Mit Video - Wem das Wohl von Tieren am Herzen liegt, sieht die Welt mit anderen Augen. Bei „Tarzan“ haben sich prominente Tierschützer getroffen. Sie unterstützen eine neue Aktion von Musical und Wilhelma für den Artenschutz, die gleichzeitig PR fürs eigene Image ist.

Stuttgart - Wem das Wohl von Tieren am Herzen liegt, sieht die Welt mit anderen Augen. Bei „Tarzan“ haben sich prominente Tierschützer getroffen. Sie unterstützen eine neue Aktion von Musical und Wilhelma für den Artenschutz, die gleichzeitig PR fürs eigene Image ist.

Es gab mal eine Zeit, da war die TV-Moderatorin Sonya Kraus (Erkennungszeichen: blond) noch nicht Mutter von zwei Kindern. „Da war ich richtig wild“, sagt die 41-Jährige, die im Foyer des Apollo-Theaters mit ihrem tiefblauen Kleid und ebenso blauen Schuhen die Blicke auf sich zieht. In ihrer wilden Phase zog es die Schöne hinaus in die Wildnis der Virunga-Berge – in die Heimat der vom Aussterben bedrohten Berggorillas. Das Schutzgebiet des 1925 gegründeten Virunga-Nationalparks liegt in einer politisch instabilen Region von Zentralafrika. Bis auf sieben Meter kam Sonya Kraus an die Gorillas heran, wie sie lebhaft erzählt, an unsere nächsten Verwandten, für die nun das Ensemble der Disney-Show und die Wilhelma sammeln.

Mit einem Reiseveranstalter, der Öko-Tourismus anbietet, war die Moderatorin („Talk, talk, talk“) unterwegs. Dieser Öko-Tourismus bringt Geld nach Zentralafrika – Geld, das auch den Berggorillas zugutekommt, von denen es vor wenigen Jahren nur noch 200 gegeben hat. Inzwischen ist die Population auf 800 gestiegen, wie Wilhelma-Chef Thomas Kölpin weiß. Ehemalige Wilderer führen Westeuropäer in die Nähe der Menschenaffen und sehen, dass man auch Geld verdienen kann, wenn man die seltenen Tiere nicht erschießt. Die Exkursionen sind sehr teuer.„Es war eisig kalt“, erinnert sich Sonya Kraus, „und hierzulande denken alle, in Afrika ist’s nur heiß.“

Touristen, so ist zu hören, fühlen sich, als würden sie bei den zotteligen und über 200 Kilo schweren Silberrücken durch ein Fenster in ihre Vergangenheit schauen. Danach, erzählen sie, eröffne sich für sie ein neues Bewusstsein. Manch einer erkennt, dass der Mensch ein Teil der Evolution ist und ohne Tiere nichts wäre. Es sind dieselben Instinkte, die Mensch und Tier antreiben.

„Keine Kreatur des Dschungels ist so brutal wie der Mensch in seiner Habgier“, ruft der Professor, Janes Vater, in der Disney-Show „Tarzan“ aus. Sind die Tiere also die besseren Menschen?

„Für Tiere muss auch in Deutschland noch viel getan werden“, findet der Schauspieler Bernd Herzsprung, 71, „es ist unglaublich, wie viele Hunde und Katzen noch immer ausgesetzt werden und in den Tierheimen landen.“ Herzsprung und weitere Promis wie die Schauspielerin Carolin Beil, Moderatorin Bettina Cramer und Model Alena Gerber sind nach Stuttgart gereist, um die „große Charity-Veranstaltung“ zu unterstützen, wie die Vorstellung von der Stage Entertainment bezeichnet wird.

Noch größer wäre die Charity-Sache gewesen, würde der Erlös aller für diesen Abend verkauften Karten an die Artenschutzprojekte gehen. Die Einnahmen aber sind wie immer fürs Theater bestimmt – nur mit den Spenden, die nach dem Schlussapplaus von den Darstellern in Dosen gesammelt werden, kann die Wilhelma die Spürhunde finanzieren, mit denen die Ranger im Virunga-Nationalpark Wilderer suchen. Hätte auch das Parkhaus auf die Einnahmen verzichtet, wäre noch mehr zusammengekommen – etliche Besucher hätten die acht Euro, die der Abendtarif inzwischen kostet, lieber der Wilhelma gespendet.

„Tarzan“ kommt im Apollo-Theater nun ins dritte Jahr seiner Spielzeit. Bisher war Reklame kaum nötig, weil die Besucher in das erfolgreichste Stuttgart-Musical seit Jahren von alleine strömten. Doch nun zeigt die Stage Entertainment mit der Aktion Artenschutz, wie Werbung heutzutage aussehen kann. Man bringt sich positiv ins Gespräch, tut mit einem Partner etwas Gutes und redet darüber. Auch die Wilhelma profitiert davon. Etliche Aktionen sind in den nächsten Monaten im Apollo-Theater, im zoologisch-botanischen Garten, aber auch in der Innenstadt geplant.

Für Thomas Kölbin, der seit Januar 2014 Direktor der Wilhelma ist, läuft es PR-mäßig gerade gut. Eisbär Felix aus Nürnberg, der den Sommer in Stuttgart verbringt, um Corinna zu erfreuen, sorgt ebenso für Schlagzeilen wie das Giraffenbaby Dschibuto. In zwei Jahren, da ist sich Kölbin sicher, werde man für das dann geschlechtsreife Giräffle einen anderen Zoo finden, damit es keinen Ärger mit dem Papa gibt. Dschibuto werde nicht getötet und zu Futter verarbeitet, versichert er. Eines aber sei auch klar: Die Wilhelma werde nun für die Verhütung der Giraffenmama sorgen, damit es nicht noch mal Nachwuchs gibt. Sie muss keine Pille schlucken, sondern bekommt ein Implantat eingesetzt. Hauptsache, Mensch und Tier bleiben ziemlich beste Freunde!

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