Turnierdirektor Edwin Weindorfer (links) und Gastronom Michael Wilhelmer Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Rund um das Turnier auf dem Weissenhof trifft sich die Stuttgarter Society zum Kontakten. Für manche ist dabei Tennis die zweitschönste Nebensache der Welt.

Stuttgart - Verkehrte Welt? Nein, eigentlich war es immer so, dieses Jahr aber ganz besonders: Der gesellschaftliche Höhepunkt des Mercedes-Cups geht vor dem sportlichen über die Bühne. Am Freitagabend marschieren im Hotel Jaz in the City rund 350 Gäste über den „Purple Carpet“ in die „Purple Night“. Und die richtig Feierwütigen können danach noch ins Amici, wo die After-Party des Tennisturniers stattfindet. Amici-Chef Michael Wilhelmer ist seit 2017 auch wieder auf dem Weissenhof ganz groß dabei mit dem, ähm, Grand Slam Sky Lounge Tie-Break Restaurant, in dessen oberer Etage sich bis zu 700 VIPs tummeln. Für einige davon ist Tennis die zweitschönste Nebensache der Welt. Denn derweil sich am Donnerstagnachmittag auf dem Centre-Court Milos Raonic und Marton Fucsovics die Bälle um die Ohren schlugen, genossen viele VIPs das Büfett sowie die schöne Aussicht auf der Terrasse bis zum Killesbergturm und alles, was ­dahinter kommt.

Dank Federer den Schweizer Markt erreichen

Einige sind eben hauptsächlich zum Kontakten da, so auch Stuttgarts Tourismuschef Armin Dellnitz , der am Donnerstag keinen einzigen Ballwechsel verfolgen konnte, aber unbedingt noch eine zweite Chance nutzen wollte. Für die Stuttgart-Marketing GmbH ist der Mercedes-Cup eine Plattform, mit der man dank Roger Federer „auch den Schweizer Markt gut erreichen kann“, so Dellnitz. Der Turnierdirektor Edwin Weindorfer ist heilfroh, dass ihm sein Zugpferd nicht gleich wieder abhandengekommen ist wie im Vorjahr, als Federer sein Auftaktspiel gegen Tommy Haas verlor. Seit 2007 ist Weindorfer, der von Graz nach Salzburg gezogen ist, weil seine Frau dort drei schicke Hotels betreibt, auf dem Weissenhof und hat das „Wimbledon-Flair nach Stuttgart geholt“, wie er im Clubhaus sagte.

Das ist während des Turniers die Players Lounge, in der die Profis von Attila Capranos italienischer Küche profitieren können. Was sie von Maultaschen halten, ließ sich am Donnerstag nicht eruieren, obwohl direkt vor dem Clubhaus das Bürger-Wiesenfest stattfand. Das ist zwar irgendwie auch ein Killesbürgerfest, trägt aber den Namen eines Sponsoren.

Wer hat am meisten Spirituosen in der Bar?

Aber auch andere aus der Genussbranche nutzen das Turnier, um im Gespräch zu bleiben. Eric Bergmann, Geschäftsführer des Jigger & Spoon, schenkte an seiner Bourbon-Bar Hochprozentiges aus und erzählte, dass auch er unter No-Shows zu leiden habe. Nicht wahrgenommene Reservierungen im großen Stil sind in einer Bar, die man selbst Berlinern zeigen kann, ebenso ein Thema wie in Restaurants. Mit dem Jaz-Barchef Markus Wolff kam es zu einem kleinen Wettmessen, obwohl man sich in der Stuttgarter Szene gegenseitig schätze und unterstütze. Wer hat mehr? Wolff bringt es auf 300 Spirituosen, Bergmann auf 540 – plus 200 daheim. Auch der beste Gin der Welt ist selbstverständlich auf dem Gelände: Ulrich Kromer gab am Ginstr-Stand einen aus. Der Messechef habe nie Tennis gespielt, wohl aber andere Rückhandsportarten: Tischtennis, Badminton und Squash – bis die Knie nicht mehr mitmachten.

Von den Toten Hosen zur WM nach Moskau

Christian Dinkelackers Sport ist der Fußball. Mit einem Bier seiner Lieblingsmarke in der Hand, die jetzt dank Michael Wilhelmer auch beim Mercedes-Cup wieder ausgeschenkt wird, erzählte der Aufsichtsratsvorsitzende der Stuttgarter Kickers, dass er kurz vor Campinos Hörsturz die Toten Hosen in der Waldbühne gesehen habe. Und dass er sich das WM-Auftaktspiel der Deutschen in Moskau anschauen werde.

Das Finale des Mercedes-Cups am Sonntag ist extra auf 13 Uhr gelegt worden, denn nach dem Spiel ist vor dem Spiel. So kann Oliver Holtz, „Head of UHNW Wealth ­Management Germany“ der Deutschen Bank, sprich: Vermögensverwalter, mit dem sich Dinkelacker rege austauschte, noch rechtzeitig ins Mezzogiorno zum Fußballgucken. Tatti-Macher Marcus Philipp, der einst selbst auf dem Weissenhof den Schläger schwang, bevorzugt das La Piazza zum Public Viewing. Einen Tag vor dem Finale in Moskau feiert seine Fluxus-Location das Finale mit einer Closing-Party. Aber bis dahin dreht sich für die meisten ohnehin alles um die schönste Nebensache der Welt.

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