Nicht an alle Schulen in Fellbach findet digitaler Unterricht statt. Foto: dpa/Stefan Puchner

Einige Bildungseinrichtungen in Fellbach kämpfen auch noch zehn Wochen nach Schulschließung mit den Gegebenheiten. Vor allem an Grundschulen häufen sich die Beschwerden.

Fellbach - Der Frust unter vielen Fellbacher Schulkind-Eltern ist groß. Zehn Wochen nach Schulschließung läuft die pädagogische Versorgung der Kinder oftmals alles andere als gut. Vor allem an den Grundschulen häufen sich die Beschwerden der Eltern. „Unsere Kinder arbeiten seit Wochen nur kopierte Arbeitshefte ab, erst seit kurzem gibt es das ein oder andere Erklär-Video“, berichtet etwa eine Mutter einer Grundschülerin. Die erledigten Aufgaben können dann zwar zur Korrektur abgegeben werden. Diese Korrekturen wiederum erreichen die Kinder allerdings frühestens zwei bis drei Wochen später. „Ein Unding“, findet ein Vater und kritisiert, dass das Kind sich doch nicht mehr an die Aufgaben erinnern könne, geschweige denn sich für die Korrekturen interessiere.

Manche Lehrer melden sich nur alle 14 Tage bei ihren Schülern

Auch die Tatsache, dass es zwischen Lehrkräften und Kindern so gut wie keinen persönlichen Kontakt gibt, stößt bei den Eltern auf Unverständnis. Es gebe Lehrer, die die Kinder regelmäßig besuchten und die Materialpakete brächten; aber es gebe eben auch solche, die sich – wenn überhaupt – nur alle 14 Tage telefonisch meldeten und es lieber gleich den Elternvertretern überließen, den Lernstoff zu verteilen. Ein Vater berichtet etwa, dass die Lehrerin seiner Tochter das Kind in den vergangenen neun Wochen genau ein einziges Mal angerufen habe.

Zu entzerren wäre diese Situation auch durch die Nutzung einer bestimmten App, der sogenannten Schul-Cloud, mit der die Schulen Material verteilen oder digitalen Unterricht durch Video-Konferenzen abhalten können. Seit mehr als eineinhalb Jahren gibt es diese von Bund und Stadt finanzierte Plattform in Fellbach, tatsächlich genutzt wird sie freilich längst nicht von allen Schulen. „Unsere Aufgabe als Träger ist es, die Schulen so gut als möglich auszustatten. Was die Schulen daraus machen, und ob und wie sie die digitalen Möglichkeiten nutzen, liegt in ihrem Ermessen“, sagt Stephan Gugeller-Schmieg, der Leiter des Fellbacher Bildungs- und Jugendamtes. Er könne zwar den Frust der Eltern verstehen, könne den Schulen aber nicht vorschreiben, wie die Vermittlung der Lerninhalte abzulaufen habe.

Es gibt Rektoren und Lehrer, die mit den technischen Neuerungen zu kämpfen haben

Auch die Leiterin des Staatlichen Schulamts Backnang hat offenbar wenig Handlungsspielraum, was ihre Weisungskompetenzen in Richtung Schulen betrifft. Schon vor Wochen habe man allen Schulen nahegelegt, sich auf digitalen Unterricht einzustellen und sich entsprechend vorzubereiten. Die Resonanz darauf könnten allerdings nicht unterschiedlicher sein. „Manche machen das sehr strukturiert, aber wir bekommen auch mit, dass es Rektoren und Lehrer gibt, die mit solchen Neuerungen kämpfen. Da hinken wir auch mit der Fortbildung hinterher“, sagt Sabine Hagenmüller-Gehring. Vorschreiben könne sie den Schulen den Umstieg auf digitalen Unterricht nicht. Ähnlich unterschiedlich laufe es mit der Betreuung der Schüler ab; neben Kollegen, die einige Unterstützung brauchten, gebe es viele engagierte Lehrer, die überaus kreativ seien.

Solcherlei Kollegen gibt es nach Angaben mancher Elternbeiräte durchaus auch in Fellbach. „Alle Kinder bekamen ihre Arbeitspakete persönlich, per Post oder E-Mail oder über die Schul-Cloud“, berichtet Dagmar Strobel, die Elternbeiratsvorsitzende der Albert-Schweitzer-Gemeinschaftsschule. Der Kontakt zwischen Kindern und Lehrern laufe telefonisch sowie über Skype-Konferenzen und über die Schul-Cloud. Auch die Schüler ohne PC oder Handy würden engmaschig mit Arbeitsmaterial versorgt und betreut. „Die Lehrer geben sich viel Mühe, um unsere Prüflinge so gut als möglich zu unterstützen“, betont Dagmar Strobel.

Ein Teil der Klassen in der Wichernschule hatte von Anfang an Online-Unterricht, die anderen Klassen seien engmaschig von den Lehrern betreut worden, berichtet die dortige Elternbeiratsvorsitzende Bettina Hägele. „Die Lehrer waren und sind meistens auch über die reguläre Unterrichtszeit hinaus erreichbar“, betont sie. Zusätzlich hätten alle Klassen für die Osterferien außerschulisches Beschäftigungsmaterial erhalten. Nach den Ferien seien weitere Klassen für den Online-Unterricht hinzugekommen, die Schulleitung und die Kollegen legten großen Wert darauf, dass alle Kinder daran teilnehmen könnten. „Seit der Einführung des Präsenzunterrichts für einzelne Klassen sind die Unterrichtszeiten in Rücksprache mit mir so angepasst worden, dass die Kinder nicht zu den Hauptzeiten mit dem Bus fahren müssen“, berichtet die Elternbeiratsvorsitzende.

Für Schüler ohne Computer gibt es Leihgeräte

Längst in der digitalen Welt angekommen, ist auch das Gustav-Stresemann-Gymnasium in Schmiden. Dort wird die Schul-Cloud seit Ende 2019 eingesetzt – alle Schüler haben einen Zugang erhalten. Für den Online-Unterricht gebe es eine Chat-Funktion, berichtet der Elternbeiratsvorsitzende Stefan Hauschke. „Für Schüler ohne entsprechende Endgeräte wurde eine Möglichkeit geschaffen, sich über die Schule Leihgeräte zu besorgen“, berichtet er.

Natürliche Grenzen sieht Stefan Hauschke in der Tatsache, dass durch den Präsenzunterricht in der Oberstufe nun weniger Lehrkräfte für den Online-Unterricht zur Verfügung stünden. „Das wird sich mit dem angedachten Präsenzunterricht der anderen Klassenstufen noch verstärken. Denn Lehrkräfte, die in den ersten beiden Schulstunden in der Schule anwesend sind, können ja nicht in der dritten und vierten Stunde von zu Hause aus online unterrichten“, sagt er. Die Hoffnung vieler Eltern, dass es bei einer weiteren Lockerung und verstärktem Präsenzunterricht in allen Klassenstufen leichter werde, teilt er nicht.

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