Fritz Kuhn und seine Ehefrau Waltraud Ulshoefer. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Auf der Mönchhalde haben am Wochenende rund 50 Prominente bei der Rieslinglese des Weinguts Stuttgart mitgeholfen. Dabei wurde auch der Einsatz von Glyphosat thematisiert.

Stuttgart - Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. „Da müssen wir ja fast die Reben verlosen!“ Der Winzer Udo Leins schaut auf die vielen Köpfe, die sich da auf der Mönchhalde versammelt haben. Rund 50 Prominente aus Wirtschaft, Verwaltung und Gemeinderat haben am Wochenende bei der Lese in einem der ältesten Weinberge der Stadt Stuttgart mitgeholfen. Und Leins kennt das Terrain gut, gehörte es doch einst seiner Familie: „In den 50ern haben wir es der Stadt verkauft.“ Nun hilft er seit Jahren selbst mit – vor allem bei der Ernte des Rieslings. Dessen Reben seien in „Lenz-Moser-Art“ angelegt, erklärte er, also nach einem österreichischen Önologen. „Reben weiter auseinander, damit die Frauen nach dem Krieg mit den Schleppern durchkamen.“

Dass der Weinbau bereits im Mittelalter ein gutes Geschäft für Stuttgart war – oder damals für die längst aufgelöste, eingemeindete Siedlung Tunzhofen und die Mönche des Kloster Lorchs dort –, schilderte zuvor die freiberufliche Weinhistorikerin Christel Krämer. Nachdem Oberbürgermeister Fritz Kuhn ein Grußwort sprach und von dem Pfund der Stadt geschwärmt hatte, mit dem er gerne bei anderen Schultes wuchere: „17 Hektar Rebfläche hat das städtische Weingut, darunter sind Sorten wie Saint Laurent, Trollinger, Riesling und mehr.“ Den Erhalt der Steillagen-Weinberge und der Trockenmauern fördere die Stadt von 2019 bis 2022 mit 850.000 Euro im Jahr. Müsse doch in den Steillagen viel von Hand gemacht werden, zudem soll – auch nach Willen des Gemeinderats – im städtischen Weingut auf das umstrittene Spritzmittel Glyphosat verzichtet werden.

Auch resistenten Rebsorten eine Chance geben

Das gefällt auch Bärbel Mohrmann, der Geschäftsführerin von Pro Stuttgart und Chefin des Weindorfs. Dass dort Stuttgarts Weingutsleiter, der Diplom-Önologe Timo Saier, in diesem Jahr Premiere mit gut einer besuchten eigenen Laube feierte, sei nur ein Grund, bei der Lese mitzuhelfen. „Klar will ich, dass hier weiterhin gute Weine produziert und bei uns präsentiert werden“, so Mohrmann. „Außerdem ist das städtische Weingut in seiner Art einzigartig in Deutschland, mit einem außergewöhnlichen Bestand, das muss man unterstützen.“ Gut sei zudem, dass Timo Saier neuen, auch resistenten Rebsorten eine Chance gebe. Ihr wiederum sei die Beziehung zum Wein in die Wiege gelegt worden, sagte Mohrmann. „Ich komme zwar aus keiner Wengerterfamilie, aber ich bin im Remstal aufgewachsen, da kommt man an Reben und Wein nicht vorbei.“

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