Projekt „Tiere der Nacht“ WG-Zimmer und Blumen für Fledermäuse

Von Marta Popowska 

Eine Fledermaus der Art Großes Mausohr in einem Gewölbekeller Foto: dpa
Eine Fledermaus der Art Großes Mausohr in einem Gewölbekeller Foto: dpa

Das Projekt „Tiere der Nacht“ bietet bedrohten nachtaktien Arten Unterschlupf im Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Gründe für deren Not, einen Lebensraum zu finden, gibt es viele.

Esslingen - Von einer regelrechten Wohnungsnot unter den Fledermäusen spricht die Expertin Ingrid Kaipf, bevor sie einen der Nistkästen an dem Baum auf Helmut Doldes Streuobstwiese anbringt. Dolde ist Wein- und Obstbauer in Frickenhausen und einer von 24 Partnern, die zugestimmt haben, ihr Gelände oder Gebäude für das Projekt „Tiere der Nacht“ zur Verfügung zu stellen, um für bedrohte nachtaktive Tiere Nist- und Unterschlupfmöglichkeiten zu schaffen. 600 Nistkästen sollen im Landkreis Esslingen insgesamt angebracht werden.

Wie viele Fledermäuse es im Biosphärengebiet Schwäbische Alb gibt, kann Ingrid Kaipf nicht beantworten. Doch die Expertin vom Verein Arbeitskreis Fledermausschutz weiß, dass die Nachtjäger auch schon bessere Zeiten gesehen haben. Gründe für deren Not, einen Lebensraum zu finden, gibt es viele. Ob Sanierung von Altbauten, Versiegelung von potenziellen Schlafplätzen oder Zerstörung von Totholzbeständen: Überwiegend sind sie durch Menschenhand verursacht.

Mit dem Naturschutzprojekt „Tiere der Nacht“ will die Geschäftsstelle Biosphärengebiet Schwäbische Alb dem negativen Trend nachhaltig entgegenwirken. Das Geld dafür kommt von der Allianz Umweltstiftung, die zehn Jahre lang jährlich 100 000 Euro zur Verfügung stellt. „Wir wollten ein Projekt, das in der Landschaft sichtbar ist“, sagt Petra Bernert, Leiterin der Geschäftsstelle Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Es sei nicht darum gegangen, einfach etwas ins Leben zu rufen: „Das muss jetzt langfristig gepflegt werden“.Langfristig reicht es nicht aus, nur 600 Nistkästen aufzuhängen, die auch von Raufußkäuzen oder Schleiereulen angesteuert werden. Denn alle neuen Unterschlupfe helfen nichts, wenn es nicht das passende Nahrungsangebot gibt.

Praktischerweise ist der „Haupt-Hotspot“, wie Kaipf es so schön in Neudeutsch ausdrückt, für die Tiere die Streuobstwiese. Um diese für Nachtfalter, eine Leibspeise von Fledermäusen, attraktiv zu machen, hat man eine standortangepasste Blumenmischung zusammengestellt. Die Blumenwiese für Fledermäuse wird beutelweise als Aussaat an die beteiligten Partner verteilt, die diese wiederum auf ihren ­Wiesen aussäen. „Dabei handelt es sich natürlich um heimische Blumen“, betont Lucia Klein vom Regierungspräsidium, die das Projekt mitverantwortet. Auf circa 5000 Quadratmetern ihrer Privatflächen säen die 24 Projektpartner nun die nachtblühenden Pflanzen wie Ackernelke oder die Gemeine Nachtkerze aus. „Das ist für die Beteiligten ein ziemlicher Aufwand, aber sie verstehen sich dabei als Vorreiter und als Botschafter des Biosphärengebiets Schwäbische Alb“, betont Petra Bernert.

Rund die Hälfte der Nistkästen ist bereits angebracht worden. Die Positionen der nummerierten Kästen werden mittels GPS vermessen und dokumentiert. Laut Ingrid Kaipf werden die Unterkünfte auch gut angenommen. „Teilweise sind schon zwei Tage später Fledermäuse drin“, betont Kaipf. Im Sommer leben die Tiere im Übrigen in geschlechtergetrennten Wohngemeinschaften, klärt die Fledermaus-Expertin auf. Am Ende räumt Kaipf noch mit dem Mythos auf, Fledermäuse hausten hierzulande in großen Kolonien in Höhlen: „Im Sommer ist es den Tieren dort viel zu kalt.“ Denn die fliegenden Zeitgenossen mögen es warm und kuschelig. Und so drängen sich dann doch auch mal 40 Tiere in einem der vielleicht 40 Zentimeter hohen Nistkästen.

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