Die Schüler gestalten unter anderem die Schulflure. Foto: Simon Granville

Die Matern-Feuerbacher-Realschule und der Handwerksbetrieb Soyez haben eine Aktion gestartet. Berufsorientierung, Kreativität und ein Mehrwert für die Schule treffen aufeinander.

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen die Firma Soyez Stuckateur aus Ilsfeld und die Matern-Feuerbacher-Realschule in Großbottwar. Mit dem Projekt ColorUp! Wollen die Kooperationspartner demonstrieren, wie kreative Praxis, Berufsorientierung und sichtbarer Mehrwert für den Schulalltag zusammenwirken können.

 

Ergebnisse dieser Art lieferte schon eine Projektwoche im vergangenen Jahr. Dabei wurde der Schulhof verschönert und Spielfelder wurden aufgemalt. Nun folgt die Innengestaltung. Zwei Stockwerke werden aufgehübscht. „Bereits in den Weihnachtsferien haben sich die Schüler Motive überlegt und Vorlagen gezeichnet“, erklärt die Lehrerin Aylin Colak.

Im unteren Stockwerk, wo die 10. Klassen beheimatet sind, wird das Motto „Gemeinsam stark fürs Leben“ im Graffiti-Style das Auge auf sich lenken. Die Schülerin Nehir hat dem Schriftzug ein Motiv hinzugefügt: einen von ihr gezeichneten Storch, dem Wappentier der Stadt. Kreative Schülerarbeit gibt es auch im oberen Stock bei den Zimmern der Neuntklässler. Zum Thema berufliche Orientierung machte hier der 14-jährige Caner das Rennen. Demokratisch wählten die Schüler seinen Entwurf, bei dem man optisch zunächst von einer leuchtenden Glühbirne magisch angezogen wird. Sämtliche Motive waren vorab mit der Schulleiterin Carolin Jesser abgestimmt worden.

Kochkurse, Sporttage und mehr

Pierre Kölle-Kullmann ist praktischer Ausbilder bei der Firma Soyez und steht voll und ganz hinter den außerordentlichen Bemühungen seines Arbeitgebers, der auch durch eine starke Medienpräsenz Jugendliche auf sich aufmerksam machen will. Aktionen wie die Projekttage finden sich etwa auf Instagram, TikTok und den Webseiten der Schule wie der Firma wieder. „Wir erhalten nicht allein durch unsere Aktivitäten an den Schulen Bewerbungen. Inzwischen bekommen wir auch Initiativbewerbungen. Das ist im Handwerk fast nicht mehr üblich. Es fehlen überall Auszubildende“, betont der Ausbilder, der im vergangenen Jahr gar sieben neue Azubis bekommen hat. „Fürs kommende Ausbildungsjahr ab Herbst haben vier schon vier.“

Er weiß aber auch, dass nicht jeder Betrieb solche Möglichkeiten hat. „Unseren Lehrlingen werden attraktive Dinge geboten, die es nicht überall gibt: Kochkurse, Sporttage, Ausflüge, Teambildungsmaßnahmen oder auch Knigge-Kurse, damit sie über das Verhalten generell und an den Baustellen Bescheid wissen“, sagt Kölle-Kullmann.

Erfahrungshorizont erweitert sich

Als Kopf dieser kreativen Bausteine nennt er Lara Soyez. Sie sei in den Betrieb hineingewachsen und betreibe das Ausbildungs-Marketing äußerst ambitioniert. Als besonderen Clou sieht er die überbetriebliche Ausbildungskabine an, die im Leonberger Berufsschulzentrum steht und von Soyez der Realität nachempfunden wurde. „Das ist eine Lehrlingswerkstatt, in der gleichzeitig zwei Azubis Prüfungssituationen in Echtzeit durchlaufen oder auch Handlungsabläufe einüben können, die ihnen irgendwie noch Schwierigkeiten bereiten.“

Dass die Azubi-Suche dennoch kein Selbstläufer ist, zeigen die spontanen Reaktionen auf die Frage: Wer kann sich konkret vorstellen, den Beruf des Malers für sich zu wählen?“ Keiner der 17 Teilnehmenden antwortete positiv. Überraschenderweise aber erwägen drei Mädchen dies als Plan B. Lucie etwa strebt vorrangig die Ausbildung als Friseurin an. Sozan findet die Arbeit mit Farbe an sich „cool“, fürchtet sich aber noch vor dem exakten Arbeiten. „Ich habe ein, zwei Mal über die Abgrenzung hinaus gemalt.“ Vielleicht kann Kölle-Kullmann ja noch mit einer weiblichen Auszubildenden planen. Es wäre die erste in seiner Berufszeit.

Dass der Erfahrungshorizont der Schüler durch das Projekt wesentlich erweitert wird, findet Aylin Colak bedeutsam. Sie sieht in der Klarheit „auch zu erkennen, was man nicht machen möchte“, einen Gewinn. „So können die Jugendlichen gewisse Felder schon mal abhaken.“