Die Stadt Schorndorf zieht die Notbremse: Geplante legale Mountainbike-Trails kommen nicht. Das sind die Gründe.
Mountainbiken liegt im Trend, auch in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis). Doch wer sich künftig legal mit dem Bike durch die Wälder rund um die Stadt schlängeln will, muss draußen bleiben. Die Stadtverwaltung hat das Projekt zur Einrichtung legaler Trails auf Eis gelegt. Offiziell heißt es: „Das Projekt wird bis auf Weiteres nicht weiter verfolgt.“
Wie die Stadt mitteilt, sei eine Umsetzung der Trails im sensiblen FFH-Gebiet „Schurwald“ naturschutzrechtlich zu aufwendig. Eine bereits durchgeführte FFH-Verträglichkeitsprüfung habe ergeben, dass für die Genehmigung einzelner Strecken große Waldflächen an anderer Stelle stillgelegt werden müssten. Die zuständige Naturschutzbehörde lehnte diese Kompromisslösung jedoch ab – und forderte mehr Schutzfläche. Für die Stadt war das Maß damit voll.
Naturschutz im Fokus: Strenge Auflagen für neue Trails
FFH steht für Fauna-Flora-Habitat. Dabei handelt es sich um besonders geschützte Naturzonen, die im Rahmen der EU-Naturschutzrichtlinie Natura 2000 ausgewiesen wurden. Ziel: gefährdete Arten und Lebensräume erhalten. Jegliche Eingriffe – etwa durch neue Trails – müssen auf ihre Auswirkungen geprüft werden. Werden Beeinträchtigungen festgestellt, sind Ausgleichsmaßnahmen nötig oder das Vorhaben wird abgelehnt.
Hinter dem Aus steht indes ein Konflikt, der weit über Schorndorf hinausreicht: Wie lässt sich Natur schützen, ohne sportliche Freizeitgestaltung zu verbannen? Der Rems-Murr-Kreis hatte dafür vor Jahren einen runden Tisch ins Leben gerufen. Das Ziel: Legale Trails schaffen, die sowohl ökologische wie sportliche Interessen berücksichtigen.
In anderen Kommunen wie Weinstadt, Backnang oder Kernen ist das Konzept aufgegangen. Laut Angaben der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB) gibt es im Rems-Murr-Kreis inzwischen 60 offiziell genehmigte Trails mit einer Gesamtlänge von 43,5 Kilometern. Und das Beste: Die Trails werden ehrenamtlich gepflegt, die Kosten für Beschilderung trägt der Kreis.
Mountainbike-Trails im Rems-Murr-Kreis
- Offizielle Trails: 60
- Gesamtlänge: ca. 43,5 Kilometer
- Betroffene Kommunen: 10
- Kosten für Städte/Gemeinden: keine
- Pflege & Bau: durch lokale MTB-Gruppen
- Erster Trail: Katzenkopftrail in Kernen
- Jüngster Trail: Staatswald bei Auenwald
- Anlaufstelle: www.dimb-ig-remsmurr.de
Der Erfolg anderswo macht die Entscheidung in Schorndorf umso schwerer nachvollziehbar. „Es gab intensive Gespräche mit allen Beteiligten – Forst, Naturschutz, Mountainbiker. Doch eine für das Schutzgebiet verträgliche Streckenführung war einfach nicht zu finden“, heißt es aus dem Rathaus.
Illegale Trails: Realität trifft auf bürokratische Hürden
Ein Hauptproblem: Die illegale Nutzung. Viele der in Frage kommenden Trails existieren bereits, teils seit Jahren, von Mountainbikern selbst angelegt und genutzt. Doch bei der naturschutzrechtlichen Prüfung dürfen diese nicht berücksichtigt werden. Es gilt ein fiktiver Ausgangszustand: ein Wald ohne Trails. Dass dies an der Realität vorbeigeht, sorgt bei vielen für Kopfschütteln.
Laut Landeswaldgesetz Baden-Württemberg dürfen Fahrräder nur auf Wegen fahren, die breiter als zwei Meter sind. Ausnahmen sind möglich – etwa im Rahmen des Trailkonzepts des Landkreises. Genau hier setzt das Modell an, das andernorts funktioniert: schmale Pfade, rechtlich sauber genehmigt, mit Rücksicht auf Flora, Fauna und Fußgänger.
Legale Mountainbike-Trails reduzieren Konflikte im Kreis
Laut dem Landratsamt sinkt seit Einführung der legalen Trails die Zahl der Beschwerden über Wildfahrer. Die Zusammenarbeit mit Wandervereinen, Jägern und Naturschützern habe sich bewährt. Viele Fußgänger nutzten die Trails inzwischen selbst, wenn auch mit wachsamem Blick für heranrollende Bikes.
Für die Szene ist Schorndorfs Rückzieher ein Dämpfer. Auf der Website der DIMB-IG Rems-Murr zeigt man sich enttäuscht, verweist aber auch auf andere Städte, in denen der Dialog weiterläuft. Neue Trails sind in Planung – unter anderem im Remstal und im Wieslauftal.
Dass ausgerechnet die Große Kreisstadt Schorndorf den Rückzug antritt, wirkt wie ein Rückschritt. Dabei war man einst Teil des Vorreiter-Projekts. Seit 2021 liefen Gespräche. Es gab Hoffnung. Engagement. Jetzt bleibt ein Wald mit Verbotsschildern – und eine Jugend, die sich ihre Wege vermutlich weiter illegal sucht.