„Regenbogen für alle“, schreibt eine russischsprachige Nutzerin auf Instagram. In den sozialen Netzwerken kommt Unterstützung für die Aktion. Foto: Javer Tles

Wer eine Regenbogen-Fahne schwenkt, muss in Russland mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Diese Fans haben bei der Fußball-WM einen Ausweg gefunden.

Moskau - Fans protestieren gegen das russische Gesetz, das positive Äußerungen über Homosexualität unter Strafe stellt. Um der Strafverfolgung zu entgehen, haben sich Instagram-Nutzer einen Ausweg einfallen lassen: Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft, die zur Zeit in Russland stattfindet, haben Aktivisten aus sechs unterschiedlichen Ländern sich in die Trikots ihrer jeweiligen Nationalmannschaften gekleidet. Daraus ergeben sich die Regenbogenfarben: Spanien (Rot), die Niederlande (Orange), Brasilien (Gelb), Mexiko (Grün), Argentinien (Blau) und Kolumbien (Lila).

Die Regenbogenfahne wurde vom US-Amerikaner Gilbert Baker in den 1970er Jahren entworfen. Sie gilt als Symbol des Kampfes für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender (LGBT).

Auf der Webseite der Aktion „The Hidden Flag“ (zu Deutsch: Die versteckte Fahne) erklären die Initiatoren der Aktion ihre Beweggründen. „Ich war an dem Projekt interessiert, weil es uns die Möglichkeit gibt, unsere Stimmen für diejenigen zu heben, die keine haben“, schreibt die Argentinierin Vanesa Paola Ferrario. Der Mexikaner Guillermo León schreibt, auf dem Weg zum Flughafen sei er nervös gewesen. „Meine Familie und mein Mann hatten große Sorgen, aber es ist ein sehr aufregendes Projekt“, schreibt er. Man wolle eine Botschaft der Empathie an die Homosexuellen in Russland senden, so León.

Auf den Bildern sind unter anderem russische Beamten zu sehen, die der bunten Formation keine Aufmerksamkeit zu schenken scheinen.

Das russische Gesetz verbietet die Regenbogen-Fahne nicht explizit. Sie kann jedoch als verbotene Propaganda interpretiert werden und eine Geldstrafe nach sich ziehen. Ausländische Besucher, die an Protesten während der WM teilnehmen, gehen laut russischen Aktivisten zudem das Risiko ein, aus dem Land abgeschoben zu werden.

Die Aktivisten ließen sich unter anderem vor Moskauern Sehenswürdigkeiten fotografieren. Auf dem Schild im Hintergrund dieses Bildes steht: „Wenn in den Herzen der Liebenden die Musik der Liebe ertönt, sollten alle Kanonen der Welt schweigen!“.

„Bei den ersten Schritten nachdem wir in Russland gelandet sind, haben wir uns sehr unheimlich gefühlt“, sagt die Spanierin Marta Márquez in einer E-Mail an unsere Zeitung. „Doch nach und nach haben wir realisiert, dass niemand versteht, was wir tun.“ Während der fünftägigen Aufenthalt in Russland habe sie sich nie bedroht gefühlt, so Márquez. Die meisten Menschen seien sehr lieb gewesen, vor allem die Touristen. „Wenn sie aber gewusst hätten, was wir tun, wäre es vermutlich anders gewesen“, fügt sie hinzu.

„Ich bin so verdammt stolz darauf, Teil dieser Bewegung zu sein!“, teilte der Kolumbianer Mateo Fernández Gómez auf seinem Instagram-Konto nach der Aktion mit. Er werde es nie wieder als selbstverständlich hinnehmen, er selbst zu sein.

Der Niederländer Eric Houter habe an der Aktion an Stelle seines Bruders teilgenommen. Er selbst sei weder homo- noch bisexuell, bewegt habe ihn die brüderliche Liebe. „Ich verteidige nicht nur die Rechte meines Bruders, sondern die Rechte von allen“, schreibt er auf der Webseite der Aktion.

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