Die Investoren halten das Grundstück Augsburger Straße 515 für ideal. Hier ließe sich ihr naturverbundenes Betreuungskonzept gut umsetzen. Foto: Elke Hauötmann

Die Crailsheimer Zottele DienstleistungsGmbH will auf dem Gärtnereigelände an der Augsburger Straße eine private Kita errichten. Bis zu 100 Plätze für Klein- und Vorschulkinder könnten langfristig entstehen.

Untertürkheim - Seit Jahren ist ein Teil des Gärtnereigeländes an der Augsburger Straße ungenutzt. Über Makler wurde das landwirtschaftliche Grundstück am Ortsrand von Untertürkheim wie Sauerbier angeboten. Jetzt gibt es einen ernsthaften Interessenten. „Wir finden es für unsere Zwecke ideal geeignet“, betonte Monika Rehberger, die Geschäftsführende Gesellschafterin der Zottele Dienstleistungsgesellschaft. Im Bezirksbeirat stellte sie die Pläne für eine privat betriebene Betreuungseinrichtung vor.

Das Crailsheimer Unternehmen möchte das Areal pachten und dort ein Kinderhaus errichten. Bis zu 100 Betreuungsplätze für Klein- und Vorschulkinder könnten dort entstehen. „In der ersten Ausbaustufe wären es etwa 50“, so Rehberger. Dafür würden die Gewächshäuser im vorderen Bereich abgerissen, an ihrer Stelle soll ein zweigeschossiger Modulbau errichtet werden. „Das ginge ziemlich schnell.“ Der einstige Verkaufspavillon der Gärtnerei bliebe erhalten und soll umgebaut werden. Wenn der Pachtvertrag für die hinteren, noch genutzten Gewächshäuser in wenigen Jahren auslaufe, könnte sich die Einrichtung laut Rehberger um weitere 50 Plätze vergrößern. Insgesamt würden 20 Arbeitsplätze entstehen.

Überdachter Spielbereich im Freien

Auch ein teils überdachter Spielbereich im Freien ist vorgesehen, zudem ein kleiner Stall für acht bis zehn Kaninchen und fünf Meerschweinchen. Eventuell sollen auch ein paar Zwergziegen hinzukommen. Das gehört zum Konzept: „Die tiergestützte Pädagogik ist ein Schwerpunkt unserer Arbeit“, erläuterte Rehberger. „Wir sehen täglich, dass es für die Kinder sehr schön ist, mit den Tieren zusammen zu sein. Beim Versorgen oder Pflegen der Tiere werden wichtige soziale Aspekte erlernt und emotionale Stärke ganz nebenbei eingeübt.“ Namensgeber und Maskottchen für „Zottele“ sei übrigens ein Shettland-Pony, das die Einrichtungen regelmäßig besuche.

Rehberger, selbst dreifache Mutter, ausgebildete Erzieherin und angehende Betriebspsychologin, stammt ursprünglich von einem Bauernhof. „Das hat mich geprägt.“ 2001 eröffnete sie ihre erste Zottele-Kita in Crailsheim, mittlerweile gibt es sechs solcher Häuser im Hohenlohischen. „In familiärer Atmosphäre“ werden dort insgesamt 95 Kinder zwischen null und sechs Jahren betreut. Zur Philosophie, führte Rehberger aus, gehören lange und flexible Öffnungszeiten, um Beruf und Familie optimal zu vereinbaren, regelmäßige Exkursionen und Ausflüge mit den Kindern in die Natur sowie ein frisch gekochtes Mittagessen. Was freilich seinen Preis habe: Für die Ganztagesbetreuung eines Kleinkindes müssten Eltern 700 bis 800 Euro monatlich bezahlen, für ein über drei Jahre altes Kind 500 bis 600 Euro. „Wir orientieren uns an den Preisen anderer privater Kitas.“

Lang gehegter Wunsch

Ein Kinderhaus in Stuttgart zu eröffnen, sei ein lang gehegter Wunsch, so Rehberger. „Der Bedarf ist da.“ Man habe sich in der Landeshauptstadt mehrere Objekte angeschaut – und verworfen. Das Grundstück an der Augsburger Straße hingegen sei gerade wegen seiner Lage interessant. Nicht nur wegen der Natur drumherum. „Der Einzugsbereich ist groß“, erklärte Rehberger: Das Angebot richte sich nämlich nicht nur an Eltern aus Unter- und Obertürkheim, sondern auch an jene, die ihren Arbeitsplatz in den Oberen Neckarvororten haben und ihr Kind in der Nähe betreuen lassen wollen. Seit Frühjahr 2017 schon laufen die Planungen, ein Baugesuch wurde im Mai dieses Jahres bei der Stadt eingereicht. Dort erteilte man dem Projekt jedoch vorerst eine Abfuhr: Eine Neubebauung im Außenbereich sei rechtlich nicht zulässig. Ob möglicherweise eine Nutzungsänderung genehmigungsfähig sei, werde geprüft. Andernfalls sei eine Bebauungsplanänderung erforderlich.

Im Untertürkheimer Bezirksbeirat stieß das Projekt auch auf Wohlwollen, aber vor allem auf Skepsis: „Das ist ein sehr gutes Projekt, wir würden es unterstützen“, sagte Andrea Mathiasch (CDU). Ihr Fraktionskollege Klaus-Dieter Warth merkte an, dass es durchaus Gutverdiener im Ort gebe. „Wenn diese ihre Kinder dort unterbringen, werden in anderen Einrichtungen Plätze frei.“ Für Alleinerziehende werde die Kita unerschwinglich sein, kritisierte Werner Kapitza (SPD). Auch Gerald Multerer (Freie Wähler) stellte fest: „Die Kosten sind sportlich.“ Er befürchtet mehr Verkehr durch die „SUV fahrenden Eltern aus Esslingen“. Alfred Küstler (SÖS-Linke-Plus) warnte vor einer Nutzungsänderung: „Das könnte sich dann die ganze Straße so fortsetzen.“

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