Alt und Jung können sich nicht nur gegenseitig helfen, sondern auch viel voneinander lernen. Dafür setzt sich das Mobile Generationenhaus Möhringen ein. Foto: dpa

Im Mobilen Generationenhaus Möhringen ist derzeit einiges in der Mache. Den Anstoß gab eine Projektewerkstatt im März. Wir schauen nach, was aus den vielfältigen Ideen und Vorschlägen geworden ist.

Möhringen - Aus einer Werkstatt im März sind neue Projekte des Mobilen Generationenhauses hervorgegangen. Der Fokus lag zunächst auf den Bereichen „Lernen und Austausch“ sowie „Willkommenskultur“. Jetzt geht es um drei weitere Themengebiete.

Brigitte Reiser war die Moderatorin des Bereichs „Netzwerke“. Das Hauptaugenmerk habe darauf gelegen, die verschiedenen Netzwerke, die es bereits im Stadtbezirk gebe, zusammenzubringen, erklärt sie. „Die Idee ist, eine Art Meta-Netzwerk zu gründen.“ Derzeit überlege man, wie dies zu bewerkstelligen sei. „Vorstellbar ist eine Plattform im Internet“, sagt Reiser. Bereits bei der Gründung der Internetseite des Mobilen Generationenhauses habe der Bezirksvorsteher Jürgen Lohmann an eine Community gedacht. Das ist ein Forum, in dem man sich anmelden und Anfragen sowie Angebote veröffentlichen kann. „Vor fünf Jahren waren aber noch nicht so viele im Internet unterwegs. Das hat sich geändert, heute nutzen auch viele Ältere das Netz“, sagt sie. Auf dieser Plattform könnten sich Privatpersonen, Vereine und Institutionen vernetzen.

Vernetzung ist das A und O

Die Finanzierung sei freilich noch zu diskutieren, sagt Reiser. Möglicherweise könne man sich an Förderprogramme wenden. Vernetzung sei in Zukunft das A und O, sagt sie. Sowohl für Vereine als auch für Privatpersonen. „Vereine können von Synergieeffekten profitieren und allein stehende Menschen von der Hilfe anderer“, erklärt Reiser. Man müsse angesichts des demografischen Wandels künstlich neue soziale Beziehungen installieren. „Wenn man mit 50 Jahren damit anfängt, steht man mit 70 nicht alleine da“, sagt sie. Im Oktober ist eine Veranstaltung zum Thema Meta-Netzwerk geplant. Im Vorfeld wolle man alle Möhringer Vereine anschreiben, berichtet Reiser. Das Motivieren der Vereine und Bürger sei zwar schwierig, sagt sie. Aber: „Vernetzung bringt Ressourcen hervor, sie ist ein Mehrwert.“

Maria Steinmaier verfolgt ein ähnliches Ziel. Sie ist die Moderatorin der Gruppe „Leben und Wohnen“. Deren Absicht ist es, ein Mehrgenerationenwohnen in Möhringen zu gründen. „Es soll ein Haus sein, in dem mehrere Generationen miteinander leben“, erklärt sie. Jeder hat eigene Räume, es gibt aber auch gemeinschaftlich genutzte Räume. „Das Leben wird zu einsam. Wissen und Können geht verloren, auch Lebenserfahrungen“, sagt sie. Die Aufmerksamkeit heutzutage sei höchst „ich-konzentriert“. Man wolle daher „dem Leben mehr Leben hinzufügen“, beschreibt sie.

Ein Haus, viele Generationen

Einmal im Monat trifft sich die Gruppe Interessierter, die diese Zukunftsvision realisieren möchte. Eine Architektin habe man schon im Boot. Vorstellbar sei eine Wohnbaugenossenschaft, erklärt Steinmaier. Auch Familien mit behinderten jungen Menschen seien in ihrer Gruppe. Ein Geben und Nehmen stellen sich die Mehrgenerationenwohner vor; Pflege soll es aber nicht beinhalten. „Wir brauchen einen langen Atem, das ist uns klar“, sagt sie. Sollte das Projekt aber klappen, „wird es in Nullkommanix bewohnt sein“, ist sie sich sicher. Man suche noch weitere Mitstreiter. Diese sind eingeladen, dem nächsten Treffen am 9. Juli beizuwohnen.

Harald Wohlmann hat die Gruppe „Kümmern und Tun“ geleitet. Der Caritas-Mitarbeiter kann von zwei Projekten berichten. Das eine ist der Bürgerbus, ein Gemeinschaftsprojekt des Bürgervereins, des Gewerbe- und Handelsvereins (GHV) sowie der Initiative Lebensraum Möhringen (Ilm). Derzeit läuft eine Fragebogen-Aktion, mit der der Bedarf unter den Möhringern ermittelt wird. „Das zweite Projekt ist ein Handwerkerdienst, ähnlich wie die Gruppe Rat und Tat in Leinfelden-Echterdingen“, erklärt Wohlmann. Die Ilm habe die Federführung übernommen, aktuell werde geschaut, wie man das Projekt am besten umsetze. „Es braucht zum Beispiel eine Kontaktstelle, über die die Anfragen laufen können. Wir müssen die Arbeitssicherheit gewährleisten können und man muss schauen, wo die Grenze ist: Ab wann muss die Sache ein professioneller Handwerker erledigen?“, beschreibt er. Die Hoffnung sei, den Dienst noch in diesem Jahr starten zu lassen.

Kontakt
Brigitte Reiser erreicht man unter der Telefonnummer 4 14 77 92. Die Gruppe Mehrgenerationenwohnen trifft sich am Mittwoch, 9. Juli, im Haus der Caritas am Filderbahnplatz 23. Beginn ist um 19.30 Uhr. Am 26. Juli steht ein Besuch des wohngenossenschaftlichen Haus Mobile im Burgholzhof an.

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