Eine Variante der Ansichten des geplanten Komplexes: Manche Bürger finden, dass die Massivität beschönigt wird. Am rechten Bildrand: die Markthalle. Illustration: Behnisch Architekten

Stillstand beim Projekt am Karlsplatz scheint überwunden – Breuninger will jetzt allein bauen.

Stuttgart - OB Wolfgang Schuster ist guter Dinge, dass der Stillstand bei der städtebaulichen Erneuerung am Karlsplatz überwunden ist. Die Firma Breuninger und das Land sind sich nämlich über das Vorgehen einig geworden: Breuninger baut das Projekt Da Vinci jetzt allein. Das Land begnügt sich mit einer Mietoption.

Als Bauherr wird das Land bei dem Neubauprojekt am Karlsplatz nicht mehr mit von der Partie sein. Daniel Abbou, Sprecher des Finanzministeriums, bestätigte am Mittwoch, was mit Breuninger-Chef Willem G. van Agtmael tags zuvor festgezurrt wurde. Breuninger soll die derzeitigen Gebäude des Innenministeriums bekommen, das im Frühjahr 2012 an die Willy-Brandt-Straße umzieht, und dann nach den eigenen Vorstellungen bauen. "Wir überlegen, in den Neubauten Büros anzumieten - vielleicht aber auch nicht", sagte Abbou auf Anfrage. Die Mietoption habe man.

Ehemaliges Hotel Silber soll erhalten bleiben

Über das weitere Vorgehen hätten sich die Vertreter des Ministeriums und des Unternehmens in guter Atmosphäre verständigt, sagte Abbou. Das ehemalige Hotel Silber, von dem aus in der NS-Zeit die Geheime Staatspolizei Angst und Schrecken verbreitete und in dem heute Arbeitsplätze für das Innenministerium sind, bleibe erhalten und werde zum Erinnerungsort.

Am Donnerstag soll der Finanzausschuss des Landtags informiert werden. Die Operation ist aber weit gediehen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und der Breuninger-Chef hatten sich schon früher verständigt. Am Mittwochvormittag informierte van Agtmael OB Wolfgang Schuster und Städtebaubürgermeister Matthias Hahn.

Ob das Land die Mietoption nützt und wen es dann in den Neubauten einquartieren wird, ist noch unklar. Zurzeit werde erst einmal auf Hochdruck die Unterbringung des Ministerpräsidenten und seines Staatsministeriums im Planieflügel des Neuen Schlosses geprüft, sagte Arne Braun, Sprecher der Regierung. Zunächst braucht man interimsweise einen neuen Regierungssitz, weil die Villa Reitzenstein mit Nebenbauten saniert wird. Wahrscheinlich muss Kretschmann im Herbst 2012 umziehen.

Einzelhandel und Gastronomie vorgesehen

Bekannt ist aber auch, dass der Regierungschef und sein Umfeld auch auf Dauer lieber in der Innenstadt arbeiten möchten. Dafür ist ebenfalls der Planieflügel des Neuen Schlosses im Gespräch, von dem das Kultusministerium ins ehemalige Postareal an der Lautenschlagerstraße umziehen wird.

Zusätzlich könnte fürs Staatsministerium im Commerzbank-Bau am Schlossplatz eine Mietoption genützt werden, sagte Braun. Denkbar sei auch, dass Kretschmann sich noch näher mit einer Gesamtlösung unter Einschluss des Landtags befassen werde, wenn der neue Landtagspräsident Guido Wolf (CDU) sich genauer mit dem Bürobedarf der Abgeordneten befasst hat. Vorgänger Willi Stächele hatte mit dem Neuen Schloss geliebäugelt.

Wer künftig am Karlsplatz arbeiten wird und ob das von OB Schuster angestrebte Fünf-Sterne-Hotel noch eine Chance hat, will zurzeit noch niemand sagen. Von Breuninger soll es aber Signale geben, dass im Erdgeschoss der Neubauten nun Einzelhandel und Gastronomie vorgesehen werden.

OB strebt Belebung beim Karlsplatz an

Das passt auch OB Schuster gut. Er habe größtes Interesse an einer Belebung durch Einkaufsbummler und Flaneure beim Karlsplatz, sagte sein Sprecher Markus Vogt. Die Verwaltungsspitze wolle sich in Details aber nicht einmischen. Wichtig sei ihr eine konstruktive Zusammenarbeit - und die habe van Agtmael in seinen Telefonaten zugesagt. Der OB ist seither zuversichtlich, dass der Stillstand bei diesem wichtigen städtebaulichen Projekt vorbei ist. "Wir gehen davon aus, dass das Hotel Silber erhalten wird und sich die Baumassen an der Umgebung daran ausrichten", sagte Vogt.

Ob der preisgekrönte Entwurf der Neubauten vom Büro Behnisch Architekten weitere Anpassungen erlaubt, oder ob ein ganz neuer Entwurf notwendig ist, weiß niemand. Nicht einmal das Architekturbüro, wie der Planer Martin Haas am Mittwoch ausrichten ließ.

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