In der Montage im Porsche-Stammwerk Zuffenhausen wird bis Ostern nicht gearbeitet. Foto: dpa/Marijan Murat

In den Fabriken von Porsche und Audi wird bis Ostern nicht gearbeitet, weil die Corona-Krise für Probleme beim Nachschub von Zulieferungen führt.

Stuttgart - Die Werke der Autobauer Porsche, Audi und VW stehen wegen der Corona-Krise länger still als zunächst geplant. Porsche teilte am Dienstag mit, dass der Produktionsstopp in den Werken Zuffenhausen und Leipzig zunächst um eine Woche bis Ostern verlängert werden soll. Der Sportwagenhersteller hatte die Fertigung an den beiden Standorten am 21. März zunächst für zwei Wochen gestoppt und angekündigt, die Lage sehr aufmerksam zu beobachten und kontinuierlich neu zu bewerten.

 

Porsche-Chef Oliver Blume wollte damals schon nicht ausschließen, dass die Zwangspause noch etwas länger dauern könnte. Insgesamt müssen damit rund 10 000 Mitarbeiter aus der Produktion nun länger zu Hause bleiben. Der Porsche-Chef hatte angekündigt, dass Kurzarbeit beantragt werde. In den anderen Bereichen arbeiten die Mitarbeiter laut Blume, wo immer möglich, im Homeoffice. Ein Sprecher des Unternehmens wollte sich noch nicht festlegen, ob nach Ostern die Bänder wieder laufen. Dies hänge von der weiteren Entwicklung ab, so der Sprecher.

Die Stuttgarter VW-Tochter begründet den längeren Stillstand mit Engpässen in den Lieferketten, die eine geordnete Produktion nicht zuließen. Vorstandschef Blume hatte bei der Vorlage der Bilanz bereits darauf hingewiesen, dass beispielsweise Nachschub aus Italien fehle, wo die Regierung zur Eindämmung des Coronavirus einen Produktionsstopp auf breiter Front verfügt hat.

Auch VW verlängert die Kurzarbeit

Auch Audi begründete die Verlängerung der Kurzarbeit in den Werken Neckarsulm und Ingolstadt bis Ostern mit Engpässen bei Zulieferern. Zudem wies die VW-Tochter auf Nachfragerückgänge hin. Dadurch komme es weiterhin zu Arbeitsausfällen, so eine Sprecherin. Deshalb werde die Kurzarbeit von zwei auf drei Wochen verlängert.

Die Marke VW hat die Zwangspause für rund 80 000 Mitarbeiter in der vergangenen Woche um vier Werktage bis zum 9. April verlängert. Am Dienstag erfolgte nun eine weitere Verlängerung bis zum 19. April. BMW gab am Dienstag bekannt, dass im März für 20 000 Mitarbeiter Kurzarbeit bei der Bundesagentur für Arbeit angemeldet worden sei. Zuvor war bereits beschlossen worden, dass die Bänder bis zum 19. April stehen sollen. Daimler hat den Großteil der Produktion und bestimmte Verwaltungsbereiche in Europa am 23. März zunächst für zwei Wochen stillgelegt. „In dieser Phase konnten die Arbeitszeitkonten der Mitarbeiter in Deutschland weitgehend abgebaut und somit die Voraussetzungen für Kurzarbeit geschaffen werden“, so eine Sprecherin. Kurzarbeit wurde für die Zeit vom 6. April bis zum 17. April vereinbart. Davon seien in Deutschland sowohl Pkw- als auch Transporter und Nutzfahrzeugwerke betroffen. „Wie es danach weitergeht, hängt von den generellen Entwicklungen ab, die laufend beobachtet werden“, sagte die Sprecherin.

Der Autoexperte Peter Fuß rechnet mit einer nur langsamen Rückkehr zur Normalität

Der Autoexperte Peter Fuß vom Beratungsunternehmen EY rechnet mit einer nur langsamen Rückkehr zur Normalität in Deutschland. „Selbst im günstigsten Fall werden Produktion und Pkw-Verkäufe erst im Herbst wieder auf dem Vorkrisenniveau liegen. Rückschläge müssen dabei immer wieder einkalkuliert werden“, warnt Fuß. Im günstigsten Fall werde der Autoabsatz in der EU in diesem Jahr um 15 Prozent unter dem Vorjahr liegen.

Ferdinand Dudenhöffer von der Universität St. Gallen erwartet, dass erhebliche Überkapazitäten in der deutschen Autoindustrie entstehen werden. „Wir müssen mit einem deutlichen Abbau der Kapazitäten rechnen“, sagt Dudenhöffer. Selbst bei optimistischen Annahmen könnten gut 100 000 Arbeitsplätze oder zwölf Prozent aller Stellen bei Autobauern und Zulieferern gefährdet sein.