Werbung fürs Porsche-Museum: Auch ein leuchtender Porsche zählt zu den Glanzlichtern. Foto: dpa

Die Gratisbeleuchtung an der Königstraße setzt fragwürdige Akzente – und bewirkt viel Schatten in den 1b-Lagen, meint Autorin Sabine Fischer.

Stuttgart - Es funkelt in der Stuttgarter Innenstadt – unübersehbar. In den vergangenen ­Wochen sind Königstraße und Schlossplatz dank des Projekts Glanzlichter zum vorweihnachtlichen Bling-Bling-Spektakel mutiert. Mit ihren Lichtskulpturen und der Platanenbeleuchtung wollen die Veranstalter mehr Menschen in die Stadt locken und den ästhetischen Graben zwischen dem Weihnachtsmarkt und der restlichen Innenstadt überbrücken.

Zum Teil ist das gerechtfertigt: Dass zum Beispiel der Schlossplatz gegenüber der funkelnden Eisbahn und den geschmückten Buden bisher eher verloren wirkte, stimmt schon. Dass man den Platz nun aufwertet, um im regionalen Vorweihnachtswettrennen mithalten zu können, ist folgerichtig.

Mit den 400 000 LED-Lämpchen entlang der Königstraße verhält es sich allerdings anders. Denn die teuren Lichterketten, die dort dank einer ­Finanzspritze der Stadt an allen Bäumen glitzern, setzen fragwürdige Akzente: Erstrahlen lassen sie nämlich vor allem den Massenkonsum – und das, ohne dass die vor Ort vertretenen Konzerne, die von der Beleuchtung profitieren, dafür finanziell in die Bresche gesprungen wären. Dass sich Händler, die in den Nebenstraßen ohne diese Gratisbeleuchtung auskommen müssen, darüber ärgern, ist nur allzu verständlich. Vor allem wenn man bedenkt, dass Beschwerden über einen Sanierungsstau und eine chronische Vernachlässigung der Nebenstandorte immer wieder laut werden. Der Frust über die Weihnachtsbeleuchtung ist da wohl eher das Licht gewordene Symbol eines tieferen Problems.

sabine.fischer@stzn.de

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