Je bunter und gemischter ein Team sei, desto kreativer seien die Arbeitsergebnisse, sagen die Experten von IBM bei ihrem Besuch in Hohenheim. Foto: Cedric Rehman

Am Paracelsus-Gymnasium in Hohenheim gibt es einen Kurs, der Mädchen für Naturwissenschaften und technische Berufe begeistern soll. Bei der Auftaktveranstaltung vergangene Woche waren auch Mitarbeiter des Unternehmens IBM dabei.

Hohenheim - Clara Löns und und Lisa-Marie Klick wollen sich nicht ablenken lassen. Ein Roboter auf ihrem Pult im Klassenzimmer des Hohenheimer Paracelsus-Gymnasiums (PGH) ist über ein USB-Kabel mit einem Laptop verbunden. Dem Apparat wollen sie bei der Auftaktveranstaltung des schulübergreifenden Projekts „Roberta“ Sehen, Hören und Greifen beibringen. Das geschieht, indem sie ihn am Bildschirm programmieren und so seine Sensoren aktivieren. Für paar kurze Fragen wenden sie dann doch den Blick ab vom Monitor. Die Viertklässlerinnen geben unterschiedliche Antworten darauf, warum sie an „Roberta“ teilnehmen. Lisa-Marie Klick will Ingenieurin werden. Ihre Freundin sagt, sie sei neugierig gewesen, weil ihr Technik Spaß mache.

Beide Antworten dürften das Herz von Harald Schweinfurth höher schlagen lassen. Der stellvertretende Schulleiter des PGH hat den Kurs organisiert. Das Gymnasium hat die eigenen Schülerinnen der fünften Klasse und Viertklässlerinnen der Körschtalschule sowie der Grundschulen Birkach und Neuhausen eingeladen. Denn aus Sicht der Schule ist die Förderung von Mädchen in den Naturwissenschaften noch ausbaufähig. Schweinfurth verweist darauf, dass es trotz Förderprogrammen und erhöhter Sensibilität der Lehrer immer noch zu wenig Ingenieurinnen in Deutschland gibt.

Früh Begabungen entdecken

Wichtig sei es, sagt er, möglichst früh dafür zu sorgen, dass Mädchen ihre Begabungen in den sogenannten Mint-Fächern – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – entdecken. 18 Mädchen des Hohenheimer Gymnasiums sowie der Birkacher, Plieninger und Neuhausener Grundschulen haben sich nun für den einjährigen Kurs angemeldet, bei dem sie genau dies tun wollen.

Mitarbeiter des Informationstechnologieriesen IBM aus Böblingen sind bei der Auftaktveranstaltung dabei. Sie unterstützen so „Roberta“. Der erste Blick auf das ­Team von IBM reicht, um zu verstehen, was Harald Schweinfurth meint, wenn er die Förderung von Mädchen in den Mint-Fächern ausbaufähig nennt. Es sind fast nur Männer, die den Schülerinnen bei der Programmierung des Roboters zur Seite stehen. Der Software-Entwickler Sebastian Wegmann bedauert das: „Da geht uns Potenzial verloren.“ Er geht für IBM an die Schulen, um das auf lange Sicht zu ändern.

Plädoyer für Vielfalt

Je bunter und gemischter ein Team sei, desto kreativer seien die Lösungen. Immerhin gebe es Hoffnungszeichen: „In meinem Studium lag der Frauenanteil immerhin bei 20 Prozent, früher gab es kaum Frauen, die Informatik studiert haben.“ Der IBM-Mitarbeiter geht von Pult zu Pult und fragt, ob er helfen kann. Meist hält er sich zurück. „Der Sinn solcher Veranstaltungen ist ja, dass die Mädchen sehen: Sie können das selbst“, sagt er. Wegmann hat keine Erklärung, warum Mädchen zögernd in technische Berufe gehen. „Ich glaube, es liegt immer noch an der Erziehung zu den alten Geschlechterrollen“, sagt er.

Die Schülerin Lisa-Marie Klick, die Ingenieurin werden will, hat ein Vorbild in der Familie. Ihr Vater sei Ingenieur, sagt sie, und natürlich freue er sich, dass sich die Tochter für seinen Job interessiert. Sie ist sich übrigens sicher, dass es Berufe nur für Frauen oder Männer in Zukunft nicht mehr geben wird. „Ich kann mal das machen, was mir Spaß macht.“

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