Daimler ist wieder auf dem Vormarsch. Foto: apn

Konzern erhöht zum zweiten Mal dieses Jahr Prognose - Auch BMW-Mitarbeiter bekommen Prämie.

Stuttgart - Der Stuttgarter Autobauer wird vom eigenen Erfolg überrollt: Nach dem ersten lief auch das zweite Geschäftsquartal besser als erwartet. Daimler will nun die Messlatte für den Jahresgewinn ein weiteres Mal anheben.

Analysten hatten nach den guten Absatzzahlen vom Juni und den positiven Aussichten für das dritte Quartal bereits gemutmaßt, dass Daimler seine aktuelle Jahresprognose für 2010 korrigieren wird. Bei der offiziellen Bekanntgabe der Halbjahreszahlen am 27. Juli will der Konzern eine neue Gewinnmarke bekannt geben.

Damit korrigiert der Autobauer seine Ziele zum zweiten Mal binnen drei Monaten: Ende April hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche überraschend vier Milliarden Euro Gewinn vor Steuern und Zinsen in Aussicht gestellt - nachdem er den Aktionären wenige Tage zuvor auf der Hauptversammlung deutlich weniger versprochen hatte. Unter Analysten sorgte der abrupte Kurswechsel denn auch für Kritik.

Wie schon im Frühjahr ist auch dieses Mal das Pkw-Geschäft für die positive Entwicklung verantwortlich. Zum vorläufigen Geschäftsergebnis von 2,1 Milliarden Euro von April bis Juni trugen allein Mercedes-Benz-Pkw knapp 1,4 Milliarden Euro bei. Weitere 300 Millionen Euro erwirtschaftete die Daimler-Lkw-Sparte. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum hatte der Stuttgarter Premiumautobauer noch eine Milliarde Euro Verlust eingefahren, die Trendwende ist insbesondere der stark wachsenden Nachfrage nach Daimler-Luxuslimousinen in China und in den USA zu verdanken.

130.000 Daimler-Tarifangestellte bekamen Sonderbonus

In China hat Daimler seine Verkäufe seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt, in den USA beträgt der Zuwachs mehr als 20 Prozent. Zudem begründet der Konzern den Erfolg mit einem vorteilhaften Produkt-Mix, positiven Wechselkurseffekten und einer besseren Preisdurchsetzung. Das heißt, dass Daimler weniger Rabatte gewährt hat. Der Umsatz stieg von April bis Juni deutlich auf 25,1 Milliarden Euro nach 19,6 Milliarden im Vorjahr. Insgesamt haben die Stuttgarter im ersten Halbjahr 607 400 Pkw und damit 11,6 Prozent mehr verkauft als im ersten Halbjahr 2010.

Die anziehenden Geschäfte ermöglichen den deutschen Premiumautobauern, ihren Mitarbeitern nachträglich für das Engagement in Krisenzeiten Anerkennung zu zollen. Rund 130.000 Daimler-Tarifangestellte bekamen deshalb mit dem Juni-Gehalt zusätzlich jeweils 500 Euro Sonderbonus überwiesen. Nun zieht der Münchener Konkurrent BMW nach und zahlt seinen 71.000 Beschäftigten im Juli im Schnitt 1060 Euro Prämie. Das haben Management und Betriebsrat beschlossen, vor wenigen Tagen hatte auch BMW seine Jahresprognose für 2010 angehoben.

"Die Belegschaft hat sich mit Durchhaltevermögen und Engagement für das Unternehmen eingesetzt. Die jetzt beschlossene Sonderzahlung ist mehr als eine symbolische Anerkennung dafür", sagte Manfred Schoch, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von BMW, auf einer Betriebsversammlung. BMW-Chef Norbert Reithofer nannte die Sonderzahlung zugleich einen Ansporn, auch künftig gute Arbeit zu leisten. "Die wieder positive Geschäftsentwicklung zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Anders als die Mitbewerber Audi und Daimler hatte BMW 2008 keine Prämie an die Beschäftigten ausgeschüttet. Damals erhielten Daimler-Mitarbeiter 1900, Audi-Beschäftigte sogar 5300 Euro. Für 2009 zahlte die Ingolstädter Volkswagen-Tochter den Mitarbeitern 3500 Euro Erfolgsbeteiligung und Sonderprämie.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: