Sie stehen oft rum und stören – auf Gehwegen zurückgelassene E-Roller. Foto: Hans Jörg Wangner

Die Nutzerzahlen der E-Scooter-Verleiher wachsen auch in Stuttgart rasant. Die Probleme auch – denn viele Nutzer stellen ihre Gefährte mitten auf dem Bürgersteig ab.

Stuttgart - Mitten auf dem Bürgersteig, dazu noch quer gestellt: Der grün-weiße E-Scooter in der Keplerstraße ist eine Provokation. Andernorts sieht es ähnlich aus. In der Hospitalstraße versperren Scooter der Marke Lime das ohnehin schon schmale Trottoir. In der Büchsenstraße haben Kunden der Anbieter Voi und Tier Scooter zentral in der Fußgängerzone platziert. Einer von ihnen ist auf ein Baumbeet gekippt.

 

Wer dieser Tage in der Innenstadt unterwegs ist, kann das Offensichtliche kaum mehr übersehen: E-Scooter sind ein Problem. Nach der corona-bedingten Zwangspause ziehen die Nutzerzahlen wieder stark an. „Seit dem Neustart nach der Covid-19-bedingten Pause verzeichnen wir ein kontinuierliches Wachstum – bei den Nutzerzahlen wie auch bei der Anzahl der Fahrten“, sagt Alexander Graf von Pfeil, General Manager bei Lime Deutschland.

Seit mehr als einem Jahr im Stadtbild

Wie man die Gefährte ordnungsgemäß abstellt, hat sich indes noch nicht herumgesprochen, obwohl die Scooter bereits seit mehr als einem Jahr das Stadtbild mitprägen. Zwar gibt es festgelegte Zonen, in denen Fahrten nicht beendet werden dürfen. Bürgersteige gehören allerdings nicht dazu.

Laut Alexander Graf von Pfeil fordere Lime Nutzer zum „korrekten und rücksichtsvollen Parken“ auf. Er verweist auf Sensibilisierungskampagnen, Videos und Sicherheitstutorials in der App.

Insgesamt hält er das Problem aber für überschaubar: „Im Allgemeinen sind laut einer Studie des ADAC bereits 98 Prozent der E-Scooter korrekt geparkt und stören nicht“, sagt von Pfeil und ergänzt: „Seit dem Start vor einem Jahr konnten wir beobachten, dass viele Nutzer inzwischen routinierter mit den Fahrzeugen umgehen und sich auch andere Verkehrsteilnehmer an die E-Scooter gewöhnt haben.“ Gegen mehr Stellflächen für die Roller hätte von Pfeil aber nichts einzuwenden. Im Gegenteil. Man begrüße, dass die Stadt Pkw-Parkplätze an der Theodor-Heuss-Straße in Stellflächen für E-Scooter umgewandelt habe. Das würde die Gehwege entlasten. „Solche Stellflächen wünschen wir uns flächendeckend im gesamten Stadtgebiet“, sagt von Pfeil.

Claus Unterkircher, General Manager beim Anbieter Voi, verweist auf die Zusammenarbeit mit der Stadt. Das Ordnungsamt melde den Anbietern falsch geparkte Scooter. „Unsere Teams stellen den Roller dann binnen 24 Stunden um.“ Zusätzlich arbeite man an neuen Technologien, um das Parken der Scooter zu regulieren. So teste man in Skandinavien die ersten E-Scooter-Parkstationen als zusätzliche Möglichkeit zu parken. Dem Unternehmen sei es wichtig, dass die Roller nicht zum Hindernis für andere Verkehrsteilnehmer werden. So bitte man die Nutzer nach jeder Fahrt, ein Bild vom korrekt abgestellten Roller zu machen. „Wir informieren unsere Nutzer durch Trainingsprogramme, Push Notifications und den Einsatz von Street Teams darüber, wie man einen E-Scooter korrekt und regelkonform parkt. In einigen Städten haben wir zusätzliche Parkplätze für unsere E-Scooter“, sagt Unterkircher.

Doppelständer soll Umkippen verhindern

Ein neues Voi-Modell sei mit einem doppelseitigen Ständer ausgestattet, um zu verhindern, dass die Roller umkippen. David Krebs vom Anbieter Tier bestätigt die Probleme: „Tatsächlich ist der häufigste Beschwerdegrund, der uns erreicht, falsch abgestellte E-Scooter.“ Auch Tier versucht, Nutzer zu sensibilisieren, etwa über Erklärbilder in der App. „Unabhängig davon muss man festhalten, dass falsches Parken allgemein ein komplexes Thema ist. Wenn ein neues Verkehrsmittel auf einen ohnehin schon überfüllten öffentlichen Raum trifft, sind anfängliche Probleme kaum vermeidbar“, sagt Krebs.