In Teilen des Kreises Esslingen säumen volle Bio- und Restmülltonnen die Straßen. Der Abfallwirtschaftsbetrieb droht der mit der beauftragten Entsorgungsfirma mit Konsequenzen.
Erhebliche personelle Ausfälle beim Dienstleister Prezero führen seit geraumer Zeit im gesamten östlichen Kreisgebiet zu Verzögerungen oder gar kompletten Ausfällen bei der Leerung von Restmüll- und Biotonnen. In gleich mehreren Ortsteilen stehen die Tonnen bereits seit Wochen ungeleert am Straßenrand, räumt der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises Esslingen in einer Mitteilung ein – und kündigt Konsequenzen an.
„Wir nehmen zurzeit eine enorme Belastung für die Bürgerinnen und Bürgern wahr, da Mülltonnen nicht zu den angekündigten Terminen abgeholt werden,“ sagt AWB-Geschäftsführer Michael Potthast. „Gerade bei den gegenwärtigen Temperaturen sind solche Zustände nicht hinnehmbar.“
Wiederholt wurden Notfallpläne erarbeitet – aber nicht erfüllt
Prezero, ein Unternehmen der Schwarz Gruppe, ist seit 2022 mit der Müllabfuhr in den Kreisgemeinden vom Schurwald bis zum Albvorland zuständig. Abfuhrprobleme gab es seit der Auftragsvergabe immer wieder mal, in letzter Zeit aber sind sie so massiv, dass der AWB eingreifen musste. In den vergangenen Wochen wurden laut Potthast „wiederholt Notfallpläne zur Abholung der stehen gebliebenen Tonnen erarbeitet“. Diese sahen auch die Einbindung weiterer, ortsansässiger Abfuhrunternehmen vor. Zudem wurde ein früherer Arbeitsbeginn bewilligt, um das Personal der Müllabfuhr vor der Hitzewelle zu schützen.
„Nachdem diese Absprachen aber seitens des Dienstleisters nicht eingehalten werden konnten, sieht sich die Abfallwirtschaft gezwungen, eine weitere Vertragsstrafe auszusprechen und zusätzliche Entsorger im Rahmen einer Ersatzvornahme einzusetzen“, heißt es in einer Mitteilung des AWB.
AWB will Mitarbeiter vor Hitze schützen
„Die Vertragsstrafen sind die eine Seite“, räumt Potthast darin ein. Der AWB behalte hier Geld für nicht erbrachte Leistung ein. „Die andere Seite ist, dass dadurch keine einzige Tonne geleert wird. Daher haben wir uns nach Ablauf einer zweiten Frist dafür entschieden, weitere Abfallunternehmen in der Region zu beauftragen, um schnellstmöglich die Rückstände aufzuholen und in den Regelbetrieb zurückzukehren,“ erklärt der AWB-Chef das weitere Vorgehen.
Ziel sei es, die zuverlässige und pünktliche Leerung der Tonnen wieder herzustellen. Um dies sicherzustellen, wurden die Abholungszeiten für Rest- und Biomüll kurzfristig auf 6 Uhr morgens vorverlegt, so Potthast. So soll das Personal der Abfuhrunternehmen vor den derzeitigen extremen Wetterbedingungen geschützt und weitere Ausfälle vermieden werden. „Außerdem werden beim nächsten regulären Abfuhrtermin Mehrmengen, die nicht in die Tonne passen, mitentsorgt, sofern sie in geschlossenen Säcken neben der Mülltonne positioniert werden.“
AWB prüft Kündigung der Zusammenarbeit mit dem Dienstleister
Da auch andere Landkreise von ähnlichen Problemen mit dem Entsorger Prezero berichten, vermutet der AWB-Chef „ein tiefgreifenderes, strukturelles Problem“, weshalb der Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises nun die Kündigung der Zusammenarbeit mit dem Dienstleister prüfe.