Mit einem Stück glimmender Holzkohle und einem Schnitzmesser haben die Kinder aus einem Stück Holz mit viel Geduld Löffel hergestellt. Foto: Marta Popowska

Vom Regentanz bis zu Fair-Trade: Während ihrer Afrika-Themenwoche blicken Grundschulkinder über den Neuwirtshäuser Tellerrand hinaus.

Neuwirtshaus - Die Trommeln sind schon von der Straße aus zu hören. Sie verraten, dass an der Neuwirtshausschule etwas eher Ungewöhnliches vonstatten geht. Seit Montag steht in der Grundschule alles im Zeichen des afrikanischen Kontinents: Eine Woche lang gibt es Projekttage, bei denen die Kinder viel über andere Lebensformen erfahren, aber auch lernen, über ihren Tellerrand hinauszuschauen.

Afrikanische Klänge dringen auch aus dem Dachgeschoss der Schule. Die Pädagoginnen Mona Knittel und Svetlana Kessler tanzen vor und 15 Mädchen und Jungen machen es ihnen nach, schwingen Arme und Hüften. Von so mancher Stirn tropft der Schweiß. „Ich schwitze“, ruft ein Junge aus der Gruppe – und alle lachen. Tanzen ist anstrengend, macht aber Spaß, darin sind sich hier alle einig.

Kostbares Wasser

Sie üben Tänze wie den Begrüßungstanz namens „Molweni“ ein oder den „Pula Pula“. „Das ist ein Regentanz, den Kinder in afrikanischen Ländern tatsächlich im Regen tanzen“, erklärt die Lehrerin Mona Knittel. Die Tänze haben sie und ihre Kollegin Svetlana Kessler sich mittels Videos und einem Buch erarbeitet. Was in erster Linie Spaß bedeutet, liefert auf der anderen Seite den Kindern einen Einblick in fremde Kulturen. So kennt man in vielen Teilen Afrikas nur zwei Jahreszeiten, eine Trockenzeit und eine Regenzeit. Setzt letztere nach einer langen Dürreperiode ein, können die Menschen Getreide und Gemüse, das sie zum Leben brauchen, anpflanzen und das feiern sie.

Wie kostbar Wasser ist und dass es in vielen Regionen des Kontinents daran mangelt, haben die Schüler zu Beginn der Projektwoche gelernt. „Am Montag hatten wir Referenten zu Gast, die über die Wasserproblematik, Fair-Trade oder den Alltag der Kinder in Afrika berichtet haben“, sagt Schulleiterin Sibylle Saalfrank.

Filme dokumentieren das Projekt

Ein Fokus lag auf dem Land Kamerun, das ausschlaggebend für die Idee zur Projektwoche war. Denn der Kameruner Joy Alemazung, der für die Bundesregierung in der Entwicklungsarbeit tätig ist und dessen Tochter die Schule besucht, hatte einen Vortrag über seine Grundschule in Kamerun, die Ngeme Catholic School, gehalten. „Wir kamen ins Gespräch und dachten, es wäre schön, dazu etwas mit den Kindern zu machen“, sagt Saalfrank. Da der Lehrplan in der dritten Klasse das Thema Briefe vorsieht, hatte man schließlich die Idee, den Kindern der Kameruner Schule Briefe zu schreiben. „Der Prozess wurde filmisch festgehalten“, erklärt Saalfrank. Mit der Unterstützung ihres Mannes, der Filmemacher ist, entstand ein zweiter Film, in dem die Neuwirtshäuser Kinder ihren Altersgenossen in Kamerun ihre deutsche Schule vorstellen.

Die Projektwoche wird an diesem Freitag um 14.30 Uhr mit einem Schulfest beendet. Es gibt afrikanisches Essen, die Kinder zeigen ihre Ton- und Schnitzarbeiten und ihren gebastelten Schmuck. In der Michaelskirche wird das Musical Tuischi Pamoja aufgeführt, das die Kinder seit Beginn des Jahres mit der Pädagogin Carina Weber erarbeitet haben.

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