Mit dem Projekt will der Naturparkverein den Kindern die heimischen Pflanzen, Tiere und Insekten nahebringen mit dem Ziel, den Naturschutz schon bei den Kleinsten zu verankern. Aber auch dem abgetragenen Aldi-Hügel, jetzt Gewerbegebiet, soll Rechnung getragen werden.
Gärtringen - Wenn es um die Einrichtung von ökologischem Lebensraum geht, stellt die angrenzende Fläche an einen Kindergarten oder eine Schule den optimalen Standort dar. Mit dem Ziel, heimische Pflanzen, Tiere und Insekten erleben zu lassen und zu schützen, wurde nun am Gärtringer Waldkindergarten im Rahmen des Projekts „Blühender Naturpark Schönbuch“ eine Blühwiese angelegt. Weitere in der Gemeinde sollen folgen.
„Jetzt schnappt sich jedes Kind einen Eimer und dann beginnen wir gemeinsam mit dem Einsäen“. Schönbuch-Naturführer Rainer Wolf wusste, wie sich die Kinder des Waldkindergartens am Rößeweg am besten in die neue Umgebung einbinden lassen. Und die Kindergruppe unter Leitung von Smiljana Frech, die sich an der Außenkante der neuen Gärtringer Blühwiese positioniert hatte, war mit Feuereifer bei der Sache. Im Nullkommanix waren die Blumensamen aus den Behältnissen, gut angereichert mit Sägemehl, auf dem Boden verstreut, sehr zur Freude der Erzieherinnen.
Die Kinder sollen einen Bezug zur Wiese bekommen
„Nun heißt es abwarten, bis der Regen kommt und zwischendurch die Sonne wieder scheint. Und wenn ihr denkt, es hat nicht funktioniert, dann müsst ihr noch mal warten, weil sich die Samen genau überlegen, wann sie aufwachen“, erläuterte Rainer Wolf, der bei den Kindern zuvor schon für Ah’s und Oh’s sorgte, als er anhand von Linsen und Nüssen die Welt der Samen veranschaulichte. Sechs bis acht Wochen kann es laut dem Naturkenner dauern, bis die Blumensamen keimen. „Wildpflanzen sind da sehr vorsichtig, sie warten auf optimale Gegebenheiten“, sagte er. Und am Ende, so Wolf, werden „die naturverbundenen Kinder zwar nicht gleich jeden Käfer beim Vornamen kennen, werden aber auf jeden Fall einen Bezug zu dieser Wiese bekommen.“ Und genau dies sei das Anliegen des Naturparkvereins. „Nur was man kennen und lieben gelernt hat, schützt man als Erwachsener.“
Auf einem Streifen von 150 Quadratmetern hatte der Gärtringer Bauhof mit eingesätem Gras die Voraussetzungen für das Projekt „Blühwiese“ geschaffen, gleich daneben wurden verschiedene Obstbäume gepflanzt und zudem ein Steinhügel als kommender Lebensraum für Eidechsen und andere Kleintiere angelegt. Dies alles auf einer Fläche, die der Gärtringer Orts- und Gartenbauverein zur Verfügung gestellt hatte. Das notwendige Gelände bereitzustellen und eine regelmäßige Pflege sicherzustellen sind laut Wolf die Hauptvoraussetzungen, um die Vorhaben in die Tat umzusetzen. „Die Gemeinde Gärtringen macht da extrem viel“, sagte Rainer Wolf und verwies auf bereits initiierte Aktionen wie die Kiebitzwiese in Rohrau oder den Bachlauf durch Gärtringen, der als grüner Streifen ins Überlaufbecken mündet.
„Moralischer Ausgleich für den abgetragenen Aldi-Hügel“
Bürgermeister Thomas Riesch, der zusammen mit Hauptamtsleiter Norbert Sünder und Sachgebietsleiterin Ingrid Haag der Einweihung beiwohnte, freute sich über die erste offizielle Aktion am neuen Kindergarten am Gärtringer Wald. Thomas Riesch: „Das Außengelände bietet sich hier an, um für Biodiversität und Insektenschutz zu sorgen. Diesen Bereichen wird in unserer Gemeinde eine große Bedeutung beigemessen, zumal wir hier in unmittelbarer Nähe eines großen Streuobstgebietes stehen.“ Das neue Wiesenprojekt mit Wildblumen und Obstbäumen stellt sich laut Riesch als „moralischer Ausgleich für den abgetragenen Aldi-Hügel dar“, der bekanntlich zum Gewerbegebiet umfunktioniert wurde. Insgesamt 1400 Quadratmeter sollen es laut Bauhofleiter Christof Klingler im Endstadium sein, die im Gemeindegebiet dem Projekt „Blühwiese“ zugeschrieben werden. „Alle drei Schulen werden ebenfalls noch eine Fläche zugewiesen bekommen“, so Klingler, der mit seinem Team an diesen naturbelassenen Standorten nur einmal im Jahr mit Mäharbeiten gefordert sein wird. „Das sieht dann vielleicht etwas ungepflegt aus, erfüllt aber den Zweck dieser Aktion.“
Bereits 18 Naturparkgemeinden
Die Kontaktaufnahme mit der Gemeinde initiierte der Naturpark Schönbuch, der in drei Phasen unterstützend und beratend zur Seite steht. Nach der nun erfolgten Einsaat wird Rainer Wolf im Sommer zur Blumenblüte und wenige Wochen später, wenn Wildbienen und Hummeln unterwegs sind, abermals in Gärtringen vorbeikommen. Parallel wird der Waldkindergarten mit einem Projektordner und diversen Naturfibeln für die Kinder ausgestattet.
Aktuell werden in 18 Naturparkgemeinden über 90 verschiedene Flächen naturnah und ökologisch bewirtschaftet. Oftmals gab hierbei das Projekt „Blühender Naturpark Schönbuch“ die Initialzündung für die Gemeinden, auf diesem Gebiet tätig zu werden. „Jede Fläche zählt“ heißt es dabei in einem Schreiben des Fördervereins, der sich beim Schaffen von neuem Lebensraum als unermüdliche Institution erweist.