Samsungs Falthandy Galaxy Fold ist nicht marktreif. Foto: dpa

Die potenziellen Kunden sind verärgert: Samsungs Falthandy Galaxy Fold ist nicht marktreif. Wieso wurde es dennoch veröffentlicht?

Stuttgart - Der Smartphone-Markt ist schnelllebig. So schnelllebig, dass mancher Hersteller beim Rennen um das innovativste Gerät ins Stolpern kommt. So ist es gerade Samsung mit seinem Galaxy Fold passiert. Das erste Handy mit einem faltbaren Display sollte noch in diesem Monat in den USA auf den Markt kommen und rund 2000 Dollar kosten. Ein Gerät, das je nach Bedarf als Handy oder als Tablet nutzbar ist, das wäre tatsächlich etwas Neues gewesen.

Doch daraus wird vorerst nichts werden. Die ersten Medienvertreter hatten bereits vor dem Release Testgeräte erhalten und schnell festgestellt, dass das Falthandy ausgesprochen fragil ist und, zumindest in einigen Fällen, bereits nach ein oder zwei Tagen den Dienst versagte. Die „bestmögliche Benutzerfreundlichkeit“ müsse weiter verbessert werden, räumt Samsung inzwischen auf seiner Webseite ein. O-Ton: „Um dieses Feedback vollständig auszuwerten und weitere interne Tests durchzuführen, werden wir den Launch des Galaxy Fold verschieben. Den neuen Veröffentlichungstermin werden wir in den kommenden Wochen bekannt geben.“

Erste negative Eindrücke bestätigten sich

Die Reparatur-Experten von iFixit kamen den Samsung-Technikern zuvor und nahmen eines der Vorabmodelle auseinander. Die negativen ersten Eindrücke wurden dabei in geradezu erschütternder Deutlichkeit bestätigt. Während das Scharnier noch am besten beurteilt wurde, zeigten sich schon vor der Demontage zahlreiche Lücken im Gehäuse, durch die Staub und sogar größere Fremdkörper ins Gerät gelangen können.

Den Verdacht, dass ein größerer Partikel versehentlich unter das Display gerutscht sein könnte, hatte bereits einer der Vorabtester geäußert. Um das Gehäuse zu zerlegen, genügte den iFixit-Experten etwas Wärme, um den die Bauteile zusammenhaltenden Klebstoff zu lösen. Auch der Displayschutz lässt sich recht einfach ablösen, was zwei der Medienvertreter bereits versehentlich getan hatten. Zu diesem Zeitpunkt dachte man bei Samsung noch, sich mit einem entsprechenden Warnhinweis aus der Affäre ziehen zu können.

Von Marktreife kann noch keine Rede sein

Inzwischen wurde aber offenbar auch den Verantwortlichen klar, dass von einer Marktreife ihres designierten Vorzeigegeräts keine Rede sein kann. Bei dem nun erfolgten Rückzug dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass der koreanische Konzern 2016 bereits sein Top-Modell Galaxy Note 7 wegen explodierender Akkus vom Markt nehmen musste.

Bleibt die Frage, warum Samsung trotz dieser leidvollen Erfahrung mit einem so offenkundig unfertigen Gerät an die Öffentlichkeit gegangen ist. Der Fauxpas ist nur erklärbar mit dem enormen Druck, der auf dem Marktführer lastet. Der so genannte Formfaktor bei Smartphones ist nahezu ausdefiniert, mit immer besseren Kameras kann man angesichts der Überangebots auch kaum noch punkten. Auch die Tatsache, dass das Galaxy Fold den neuen Mobilfunkstandard 5G beherrscht, reichte da offenbar nicht aus.

Da auch andere Hersteller wie die chinesischen Firmen Huawei und Xiaomi an flexiblen Bildschirmen arbeiten, sah Samsung wohl seine Rolle als technischer Vorreiter in Gefahr – vermutlich gerade wegen des Galaxy-Note-Debakels. Aus letzterem haben die Koreaner aber offenbar auch gelernt, dass ein Ende mit Schrecken besser ist als ein Schrecken ohne Ende. Die Zukunft wird so oder so kommen. Sie lässt eben einfach noch ein bisschen länger auf sich warten.

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