Wirt Jörg Mink mit seinem 23-jährigen Sohn Jan, der in das Familienunternehmen eingestiegen ist. Foto: Andreas Engelhard

Jörg Mink hat einen gastronomisch schwierigen Ort zum Erfolg geführt. Als Wirt im Schloss Solitude feiert er nun das Zehnjährige – mit Preisen wie vor zehn Jahren. Sein Sohn Jan ist in das Unternehmen eingestiegen.

Stuttgart - Klischees folgen nicht immer der Wahrheit. Dass der schwäbische Geiz eine Mär ist, wie der urschwäbische Wirt Jörg Mink versichert, offenbart seine Wirkungsstätte prachtvoll. Herzog Carl Eugen hat es krachen lassen im Schloss Solitude. Seit zehn Jahren ist der frühere Linde-Patron quasi Schlossherr – er führt das Restaurant im märchenhaften Ambiente länger, als dies je ein Wirt vor ihm geschafft hat. Sein 23-jähriger Sohn Jan ist nun in das Unternehmen eingestiegen, so dass der Vater guter Dinge ist, weitere zehn Jahren für Erfolgszahlen unter Mink’scher Führung an einem gastronomisch schwierigen Ort zu sorgen.

An schönen Tagen wird diese Sehenswürdigkeit mit traumhafter Aussicht von vielen Besuchern beehrt. Doch an trüben Tagen verirrt sich kaum jemand an diesen von der Stadt abgelegenen Platz. Auch will nicht jeder immer in Schloss-Opulenz speisen. Minks Vorgänger sind allesamt gescheitert, das Restaurant hier ohne Verluste zu führen. Dass es der schwäbische Promi-Wirt, der einst bis zu sieben Lokale gleichzeitig geführt hat und sich heute nur noch auf das Schloss konzentriert, geschafft hat, liegt an Ideen, die bei einem wie ihm nur so sprudeln.

Business-Club mit über 300 Mitgliedern

Als beste Idee hat sich erwiesen, die früheren Lagerräume des Schlosses zu einem Business-Club umzubauen. Mittlerweile treffen sich über 300 Mitglieder unter der Präsidentschaft von Erwin Staudt zum Austausch, was den Freundschaften und den Geschäften dient. Eine seiner weiteren Ideen ist es, nun zehn Monate lang den zehnten Geburtstag seiner Schlossübernahme zu feiern – los geht es mit Preisen, die vor zehn Jahren gegolten haben. 2008 hat der Rostbraten zehn Euro weniger gekostet als heute.

Seinerzeit hatte Günther Oettinger als Ministerpräsident Mink angerufen. Das Land tat sich schwer, einen geeigneten Pächter fürs Schloss zu finden, was nach den Pleiten davor nicht überraschte. Der Promi-Wirt hat es bis heute nicht bereut, sich beworben zu haben. Ihm macht es immer noch Spaß, Nichtschwaben zu erklären, dass Schwaben in Wahrheit gar nicht geizig sind.

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