Christoph Sonntag sind die Ernährungswochen für Schüler erklärtermaßen eine Herzensangelegenheit. Foto: Ines Rudel

Sechstklässler aus Schorndorf lernen mit der Stiphtung Christoph Sonntag in einem örtlichen Hotel Tischetikette und regionale Produkte kennen.

Schorndorf - Das Beste kommt wie immer zum Schluss. Zumindest findet das Milica. „Das Essen“ ist für die Schülerin der Gemeinschaftsschule Rainbrunnen der Höhepunkt des ersten Projekttags. Rindergeschnetzeltes mit Reis bekommen die Sechstklässler an diesem Montagmittag im Restaurant des Schorndorfer Hotels Reich serviert. Davor haben sie einiges darüber gelernt, was in einem Restaurant eigentlich erlaubt ist und was nicht, welches Besteck rund um den Teller liegt, welches für was da ist und wie viel Aufwand es bedeutet, die Servietten so schön zu falten.

Benimmkurs als Bestandteil der Projektwoche

Der kleine Benimmkurs ist Bestandteil der Projektwoche „Gesunde Ernährung, Tisch und Kultur“, angeboten von der Stiphtung Christoph Sonntag, finanziert von Sparda-Bank und Rewe. Vermittelt hat ihnen das Wissen Anne Fries. Die Hotelleiterin macht gerne mit, weil sie es wichtig findet, Kindern und Jugendlichen einige Regeln fürs Restaurant mitzugeben: „Man merkt schon, dass viele nicht mehr von den Eltern vermittelt bekommen, wie man sich richtig verhält, dass man nicht mit der Hand isst, herumrennt oder alles anfasst“, erzählt sie.

Nicht jede Klasse kann sie davon überzeugen, dass Tischetikette wichtig ist, aber die Sechstklässler der Gemeinschaftsschule Rainbrunnen bekommen ein Lob von ihr: „Sie waren sehr aufmerksam und haben viele Fragen gestellt.“ Zum Beispiel, ob man Pizza und Hähnchenschlegel vielleicht doch in die Hand nehmen und ob man die Spaghetti auch ohne Löffel essen darf. Und was hat der Profi geantwortet? „Pizza isst man mit Besteck, bei Hähnchen darf man manchmal die Hand benutzen – dann bekommt man allerdings ein Tuch zum Abputzen der Hände. Und die Pasta darf man mit Messer und Gabel essen, aber nicht klein schneiden.“

Es geht bei der Projektwoche allerdings nicht nur darum, wie man isst, sondern auch darum, was auf dem Teller liegt. Deswegen gehen die Sechstklässler noch einen Vormittag lang zum Biohof Vogel nach Welzheim. Und zum Abschluss werden sie in der Schulküche gemeinsam ein Mittagessen kochen.

Die Oma hat jeden Samstag für ihre Arbeiter gekocht

„Das erleben immer weniger Kinder“, sagt Christoph Sonntag, der beim ersten Projekttag persönlich vorbeischaut und eine kleine Tischrede hält. „Das lass ich mir bei meinem Projekt nicht nehmen. Wir machen das jetzt zum zehnten Mal und nur ein- oder zweimal musste ich jemanden anderen hinschicken“, sagt der Kabarettist, dem die Ernährungswochen ein echtes Herzensanliegen sind.

Warum, auch davon erzählt er den Schülern: „Meine Oma hat jeden Samstag für ihre Arbeiter gekocht. Die hatte eine Mehltruhe auf dem Dachboden, so groß wie dieser Tisch. Und ein riesiges Fass, in dem 300 Eier eingelagert waren.“ Geprägt habe es ihn, ihr beim Kochen zuzuschauen, beim Spätzle machen und Fleisch marinieren. Und geprägt habe ihn auch, dass dabei nur Regionales auf den Tisch kam. „Ein einziges Mal habe ich im November Spargel gekauft. Der hat nicht geschmeckt. Und auch eingefrorener Spargel ist nichts. Nein, man muss bis zum Mai warten“, sagt er.

Sonntag löscht „das Feuer im Kleinen“

Am Vorabend ist er vor 3000 Menschen auf dem Schorndorfer Marktplatz aufgetreten, jetzt gibt er jedem Schüler die Hand, begrüßt jeden mit Namen. Die kleine Runde empfindet er als nachhaltiger als seine großen Auftritte: „Die Menschen kommen mit festen Meinungen, da kann ich weniger ausrichten als hier. Hier löschen wir das Feuer im Kleinen“, sagt Christoph Sonntag.

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