Starke Stimmen und große Begeisterung: der Gospelchor Gio aus dem Stuttgarter Osten Foto: Ludmilla Parsyak

Der Projektchor ist mit 450 Sängern über seine Grenzen gewachsen und beantragt eine städtische Förderung. Als Konzertort können sich die Sänger die Villa Berg vorstellen.

S-Ost - Sonntags ein Brunch mit konzertanten Einlagen? Ein Gospelkonzert im denkmalgeschützten ehemaligen Sendesaal von Egon Eiermann? Thomas Dillenhöfer, der Leiter des Gospel im Osten, kurz Gio genannt, denkt laut über eine Beteiligung der Sänger an einer späteren Nutzung der von der Stadt zurückgekauften Villa nach. Der Chor fühle sich nicht nur räumlich mit seinem Sitz im Bezirk Ost mit der Villa verbunden, betont er, sondern wolle auch inhaltlich zum Konzept der Nutzung des Baudenkmals beitragen.

Im Juli 2014 und 2015 sang Gio bei seinen Parkkonzerten vor der Villa und lockte Massen von Zuhörern an. Dillenhöfer und Kathrin Grix wollen sich stellvertretend für den Chor einbringen, wenn es demnächst bei der Bürgerbeteiligung um Nutzungskonzepte geht. Kontakte zur Initiative Occupy Villa Berg, die sich dafür engagiert hat, dass das Gebäude einer öffentlichen Nutzung zugeführt wird und nicht noch weiter verfällt, bestehen.

Ob einer den Ton trifft, wird vorab nicht geprüft

Gio ist ein Projektchor, der mit 450 Sängern und Sängerinnen eine feste Größe in der Stadt darstellt. Mit dem Slogan „Singen ist Glückssache“ animiert der Architekt Dillenhöfer seit zehn Jahren über alle Altersgrenzen und Religionszugehörigkeiten hinweg Menschen, die gern singen und dies gemeinsam und öffentlich tun wollen. Ob einer den Ton trifft, wird vorab nicht geprüft. „Jeder, der diese Musik mag, soll eine Chance zum Mitmachen haben“, sagt der Chorleiter. Gio hat unter seinen Stammsängern  so viele Semiprofis, dass diese das Gerüst der musikalischen Projekte tragen und alle glücklich sind – auch die, für die der exakte Ton manchmal Glückssache ist. „Wir sind ein Strauß unterschiedlicher Leute“, sagt Dillenhöfer über die Zusammensetzung.

Geprobt wird dienstagabends in der Friedenskirche – und dies würde auch bei einer Beteiligung an der Nutzung der Villa Berg so bleiben. Das neue Projekt und damit das erste Probenwochenende beginnt am 2. Oktober. Wieder wird zur Einstimmung der dänische Gospelstar Juli Lindell dabei sein. Wie viele Teilnehmer kommen und wie sicher sie beim Singen sind, ist immer ein Lotteriespiel für Dillenhöfer, der sich das Dirigieren selbst beigebracht hat: „Gesungen habe ich schon immer, und als ich vor 25 Jahren mit der Chorleitung begonnen habe, konnte man hier Gospel noch nicht studieren. Mich reizt einfach der mehrstimmige, groovige Chorsound.“

Eintritt wird nicht verlangt, aber um eine Spende gebeten

Innerhalb von zehn Jahren wuchs Gio von einem Kreis von 30 Singbegeisterten, die in der Heilandskirche geprobt haben, zu der Zahl von bis zu 450 Chorsängern an, deswegen erfolgte im September 2014 der Umzug in die Friedenskirche. Durch die Größe des Chores ist das Projekt an sich auch über die Grenzen der rein ehrenamtlichen Arbeit hinausgewachsen, betont Kathrin Grix.

Als feste Größe in der kulturellen Landschaft der Stadt haben sie und Dillenhöfer für den kommenden Doppelhaushalt einen Antrag auf institutionelle Regelförderung bei der Stadt über 50 000 Euro für zwei Jahre gestellt. Damit sollen die Verwaltungskosten und die Ausgaben für die Öffentlichkeitsarbeit abgedeckt werden. In das technische Equipment des neuen Probeortes hat die evangelische Gesamtkirchengemeinde investiert und die Gemeinde der evangelischen Friedenskirche lässt den Chor auch gratis proben.

Gio verlangt keinen Eintritt, sondern bittet bei seinen Konzerten um eine Spende bei den Zuhörern. Die Sänger bezahlen außerdem selbst einen Unkostenbeitrag für die Teilnahme an einem Projekt – von zehn Euro an aufwärts. Im Dezember vergangenen Jahres ersang Gio bei einem Benefizkonzert in St. Eberhard zu Gunsten der Bahnhofsmission 10 000 Euro. Viele positive Rückmeldungen gab es auch von einigen Kommunalpolitikern. „Da waren wir selbst erstaunt und das hat uns Mut gemacht, einen Antrag bei der Stadt zu stellen“, sagt Dillenhöfer. Im Vorfeld haben er und Grix bei allen Fraktionen vorgesprochen und sind dort auf Wohlwollen gestoßen.

Auch der Bezirksbeirat Ost hat die Projekte immer wieder mit Zuschüssen unterstützt. „Wir sind heute eigentlich ein kleines Abbild der Stadt“, merkt der Chorleiter an und hofft deshalb auf die Förderung von eben dieser.

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