele Bürger, nicht nur Künstler, einen aktiven Beitrag leisten. Auch dieses Engagement koordinieren wir, mit anderen zusammen.

Seit wann haben Sie den Stuttgart-21-Auftrag?

Ich habe keinen Auftrag. Ich habe dem Aktionsbündnis im April 2008 meine Unterstützung angeboten, und das wurde gerne angenommen. Seitdem sind wir mit im Boot.

Wer bezahlt Sie?

Niemand. Wir erbringen unsere Leistungen komplett kostenlos. Wir schweben nicht über dieser Protestbewegung, sondern wir sind ein Teil von ihr. Ich mache das aus Überzeugung und gerne, auch wenn es anstrengend und sehr zeitintensiv ist. Wenn ich aber immer mehr Passanten auf der Straße mit dem lindgrünen Logo sehe, weiß ich, dass sich die Mühe lohnt. Den größten Erfolg sehe ich aber woanders.

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