Rechts wie links: Borna Sosa zeigt seine Vielseitigkeit. Foto: Baumann/Alexander Keppler

Erstmals hat Borna Sosa beim VfB Stuttgart nicht auf dem linken, sondern dem rechten Flügel gespielt – und war der Lichtblick beim 0:1 gegen Arminia Bielefeld. Was bedeutet das für die Zukunft?

Stuttgart - Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen – das wusste auch Pellegrino Matarazzo, als er vor dem Heimspiel gegen Arminia Bielefeld feststellen musste, dass ihm die Stürmer ausgegangen waren. Also beorderte der Trainer des VfB Stuttgart zum einen den Spielmacher Daniel Didavi und überraschenderweise auch den Außenbahnspieler Roberto Massimo in die Spitze – und verschob zum anderen Borna Sosa erstmals vom linken auf den rechten Flügel. Eine ähnlich überraschende, gleichzeitig aber auch einleuchtende Entscheidung, denn: „Wenn es keine Zielspieler in der Box gibt, dann braucht es auch keine Flanken“, wie Matarazzo erklärte.

 

Borna Sosa (23) hat sich seit dem Wiederaufstieg des VfB dank seines starken linken Fußes und seiner perfekten (Schuss-)Technik zum kroatischen A-Nationalspieler und einem der besten Außenbahnspieler der Bundesliga entwickelt. In der Vorsaison lieferte er zehn Torvorlagen und bildete mit dem zwei Meter großen Mittelstürmer Sasa Kalajdzic ein kongeniales Duo. Flanke, Kopfball, Tor – so lautete das ebenso simple wie bestechende Erfolgsrezept, das inzwischen nicht mehr aufgeht. Denn neben Kalajdzic fehlt seit Monaten auch der 1,89 Meter große Silas Katompa Mvumpa. Und zu allem Überfluss musste gegen Bielefeld auch noch Hamadi Al Ghaddioui (1,90 Meter) wegen einer Erkältung kurzfristig passen.

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Für Matarazzo war somit der Zeitpunkt gekommen, eine Idee in die Tat umzusetzen, mit der sich der VfB-Trainer bereits „seit mehreren Wochen“ beschäftigt hatte. Zwar konnte auch Sosas Rochade auf die rechte Seite nicht die 0:1-Niederlage verhindern – doch lieferte sein Debüt auf der ungewohnten Position immerhin einen der wenigen Lichtblicke an diesem aus VfB-Sicht rabenschwarzen Samstagnachmittag.

Borna Sosa weckt ganz leise Erinnerungen an Arjen Robben

Beeindruckend war es, mit welcher Selbstverständlichkeit Sosa seine neue Rolle ausgefüllt und sein Spiel verändert hat. Nicht wie sonst mit Flügelläufen und Flanken versuchte es der Nationalspieler, sondern nutzte vor allem in der deutlich besseren ersten Spielhälfte die Vorteile, die sich einem Linksfuß auf der rechten Seite bieten: Immer wieder zog er mit Dribblings in die Mitte, spielte gute Bälle in die Spitze oder kam aus dem Zentrum selbst zum Abschluss. Hätte Sosa, der an fast jeder gefährlichen Aktion beteiligt war, auch noch getroffen – der Vergleich mit dem früheren Bayern-Rechtsaußen Arjen Robben wäre nicht weit entfernt gewesen.

Das Experiment sei „sehr gut aufgegangen“, das fand auch Pellegrino Matarazzo – ein Urteil, das sich über die Neubesetzung des Sturms auch mit viel gutem Willen nicht fällen ließe. Anders als die Versetzung des bemitleidenswerten Roberto Massimo (21), dem jegliche Durchschlagskraft fehlte, wäre ein erneuter Einsatz Sosas auf rechts viel mehr als nur eine Notlösung – „das ist auch in Zukunft eine Option“, sagte Matarazzo.

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Die taktischen Variationsmöglichkeiten des VfB-Trainers sind also größer geworden – was auch damit zusammenhängt, dass Nikolas Nartey auf Sosas angestammter Position im linken Mittelfeld zumindest andeuten konnte, dass er eine ernst zu nehmende Alternative ist. Auch für den 21 Jahre alten Dänen war es eine neue Erfahrung, nachdem er bei seinen vorangegangen drei (Kurz-)-Einsätzen für den VfB im zentralen defensiven Mittelfeld aufgelaufen war.

Zwar ließ auch Nikolas Nartey seine Offensivqualitäten fast nur in der ersten Hälfte aufblitzen – doch stellte er dabei neben seiner Schnelligkeit und starken Physis auch eine gewisse Spielintelligenz und Anpassungsfähigkeit unter Beweis: Seine Hereingaben von links kamen allesamt flach in den Bielefelder Strafraum.