Die Grundstücksverkäufe im neuen Gewerbepark Rosenloh in Weilheim (Kreis Esslingen) verlaufen offenbar schleppend. Damit gerät der geplante Bau einer der größten Brennstoffzellen-Produktionsstätten in Europa in Gefahr.
„No news is good news – keine Neuigkeiten sind gute Neuigkeiten“ besagt ein Sprichwort. Im Fall der geplanten Ansiedlung des Brennstoffzellenherstellers Cellcentric im neuen Gewerbegebiet Rosenloh in Weilheim/Teck (Kreis Esslingen) gilt diese Weisheit allerdings nicht. Dort will das Unternehmen, ein Joint Venture von Daimler Truck und Volvo, ein sogenanntes Klimawerk errichten, das eine der größten europäischen Produktionsstätten für die moderne Technologie werden soll.
Der Zeitdruck ist dabei immens. Denn bereits 2025 muss eine der dann größten Brennstoffzellen-Produktionsstätten Europas stehen, damit ein Jahr später vor allem Lastwagen mit modernster und umweltschonender Technologie aus Weilheim ausgestattet werden können. Soll das gelingen, muss im kommenden Jahr der Spatenstich erfolgen. Die Grundvoraussetzung dafür wiederum wäre, dass alle Grundstücke bis dahin im Besitz der Stadt sind. Doch danach sieht es momentan überhaupt nicht aus.
„Es gibt den einen oder anderen Notartermin“
Dabei hatte der Weilheimer Bürgermeister Johannes Züfle bereits Anfang Juni 2022 erklärt, für die Verhandlungen mit den 300 Eigentümern von Grundstücken auf dem 30 Hektar großen Rosenloh-Areal sei es „schon eins vor zwölf, eigentlich sogar noch später“. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Stadt Weilheim rund 75 Prozent der Flächen notariell gesichert. Knapp drei Monate später hat sich daran offenbar wenig geändert: Auf Anfrage teilt die Sprecherin der Stadt Weilheim mit: „Tatsächlich haben sich keine nennenswerten Neuigkeiten ergeben. Aktuell führen wir weiterhin Gespräche mit Eigentümern, aus denen sich auch der eine oder andere Notartermin ergibt.“ Aufbruchsstimmung klingt in jedem Fall anders – zumal es sich dem Vernehmen nach zwar auch um größere, aber auch noch etliche kleine Grundstücksflächen handelt, deren Besitzer einen Verkauf ablehnen.
Zwar läuft parallel das formale Genehmigungsverfahren weiter. So werden aktuell die Stellungnahmen und Vorschläge geprüft und aufgearbeitet, die im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung für die Flächennutzungsplanänderung eingereicht worden sind. Als einer der nächsten Schritte steht dann der Auslegungsbeschluss auf der Tagesordnung im Gemeinderat. Nicht ausgeschlossen scheint indes, dass die Stadt, die mittlerweile einen knapp siebenstelligen Betrag in die Planung des Gewerbegebiets Rosenloh investiert hat, irgendwann die Notbremse ziehen muss.
Zumindest in öffentlichen Stellungnahmen hält Cellcentric vorerst weiter am Standort Weilheim fest: „Wir befinden uns nach wie vor in der Phase des vollständigen Grundstückserwerbs. Dieser sowie auch der formale Genehmigungsprozess liegen weiterhin in der Verantwortlichkeit der Stadt Weilheim“, erklärt Firmensprecherin Kim Eisfeld. Hierzu sei man „im engen und regelmäßigen Austausch“. Eisfeld: „Wir haben größtes Vertrauen in Herrn Bürgermeister Züfle und die Stadt Weilheim.“
Cellcentric erteilt auch Gerüchten eine Absage, die Firma könne zunächst nur die Produktionsstätte im Rosenloh bauen und erst nach Abwicklung aller Grundstückskäufe auch die Verwaltung und das Forschungszentrum vom benachbarten Kirchheimer Stadtteil Nabern nach Weilheim planen: „Wir verfolgen das Ziel, eine global wettbewerbsfähige Produktionsstätte für unsere Brennstoffzellensysteme aufzubauen“, heißt es. Eine räumliche Aufteilung der Organisation sei „für diese Zielsetzungen nicht förderlich“.
Augenmerk auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz
Bei der Einführung einer neuen Technologie im Allgemeinen sowie bei der Brennstoffzellen-Technologie im Besonderen sei es ein entscheidender Vorteil, „Entwicklungs- und Produktionskompetenz räumlich unter einem Dach zusammenzuführen“. Zudem würde eine räumliche Aufteilung zu mehr Verkehr zwischen den einzelnen Standorten führen. Das sei ineffizient und für Cellcentric ebenfalls nicht vereinbar mit einem hohen Augenmerk auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz.
Liest man die Mitteilung von Cellcentric aber genau, lässt sich doch ein Schlupfloch für einen Plan B ausmachen, sollte das Weilheimer Projekt scheitern. Zwar stellt Cellcentric fest: „Wir werden in jedem Fall eine Lösung für das Klimawerk finden.“ Dieser Satz ist aber nicht unmittelbar mit dem Standort Weilheim verknüpft.
Schwierige Suche nach Alternativen
Stellt sich also die Frage nach Alternativen. Die wiederum sind rar. Der Industriepark Aspen in Schwäbisch Gmünd, in dem die Wasserstofftechnik eine überragende Rolle spielen soll, ist aus Cellcentric-Sicht zu weit entfernt, als dass man den hoch qualifizierten Mitarbeitern zumuten könnte, jeden Tag dorthin zu pendeln. In unmittelbarer Nähe von Weilheim gäbe es dann nur noch das neue Gewerbegebiet Bohnau-Süd. Aus planerischer Sicht, das macht der Chefplaner der Region, Thomas Kiwitt, deutlich, käme dieser Standort durchaus infrage. Einziges Manko: bei der ursprünglichen Suche hatte sich Cellcentric gegen Bohnau-Süd und für Weilheim entschieden.
Mit großem Interesse verfolgt Andreas Schwarz, der Fraktionschef der Grünen im Landtag und Kirchheimer Landtagsabgeordnete, die Entwicklung: „Das muss einfach klappen“, sagt er: „Für die Landesregierung besitzt das Brennstoffzellenprojekt nach wie vor oberste Priorität. Wir werden alles tun, um für Cellcentric einen geeigneten Standort, am besten einen in der Region Stuttgart, zu finden.“ Zunächst seien aber die Weilheimer in der Pflicht, alles zu unternehmen, damit Cellcentric im Gewerbepark Rosenloh bauen könne. Wo nötig und möglich, biete die Regierung ihre Unterstützung an.