Mann mit Supercup: Javi Martinez vom FC Bayern in Budapest Foto: imago/Sven Simon

Der Baske Javi Martinez köpft den FC Bayern zum Supercup-Sieg in Budapest – und steht nun nach acht Jahren mit vielen Titelgewinnen in München vor der Rückkehr in die Heimat. Eine Annäherung an einen Fußball-Arbeiter.

Stuttgart/Budapest - Mister Supercup wollte den Supercup nicht hochhalten. Als seine Teamkollegen auf dem Podium hüpften und schrien, als einer nach dem anderen die Trophäe in Richtung des Budapester Nachthimmels reckte, da stand der Held im Abseits. Das passte irgendwie nicht so recht zusammen mit der Geschichte des Abends, an dem Javi Martinez keine Randfigur war, sondern der Hauptdarsteller. Aber irgendwie passte es doch auch zu diesem bescheidenen Arbeiter, der die anderen neben sich gerne glänzen lässt. Auf dem Platz. Und auf dem Podium.

Der Baske war es, der den FC Bayern München am späten Donnerstagabend in der Verlängerung zum 2:1-Sieg gegen den Europa-League-Gewinner FC Sevilla köpfte – und damit zum zweiten Mal zu einer Art Superman des Supercups wurde. Im Jahr 2013, als die Bayern ebenfalls als Champions-League-Sieger in Prag den FC Chelsea besiegten, war es Martinez, der mit seinem Treffer zum 2:2 in der Nachspielzeit der Verlängerung den Weg ins dann gewonnene Elfmeterschießen ebnete.

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Nun, sieben Jahre später, erzielte Martinez in Budapest das Siegtor – und hielt den Pott am Ende doch noch in die Höhe. Nicht auf dem Podium, sondern später in der Fankurve, aber das, klar, nur kurz. „Ich hatte ihn für zwei, drei Sekunden“, sagte der Matchwinner. Und sprach dann über das, was da aller Voraussicht nach sehr bald kommen wird: seinen Abschied vom FC Bayern – nach acht Jahren mit acht deutschen Meisterschaften, zwei Titelgewinnen in der Champions League und einigen anderen großen Triumphen.

„Ich weiß nicht, was in den kommenden Tagen passiert. Aber wenn ich mich auf diese Art, mit meinem Tor, verabschiede, ist das ein Traum“, sagte Martinez, der sich mit Athletic Bilbao längst über einen Wechsel einig ist.

Lob von Müller

Die Bayern und Bilbao pokern noch um die Ablösesumme und sind dem Vernehmen nach nicht mehr weit auseinander. Dennoch ist es nicht auszuschließen, dass an diesem Sonntag in der Bundesliga bei der TSG Hoffenheim (15.30 Uhr) ein weiteres Abschiedsspiel für Martinez steigt.

Die Abschiedsrede gab es allerdings schon nach dem Sieg im Supercup – der Laudator war ein langjähriger Mitspieler. „Die Kirsche auf der Sahne war natürlich, dass unser Mister Supercup Javi Martinez getroffen hat. Mit seinem Kopf ist er eine absolute Waffe“, sagte der Bayern-Offensivmann Thomas Müller und holte zur ultimativen Danksagung auf einen „super Typen, super Kollegen und auch verrückten Vogel“ aus: „Man kann nicht oft genug Danke sagen. Er hat dem Verein sehr viel gegeben und mir persönlich sehr geholfen, den einen oder anderen Titel zu holen: Danke Javier!“

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Müller wird wohl nicht der einzige bleiben, der Martinez in den nächsten Tagen würdigt – zu groß ist die Geschichte des Spaniers beim FC Bayern. Aufgrund der riesigen Anzahl an gewonnenen Titeln, klar. Aber auch aufgrund unvergessener Auftritte auf dem Weg dahin.

So war es Martinez, der das Spiel im Champions-League-Finale von 2013 gegen Borussia Dortmund (2:1) nach schwacher erster halben Stunde des FC Bayern an sich riss. Der im Mittelfeld Zweikämpfe gewann, der dagegenhielt. Der mit seinen berühmten raumgreifenden Schritten die Lücken schloss. Martinez war der Mann, der damals in London voranging – und an dem sich ein gewisser Bastian Schweinsteiger daneben aufrichten konnte.

Hilfe für Flüchtlinge

Martinez verlieh dem spielerisch leichten Ensemble des FC Bayern über Jahre hinweg die für die großen Erfolge nötige Prise Stabilität und Robustheit – und wird auch aufgrund seines Auftretens außerhalb des Platzes in Erinnerung bleiben in München. Im Jahr 2015 etwa fuhr er auf eigene Faust an den Münchner Hauptbahnhof, um zu helfen, als Zehntausende Flüchtlinge dort ankamen.

Vier Jahre später weinte Martinez auf der Bayern-Bank, als er gegen die TSG Hoffenheim trotz großer Personalnot nicht eingesetzt wurde. Der damalige Co-Trainer Hansi Flick nahm ihn in den Arm und tröstete ihn.

Nach vielen Verletzungen war Javi Martinez zuletzt keine Stammkraft mehr beim FC Bayern. Er war aber wohl nach wie vor derjenige Profi, der sich am meisten mit dem Club und mit seiner Aufgabe identifizierte.

Nun geht die Geschichte des Javi Martinez in München zu Ende. Der Mann, der im Sommer 2012 für die damalige Bundesliga-Rekordablöse von 40 Millionen Euro aus Bilbao kam, steht kurz vor der Heimkehr zu Athletic. Die dortige Lokalzeitung „El Correo“ jedenfalls feierte den 32-Jährigen nach seinem entscheidenden Tor im Supercupfinale für die Bayern schon mal als „Heiligen“, den es zu „küssen“ gelte.

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