Ein Abschnitt der – auffällig geschmückten – Hauptstätter Straße in Stuttgart. Das Datum der Aufnahme ist unbekannt. Foto: Walter Wiedmann

Das Echo von Leserinnen und Lesern auf unser Geschichtsprojekt Stuttgart 1942, mit dem wir gemeinsam mit dem Stadtarchiv rund 12 000 Fotos des unzerstörten Stuttgart zugänglich machen, ist unverändert hoch. Eine weitere Auswahl von Einsendungen.

Stuttgart - Der Bitte unserer Redaktion nach Erinnerungen und persönlichen Geschichten in Zusammenhang mit unsrem Geschichtsprojekt Stuttgart 1942 kommen viele Leserinnen und Leser nach.

Ein privater Bilderfund

Durch das Geschichtsprojekt Stuttgart 1942 kam mir ein Foto aus dem Nachlass meiner Mutter in Erinnerung, von dem ich wusste, dass es in der Hauptstätter Straße aufgenommen wurde (Siehe oben). Die Abbildung zeigt vier geschmückte Hausfronten und lässt auf Anhieb erkennen, dass sie etliche Jahre vor 1942 entstanden sein muss. Die Fotoabteilung des Stadtarchivs hat unter anderem anhand des rechten Gebäudes mit der Schilderaufschrift „Bank Klaiber“ die Hausnummern 18-24 (von rechts nach links) identifiziert. Im Haus Nr. 22 befand sich die Bäckerei eines Onkels meiner Mutter, Johann Gronbach. Das Foto kann nicht ohne weiteres datiert werden. Die Bank Klaiber ist ab 1932 in dem Gebäude Hauptstätter Straße 18 nachgewiesen. Auf dem Schwarz-Weiß-Foto können die Farben der Fahnen nicht eindeutig identifiziert werden. Schwarz-Rot-Gold (Weimarer Republik) scheidet aus, eigentlich kommt nur Schwarz-Weiß-Rot (Deutsches Reich) infrage. Somit müsste die Aufnahme nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten entstanden sein. Verwunderlich ist dann allerdings, dass keinerlei NS-Symbole zu erkennen sind. Die unten rechts auf der Straße abgelegten Birkenstämmchen könnten ein Hinweis darauf sein, dass die Aufnahme im Frühjahr entstand. Die Häuserzeile ist auf zwei Bildern von der Hauptstätter Straße in der Sammlung Stuttgart 1942 zu erkennen, und zwar auf Bild 44 im Vordergrund (teilweise) und auf Bild 43 im Hintergrund vor der Silhouette des Kaufhaus Breuninger. Vielleicht können Leserinnen und Leser etwas zum Anlass und zur Datierung des festlichen Ereignisses beitragen.

Walter Wiedmann, Ostfildern

Lob für die Serie

Ein großes Kompliment für Ihre Stuttgart- 1942-Serie! In jenem Jahr bin ich geboren. 1948, im Jahr der Währungsreform, bin ich auf die Schule gekommen. Obwohl meine Mutter damals sehr sparen musste, ist sie mit meinen beiden Brüdern und mir einmal im Monat ins Café „Talmon Groß“ gegangen, das in der Tübinger Straße lag. Und dann war da noch der Tagblatt Turm, damals das höchste Gebäude in der Stadt und Sitz der Zeitung.

Ingrid Jaksche, Wolfschlugen

Im Keller hingen noch Gasmasken

Mit großem Interesse verfolge ich Ihre Serie und möchte gern etwas dazu beitragen: Meine Mutter – zu dieser Zeit noch nicht einmal 10 Jahre alt – erzählte wie so viele Menschen ihrer Zeit sehr ungern vom Krieg und den schlimmen Erlebnissen. Als wir allerdings in den 1980-er Jahren ihr großelterliches Haus in der Aspergstraße 39 in Gablenberg räumen mussten und zu diesem Zweck in den unteren Teil des zweistöckigen Kellers stiegen, wo noch Gasmasken neben Regalen mit eingemachtem Obst hingen, erzählte sie von einer furchtbaren Bombennacht. Viele Nachbarn, die nur ein Kellergeschoss in ihren Häusern hatten, kamen damals in das Theilacker‘sche Haus meiner Ur-Großeltern, weil der Weg in den Bunker (ich glaube in der Farrenstraße) wegen des überraschenden Angriffs zu weit gewesen wäre und sie sich dort sicherer fühlten. Eng an eng saßen damals wohl ganz viele Familien und harrten der Dinge, als plötzlich ganz nah Bombeneinschläge zu hören waren und das Haus erzitterte. Als der Angriff schließlich vorbei war, öffneten die Leute die Kellertür und stiegen hinauf. Das Haus war gar nicht getroffen worden. Die Nachbarhäuser, deren Bewohner Zuflucht in der Aspergstraße 39 gefunden hatten, waren allerdings laut den Erzählungen mehr oder weniger zerstört. Die Zuflucht in das großelterliche Haus meiner Mutter hatte den Menschen wohl das Leben gerettet.

