In der Technik-Akademie ist konzentriertes Arbeiten angesagt. Foto: Horst Rudel

Für die Uhinger Hieberschule gehört das Fördern und das Fordern gleichermaßen zur Gemeinschaftsschul-Idee. Mit den Angeboten der Technik-Akademie sollen Grundlagen geschaffen und Berufsfelder erkundet werden.

Uhingen - Nur ganz vorsichtig drückt Israfil Özer die Standbohrmaschine nach unten. Das Loch in dem runden Metallstück darf nicht zu groß werden. Schließlich soll das Modell eines Traktors nachher sauber rollen und nicht eiern. Der 13-Jährige zieht den Bohrer wieder nach oben, setzt seine Schutzbrille ab und prüft sein Werk mit kritischem Blick. Noch ein bisschen feilen und fertig ist das Rad, in dem die Achse am Ende wie angegossen sitzt. „Passt“, sagt er zufrieden. Israfil findet es „richtig cool“, was er hier macht. „Ich will beruflich in die Richtung gehen, deshalb ist es toll, dass ich bei ,Voll abgedreht!‘ mitmachen darf“, freut sich der Achtklässler.

„Voll abgedreht!“, so heißt ein Projekt im Rahmen der Technik-Akademie der Uhinger Hieberschule. Eines von vielen wohlgemerkt: der Lego-Club, die Lego-Technik und das Haus der kleinen Forscher, die Lego-Robotik und ein Astronomie-Kurs runden das Angebot ab. „Wir wollten dieses Curriculum komplett aufbauen und schon mit den Jüngsten beginnen, um Kompetenzen zu schulen und Technikbegeisterung zu wecken“, nennt Claudia Leber den Grund für den zusätzlichen Aufwand. Für die Rektorin ist die Technik-Akademie ein Element der Begabtenförderung und damit ein wichtiger Teil der Gemeinschaftsschule.

Ein Konzept aus Fördern und Herausfordern

Gehe es um schwächere Schüler, sei die Idee inzwischen akzeptiert. „Aber das Konzept sieht nicht nur das Fördern, sondern auch das Herausfordern von Stärken vor“, ergänzt die Schulleiterin. Dass die Maßnahmen in der gebotenen Breite durchgeführt werden können, ist vielen begünstigenden Faktoren zu verdanken. Obwohl der Bildungsplan einen Technikunterricht von Klasse 5 an bis jetzt noch nicht vorsieht, wurde Thomas Baur, der am Lehrerseminar in Kirchheim/Teck als Fachleiter im Bereich Technik arbeitet, für einige Stunden nach Uhingen abgeordnet.

Baur brachte zudem gleich seine Kontakt zur Hochschule Esslingen ein, so dass in der Hieberschule zwar mit kleineren, aber mit realitätsnahen Maschinen der Firma Cool Tools gefräst und gebohrt werden kann. Obendrein wurde die ortsansässige Firma EWS Tool Technologies ins Boot geholt. Der Hersteller von Präzisionswerkzeugen sponserte allerdings nicht nur die persönlichen Werkzeugkoffer der acht Teilnehmer von „Voll abgedreht!“, vielmehr dürfen die Jungs in der Firma die auch gesamten Abläufe im Maßstab 1:1 verfolgen und sogar ihre Werkstücke an großen Maschinen fertig stellen.

Der EWS-Geschäftsführer Matthias Weigele hält dieses Engagement für selbstverständlich: „Zum einen liegt uns die Jugend am Herzen, zum Zweiten brauchen wir gute Auszubildende, und zum Dritten haben wir mit der Hieberschule gute Erfahrungen gemacht.“ Die Teilnehmer der Technik-Akademie könnten ja die Fachkräfte von morgen sein, fügt Weigele hinzu.

Baur: Das ist auch ein Stück Persönlichkeitsbildung

Baur sieht das ähnlich. „Es gilt, Voraussetzungen zu schaffen.“ So müsse man beispielsweise Baupläne lesen können, was heute nicht mehr selbstverständlich sei. „Es geht darum, ein Berufsfeld zu erkunden und das Feuer dafür zu entfachen“, betont er. „Da ist so ein Projekt sicher besser, als sechs Wochen lang an einem U-Stahl herumzufeilen“, fügt er hinzu.

Zudem dient die Technik-Akademie nach seiner Einschätzung der Persönlichkeitsbildung: „Um teilnehmen zu dürfen, musste eine Bewerbung abgegeben werden. Damit soll deutlich werden, dass das was Besonderes ist.“ Verstärkt werde der VIP-Charakter dadurch, dass in Kürze ein Raichberg-Gymnasiast aus Ebersbach als Stipendiat und damit als Mitschüler nach Uhingen komme, ergänzt er.

Hilfreich für die Rundumbetreuung ist überdies, dass die Kooperative Berufsorientierung die Hieberschule ebenfalls unterstützt. Maria Fischer vom gemeinnützigen Bildungsträger BBQ geht Thomas Baur regelmäßig zur Hand. Lediglich eine Baustelle gebe es noch, erklären die beiden unisono. Bei „Voll abgedreht!“ mangle es noch an Mädchen. „Doch das wird sich ändern“, stellt Baur klar. In der Lego-Robotik sind Schülerinnen bereits in der Mehrheit.

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