200 Landwirte mit 175 Traktoren demonstrierten am Freitag in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Kühe auf der Konrad-Adenauer-Straße in Stuttgart? Nicht nur mit 175 Traktoren, sondern auch mit zwei Milchkühen demonstrierten rund 200 Landwirte am Freitag gegen die Agrarpolitik und für einen Gesellschaftsvertrag zwischen Landwirten, Handel und Verbrauchern.

Stuttgart - Kühe auf der Konrad-Adenauer-Straße sieht man nicht alle Tage. Am Freitagvormittag war es soweit: Mit einer in Hinblick auf die kommende Landtagswahl kurzfristig organisierten Traktor-Demonstration haben nach Polizeiangaben rund 200 Bauern in Stuttgart lautstark gegen die aus ihrer Sicht verfehlte Agrarpolitik demonstriert. Einer der Landwirte führte dabei auch zwei Milchkühe in Sichtweite des Parlaments vorbei. Die rund 175 Schlepper aus ganz Baden-Württemberg blockierten bereits gegen 9 Uhr die beiden Fahrspuren direkt vor dem Landtagsgebäude und sorgten für erhebliche Verkehrsbehinderungen auf dem City-Ring. Organisiert wurde die Kundgebung von der Bewegung „Landschaft schafft Verbindung Hohenlohe-Franken“, den Freien Bauern Baden-Württemberg sowie dem Bundesverband deutscher Milchviehhalter Baden-Württemberg (BDM).

„Jetzt vor den Landtagswahlen kriegen wir die Politik dazu, uns endlich zuzuhören“

Die zentrale Forderung der Landwirte ist ein Gesellschaftsvertrag zwischen Landwirten, Handel und Verbrauchern. „Jetzt vor den Landtagswahlen kriegen wir die Politik dazu, uns endlich zuzuhören“, betont Thomas Frenk, Sprecher der Freien Bauern Baden-Württemberg. „Wir wollen nicht gegen die Regierung demonstrieren, sondern mit ihr eine zukunftsfähige bäuerliche Landwirtschaft etablieren.“ Der Vorwurf der Bauern richtet sich gegen die Politik der immer höheren Standards bei Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Qualität und Tierschutz „bei gleichzeitigen Konsumpreisen wie vor 30 Jahren“. „Wir müssen den Zufluss von nichtstandardisierter Importware aus Übersee stoppen“, so Frenk. Diese seien verantwortlich für die niedrigen Lebensmittelpreise in den Supermärkten. „Mit der ausländischen Ware wird unser heimischer Preis gedrückt“, kritisiert der 43-jährige Landwirt aus Nonnenweiler bei Lahr, dessen Familie nach eigenen Angaben bereits in der 17. Generation Landwirtschaft betreiben. Der 22-jährige Student und Nebenerwerbslandwirt Jannik Lutz aus Gärtringen betont, „das Prinzip wachsen oder weichen hat in der Landwirtschaft keine Zukunft mehr.“

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