An dieser Stelle möchte ich all jene bitten, die diese furchtbare Zeit erleben mussten, mit ihren Kindern und Enkelkindern darüber zu sprechen. Wie gern würde ich heute meine Mutter noch so Vieles fragen, doch sie ist leider verstorben, und mit ihr viele Erinnerungen.

Sabine Völker-Kraemer, Nürtingen

Brunnen wieder errichten

Nahezu 40 000 Stuttgarter Gebäude sind durch die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Ende der 1940er Jahre war ich mit meiner Mutter öfters in der Eberhardstraße unterwegs. Dort standen damals noch viele Teilruinen, in denen wieder provisorisch Geschäfte eröffnet hatten; die Außenmauern der ehemaligen Gebäude ragten nackt in die Höhe. So war dort auch eine Metzgerei untergebracht, in der ich eine Tasse heiße Fleischbrühe bekam – mein ganzes Glück.

Das Wohn- und Geschäftshaus Reinsburgstraße 2, in dem meine Großeltern wohnten und in dem meine Großmutter ein „Atelier für feine Damenmoden“ mit 50 Näherinnen betrieb, wurde durch Bomben völlig zerstört. Vor dem Haus, Ecke Reinsburg- und Marienstraße befand sich damals noch eine kleine Grünfläche mit dem Stuttgardia-Brunnen. Dieser Brunnen ist verschwunden; er wurde vermutlich dem Autoverkehr geopfert. Der Idee von der autogerechten Stadt, die in den 1950er Jahren verfolgt wurde, sind viele Wiederaufbausünden geschuldet – etwa sogenannte Planiedurchbruch 1959, dem das Kronprinzenpalais zum Opfer fiel oder das Alte Steinhaus nahe der Stiftskirche, ältestes Gebäude Stadt, 1286 während der Belagerung durch Rudolph von Habsburg erbaut und 1953 abgerissen zu Gunsten der Gewinnung von vier Parkplätzen! Es wäre schön, wenn die Stadt aus den im Lapidarium im Mörikestraße gelagerten Schätzen, wieder einige Brunnen errichten würde. Dort gibt es zum Beispiel die Figur einer Quellnymphe, geschaffen von einem Dannecker-Schüler, die einstmals einen früheren Brunnen am Neckartor zierte.

Dr. Walter Fuhrmann, Stuttgart

Eine alte Dinkelacker-Flasche

Beim Lesen Ihres Berichts über die Begutachtung von Gegenständen aus der damaligen Zeit durch das Auktionshaus Eppli dachte an einen interessanten Alltagsgegenstand, der sich in meinem Besitz befindet. Zu der Begutachtung bei Eppli war es mir zu viel Aufwand, aber ich möchte es ihnen nicht vorenthalten, somit diese kleine Info. Ich sammle alte Flaschen (habe ca. 3000 Stück) – deshalb wurde mir auch eine besondere Flasche angeboten. Sie stammt von einem Geschäftskollegen meiner Frau der Anfang der 1990er Jahre im Stuttgarter Westen seine Dachwohnung renoviert hat. Hinter einer Wand zwischen dem Dachgebälk wurde sie entdeckt.

In den Flaschenboden ist die Jahreszahl 1934 eingeprägt, das ist vermutlich das Produktionsjahr. Eigentümer und Abfüller ist die Brauerei Dinkelacker. Die Flaschen waren früher fast alle mit dem Namen der Brauerei im Glas markiert. Das Besondere ist, dass sich an der Flasche auch noch Reste des Etiketts befinden. Eventuell weiß man bei Dinkelacker aufgrund des Designs noch, ob sie tatsächlich vor dem Krieg oder danach etikettiert worden ist. Meine These zu ihrer Geschichte: Die Flasche wurde vermutlich irgendwann bei Arbeiten an dem Haus von Bauarbeitern getrunken und dann dort vergessen. Ich schließe das daraus, dass sie mit Zement verschmiert war. Der Verschluss ist geschlossen; es ist noch ein Rest an Flüssigkeit drin.

Peter Töpfer, Tamm

Infos zu Stuttgart 1942

Mit dem Geschichtsprojekt Stuttgart 1942 verarbeiten wir rund 12 000 Fotos aus dem Bestand des Stadtarchivs, die das unzerstörte Stuttgart zeigen. Den gesamten Bestand finden Sie unter: stuttgarter-nachrichten.de/stuttgart-1942

An Ihren persönlichen Erinnerungen sind wir sehr interessiert. Zuschriften bitte per Mail an: stuttgart 1942@stzn.de oder per Post an: Stuttgarter Nachrichten, Postfach 104452, 70039 Stuttgart. Für Ihre Einsendungen bedanken wir uns herzlich.

Walter Wiedmann, Ostfildern

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