Nachdem es in der Königstraße 1 bis 3 nicht geklappt hat, ist die Architektenkammer weiter auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten, in denen zukunftsfähige und innovative Architekturlösungen präsentiert werden können.
Seit Jahren wünscht sich die Architektenkammer Baden-Württemberg einen öffentlichen Ort in der Landeshauptstadt, an dem zukunftsfähige und innovative Architekturlösungen gezeigt und diskutiert werden können. Der Arbeitstitel: Zentrum Bauen der Zukunft. „Stuttgart hat so eine großartige, bedeutsame Architekturtradition. Dass es so etwas hier nicht gibt, ist aus unserer Sicht ein Armutszeugnis für Stadt und Land, die mit einem solchen Schaufenster der Bauinnovation ein echtes Alleinstellungsmerkmal schaffen könnten“, betont Pressesprecherin Gabriele Renz.
Dass ein solches Angebot in der Bevölkerung gut angenommen werden würde, steht für die Architektenkammer außer Frage. Rund 14 000 Besucherinnen und Besucher wurden gezählt, als 2022 die Pop-up-Ausstellung zum 100. Geburtstag des Architekten Günter Behnisch von Ende Juli bis Anfang Oktober mitten in der Innenstadt in der Königsstraße 1c zu sehen war. „Es war ein absoluter Publikumserfolg“, sagt Renz. „Das hat uns darin bestärkt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das Thema Architektur stößt in der breiten Öffentlichkeit auf Interesse, wenn das Angebot niederschwellig, leicht auffindbar und mitten in der Innenstadt ist.“
Die Kammer vertritt mehr als 26 000 Architekten und Stadtplaner
Dafür Räumlichkeiten zu finden, hat bisher allerdings noch nicht geklappt – obwohl „wir schon seit vielen Jahren an dem Thema dran sind und das Vorhaben sogar im aktuellen Koalitionsvertrag von Grünen und CDU steht“, sagt Renz. „Wir hatten Gespräche mit einer Reihe von Akteuren, unter anderem mit der LBBW Immobilien über eine Fläche in der Königstraße 1 bis 3, die jedoch letztlich an der Finanzierungsfrage scheiterten.“
Die Architektenkammer Baden-Württemberg ist die zweitgrößte Landesarchitektenkammer in Deutschland und vertritt mehr als 26 000 Architektinnen und Architekten sowie Stadtplanerinnen und Stadtplaner. „Das ist eine Größenordnung, wie sie ganz Frankreich nicht aufweist“, betont Renz. „Wir hätten uns insbesondere mit Blick auf die IBA’27 Stadt Region Stuttgart, die ein herausragendes Reallabor darstellt, einen solch gut zugänglichen Ort wie die Königsstraße 1 bis 3 sehr gewünscht und haben sehr konstruktive Vorschläge unterbreitet, wie dieser Ort aufgewertet werden kann.“
150 000 Euro stehen im Haushalt zur Verfügung
Weitere Optionen sind bislang nicht in Sicht. Bei der Suche nach einem passenden Gebäude hatte sich die Architektenkammer Baden-Württemberg insgesamt etwas aktivere Unterstützung durch die Landeshauptstadt Stuttgart und das Land erhofft. Der Prozess sei aber noch im Gange. Gespräche mit der Stadt, die grundsätzlich Hilfe angeboten habe, gebe es weiterhin, heißt es bei der Architektenkammer.
Das bestätigt auch Baubürgermeister Peter Pätzold auf Nachfrage unserer Zeitung: „Wir kennen die Pläne der Architektenkammer und begrüßen diese. Wir bedauern es sehr, dass die Fläche der LBBW für den Standort an der Königsstraße nicht genutzt werden kann. Daher sprechen wir mit der Architektenkammer und der Bürgerstiftung, um eine neue Fläche zu finden.“ Denn: Der Charakter des Projekts habe sich inzwischen verändert, nämlich als Kooperation der Architektenkammer und der Bürgerstiftung Stuttgart, als Haus der Baukultur und Haus des bürgerschaftlichen Engagements. „Fakt ist: Im aktuellen Doppelhaushalt stehen 150 000 Euro für die Planungen bereit“, sagt Pätzold. Das habe der Gemeinderat 2023 so beschlossen.
Ein Museum ist nicht gewollt
Gesucht werden rund 2000 Quadratmeter in der Innenstadt. Mit welchen Inhalten die Fläche gefüllt werden soll, stehe noch nicht fest, sagt Renz. Nur so viel sei klar: „Nichts Museales“ solle es haben. Vielmehr wolle man die Vernetztheit, Prozesshaftigkeit und Innovationskraft der Baukultur abbilden, ein „Ort des Diskurses“ sein, in dem man auch in einem Café verweilen kann.