Wartende Kunden vor dem Tafelladen in Steinhaldenfeld. Foto: Iris Frey

Seit zwei Jahren ist in Steinhaldenfeld in die Räume der ehemaligen Bäckerei die Schwäbische Tafel eingezogen. Anwohner klagen über Müll und zusätzlichen Verkehr.

Wildpinkler, mehr Müll und zunehmender Verkehr. Seit vor zwei Jahren die Schwäbische Tafel in Steinhaldenfeld in einem ehemaligen Bäckereigeschäft in der Steinhaldenstraße eröffnet hat, sorgt die Einrichtung immer mal wieder für Unruhe unter Teilen der Anwohner und bei angrenzenden Geschäftsleuten. Es ist einer von drei Standorten neben Möhringen und der Stadtmitte. Hier werden überschüssige Lebensmittel von Supermärkten und anderen Geschäften eingesammelt, dann an Menschen mit geringem Einkommen zu einem stark reduzierten Preis abgegeben.

 

Sorgen über zunehmenden Verkehr in Stoßzeiten

Anwohner machen sich Sorgen über den zunehmenden Verkehr in Stoßzeiten in der Steinhalden- und der Kolpingstraße – auch durch Kunden und Zulieferer des Tafelladens, wie sie sagen. „In der Kolpingstraße ist sowieso schon der Verkehr recht hoch durch die beiden Schulen dort“, sagt Harun I., der seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will. Besonders morgens und am Nachmittag nehme der Verkehr zu. Zudem gebe es im Bereich um das Ladenzentrum und in der Kolpingstraße viele Falschparker, oft seien Ein- und Zufahrten zugeparkt. Der Anwohner sieht durch den Verkehr auch die 110 Kinder gefährdet, die die örtliche Grundschule besuchen.

Ausfahr- und Zulieferprobleme in der Einbahnstraße

Um 13 bis 14 Uhr sei das meiste bei der Tafel erledigt, berichtet Hilli Pressel, stellvertretende Projektleiterin der Schwäbischen Tafel Stuttgart e.V. Fahrlehrer Werner Beisser, der seine Fahrschule in der Ladenmeile unweit der Tafel in Steinhaldenfeld hat, hingegen erklärt, ihm mache die Verkehrssituation immer wieder Probleme, wenn er mit seinen Autos aus dem als Einbahnstraße ausgewiesenen Teil der Steinhaldenstraße herausfahren wolle. Boutique-Inhaberin Irmgard Schierle-Bette erklärt auf Nachfrage, dass der Standort für den Tafelladen komplett falsch gewählt sei, weil die Verkehrssituation nicht geregelt und berücksichtigt worden sei. So habe es auch schon Probleme gegeben, dass Zulieferer für ihr Geschäft weggeschickt worden seien und so die Ware verspätet angekommen sei.

Tafel sieht sich nicht für Zunahme des Verkehrs verantwortlich

Die Projektleiterin der Schwäbischen Tafel Stuttgart, Ingrid Poppe, ist der Auffassung, dass die Öffnung des Tafelladens nur geringe Auswirkungen auf die Verkehrsbelastung und das Blockieren von Ein- und Ausfahrten habe, da die Tafel werktags zwischen 7 und 13.30 Uhr durchschnittlich von vier bis fünf Lieferfahrzeugen angefahren werde und nachmittags zwei Food-Sharing-Fahrzeuge die übriggebliebenen Lebensmittel abholten. „Dies alles geschieht auf unserem eigenen Parkplatz.“ Da die überwiegende Anzahl der meist ehrenamtlichen Mitarbeitenden und der von Armut betroffenen KundInnen sich kein Auto leisten könnten, sei die Verkehrsbelastung, die vom Tafelladen ausgeht, insbesondere in den Seitenstraßen sehr gering.

Anwohner beäugen kritisch höherpreisige Autos

An diesem späten Vormittag kurz vor Sommerferienbeginn sind die Warteschlangen etwas kürzer. Der Verkehr ist verhaltener. Auffallend beim Besuch vor Ort ist: Es fahren auch höherpreisige Autos vor, aus denen Menschen aussteigen, in die Tafel gehen, mit schwarzen Eimern voller Lebensmittel beladen zurückkehren und den Inhalt in die Autos laden, von Anwohnern oft kritisch beäugt. Pressel erklärt, dass es unterschiedliche Gründe gebe, warum Tafelkunden auch mit Autos unterwegs sind: Wer arbeitslos werde, verkaufe sein Auto nicht sofort. Oder der Tafeleinkauf werde durch eine Person mit Auto unterstützt.

Nur Kunden mit Bonuscard dürfen im Tafelladen einkaufen

Aber: Es dürften im Tafelladen nur nachweislich von Armut betroffene Menschen einkaufen, etwa mit Bonuscard der Stadt Stuttgart in Verbindung mit einem Ausweisdokument, so Poppe. Oder es werden Kontoauszüge geprüft. Laut Pressel kämen überwiegend Kunden aus Stuttgart nach Steinhaldenfeld zur Tafel, aber auch welche auch aus dem Umland wie dem Rems-Murr-Kreis. Das sei erlaubt, der Anteil werde aber auch nicht erhoben. Auch in anderen Tafelläden in Möhringen und in der Stadtmitte habe es immer mal wieder ähnliche Probleme gegeben, die dann durch Gespräche gelöst worden seien. Pressel appelliert an die Anwohner, sich direkt bei Problemen zu melden.

Zaun gegen Wildpinkeln in Steinhaldenfeld. Foto: Iris Frey

Anwohner berichten von Wildpinklern in der Nähe des Tafelladens. Der Hauseigentümer SWSG habe darauf mittlerweile reagiert. Im rückwärtigen Bereich sei ein Metallzaun mit Tor installiert worden. An anderen Stellen sind die Zugänge weiterhin offen – etwa zwischen den Häuserzeilen und hinter den Garagen in der Steinhaldenstraße sowie an der Falchstraße an der Hecke. Dort würde es immer wieder Probleme durch Wildpinkler geben, heißt es. Pressel bestätigt, dass ein Wildpinkler Hausverbot bekommen habe.

SWSG verweist auf engem Dialog mit den Akteuren und dem Runden Tisch

SWSG-Sprecherin Saskia Bodemer-Stachelski sagt, der Vermieterin seien die aktuellen Herausforderungen rund um die Tafelfiliale in Steinhaldenfeld bekannt. Selbstverständlich stehe man in engem Dialog mit den relevanten Akteuren: „Regelmäßig kommt die SWSG mit der Tafel, weiteren Gewerbetreibenden vor Ort und dem Bezirksrathaus zu einem Runden Tisch zusammen, um die Situation vor Ort zu besprechen und Lösungen zu finden.“

Häufigere Reinigung – Kunden können WC im Haus benutzen

Dazu zähle beispielsweise, dass der Außenbereich öfter gereinigt wird oder die Tafel es den Wartenden ermöglicht, die WC-Anlage in der Gewerbeeinheit zu nutzen. Das bestätigt auch Pressel. Die Kunden können ihren Verpackungsmüll vor dem Geschäft abgeben und müssen diesen nicht mitnehmen. Vor dem Haus werde stets jeglicher Müll, auch Zigarettenkippen beseitigt.