Die österreichische Schauspielerin Nadja Tiller galt als eine der erotischsten Frauen des europäischen Films. Als Edelprostituierte Rosemarie Nitribitt in „Das Mädchen Rosemarie“ wurde sie Ende der 1950er-Jahre international bekannt. Foto: dpa

Die österreichische Schauspielerin Nadja Tiller wurde als „Das Mädchen Rosemarie“ bekannt und hätte ein Weltstar werden können. Doch sie lehnte die Angebote von drei berühmten Regisseuren ab. Das sei nicht sehr klug gewesen, sagt sie heute.

Hamburg - Die österreichische Schauspielerin Nadja Tiller galt als eine der erotischsten Frauen des europäischen Films. Als Edelprostituierte Rosemarie Nitribitt in „Das Mädchen Rosemarie“ (1958) wurde sie in Ende der 1950er Jahre international bekannt. Seitdem spielte sie in mehr als 120 Filmen und Serien mit. Zuletzt heimste die Wahl-Hamburgerin einen begehrten Hörspiel-Preis ein und stand auch mit stolzen 87 Jahren noch auf der Theaterbühne. An diesem Samstag (16. März) wird die einstige Film-Ikone 90 Jahre alt.

Die gebürtige Wienerin gehört zur Schauspielgarde der 1950er und 1960er Jahre. Lange Beine, volle, geschwungene Lippen, sinnlicher Blick, schöne Kurven – die erste gewählte Miss Austria. Sie konnte zugleich Vamp und Grande Dame verkörpern und spielte sich schließlich als Luxus-Callgirl Rosemarie auf die Wunschzettel der europäischen Regisseure.

Besonders schätzte sie Jean Gabin

Sie hätte statt Anita Ekberg im Trevi-Brunnen („La Dolce Vita“) baden, an der Seite von Marcello Mastroianni spielen („La notte“) und mit Alain Delon („Rocco und seine Brüder“) drehen können. Doch Tiller lehnte all diese Angebote ab. Sie hätten sie zum Weltstar machen können.

„Ich war leider nicht klug genug und zu dumm und habe dann drei sehr berühmte Filme nicht angenommen“, sagt Tiller. „Und letztendlich würde ich wahrscheinlich heute genauso hier sitzen – auch, wenn ich einen davon gemacht hätte.“

Besonders in Erinnerung blieb ihr der Film „Im Mantel der Nacht“ aus dem Jahr 1958: „Mein Lieblingsfilm ist ohne Frage der, den ich mit Jean Gabin gemacht habe.“ Gabin sei ein großartiger, präziser und sehr kollegialer Schauspieler gewesen.

1956 heiratete sie ihren Schauspielerkollegen Walter Giller

Am Filmset fand die Tochter einer Opernsängerin und eines Schauspielers nicht nur Ruhm und Erfüllung. Sie fand auch ihren Walter. 1956 heiratete sie den deutschen Schauspieler Walter Giller („Drei Mann in einem Boot“, „Rosen für den Staatsanwalt“, „Charleys Tante“). Die beiden galten als das Glamourpaar der Wirtschafswunderzeit. 55 Jahre lang waren die beiden verheiratet, bevor er Ende 2011 wegen einer Krebserkrankung mit 84 Jahren starb.

Sein Appartement neben ihrem in der Seniorenresidenz an der Elbe hat sie behalten – für Gäste. Ihr Mann sei natürlich noch immer in ihren Gedanken. „Aber er entfernt sich immer mehr. Die Zeit ist eben so.“

„Ich bin einfach zufrieden“

Zuletzt stand Tiller mit 87 Jahren für „My Fair Lady“ in Braunschweig noch einmal auf der Bühne. „Es war eine kleine Rolle und das hat mir großen Spaß gemacht und war eigentlich ein schöner Abschluss.“ Dann sagte sie dem Theater endgültig Adieu. „Es strengt mich ja letztlich doch sehr an.“

Nadja Tiller hat zwei Kinder und vier Enkelkinder. „Ich habe in meinem Leben eine Menge Glück gehabt – nicht zuletzt, da ich einen besonders netten Mann hatte“, sagt sie. „Ich bin einfach zufrieden.“

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