Die Gebäude prägen teils seit 1868 das Stadtbild von Ludwigsburg. Foto: Simon Granville

Die Stadt bricht ihr Konzeptverfahren, das klären sollte, was mit dem Franck-Areal passiert, ab. Auch das Projekt, bei der Bauausstellung IBA’27 dabei zu sein, ist damit vom Tisch. Gleichwohl sind die Planer zuversichtlich.

Die Frage, was mit dem Franck-Areal am Bahnhof passiert, wo einst Caro-Kaffee produziert wurde, bleibt unbeantwortet. „Die wirtschaftliche Lage ist derzeit so schwierig, dass die Angebote nicht dem entsprechen, was wir ausgeschrieben haben“, sagt Ludwigsburgs Baubürgermeisterin Andrea Schwarz.

 

Die Stadt hatte ein Konzeptverfahren gestartet, bei dem Ziele für das Areal definiert waren. Beworben hatten sich fünf Teams aus Investoren und Architekten. Eingereicht wurden jedoch nur zwei Konzepte, die den Vorgaben nicht entsprachen. Ein Team habe einen deutlich höheren Wohnanteil als die vorgegebenen 30 Prozent vorgesehen, der zweite Investor habe die Risiken der gewerblichen Flächen nicht tragen wollen, erklärt Andrea Schwarz. „Wir haben enorme Baukosten, der Neubau von Wohnungen lässt sich über Mieten oder Verkäufe nicht finanzieren, und der Büromarkt ist eingebrochen“, sagt die Baubürgermeisterin. Zurzeit sei das Gesamtareal für Investoren nicht wirtschaftlich. Im nächsten Schritt sollen deshalb Kosten- und Finanzierungsmöglichkeiten geprüft werden, bevor es ein Verfahren mit sechs bis zehn Architektur- und Stadtplanungsbüros geben wird. „Mit zwei abgegebenen Entwürfen hatten wir letztlich auch einen viel zu schmalen Pfad für eine Beurteilung dessen, was auf dem Franck-Areal möglich ist“, erläutert Oliver Linder, stellvertretender Projektleiter des Franck-Areals.

Die Stadt will ein Gebäude aus der Zeit von Caro-Kaffee behalten

Direkt an den Bahngleisen sind zwei Gebäude. Das südlich an der Ecke zur Fußgängerbrücke gelegene Gebäude soll im Bestand der Stadt bleiben und durch eine Unterführung mit dem Busbahnhof verbunden werden. „Das Gebäude spielt für uns eine übergeordnete Rolle“, sagt Tobias Schwärzl, Projektleiter des Franck-Areals. Die Option, das Gebäude zu pachten, sei für Investoren nicht attraktiv gewesen. Die Stadt ist optimistisch, für das Gebäude Fördergelder zu bekommen. Denkbar wäre, darin weitere Fahrradstellplätze einzurichten. Im Bereich, in dem die Fußgänger durch die Unterführung nach oben kommen, böten sich kleine Läden im Erdgeschoss und Ausstellungsflächen etwa für Kunstprojekte in den oberen Geschossen an.

Während das nördliche Gebäude an den Gleisen für Veranstaltungen genutzt werden könnte, ist für die zwei dahinterliegenden Gebäude ein kleinteiliger Nutzungsmix vorgesehen: Gastronomie-Angebote und Coworking-Spaces wären denkbar, aber auch Wohnungen will die Projektleitung nicht ausschließen. Aufgrund der engen Häuserschluchten wären diese jedoch nur in den oberen Etagen an der Süd- und Westseite vorstellbar.

Laufende Mietverträge werden vorerst verlängert

Bis es an die konkrete Umsetzung geht, wird die Zwischennutzungsphase bis 2026/2027 verlängert. Das soll auch Planungssicherheit für Veranstaltungen geben. Am 16. Mai startet etwa die „Hi.Francky“- Saison. Geplant sind unter anderem ein Nachtflohmarkt, eine Silent Disco, Rundgänge durch das Areal sowie das Format „Pop & Sounds“ mit der Wüstenrotstiftung. Mietverträge von Unternehmen, die derzeit das hintere Gebäude an der Pflugfelder Straße nutzen, werden bis Ende 2026 verlängert, geprüft wird die Möglichkeit eines Pop-up-Clubs. Durch die Verzögerung ist die Idee eines Projekts für die Internationale Bauausstellung IBA 2027 aber erledigt.

Die Stadt wird sich um eine Folgeförderung bewerben. „Die Ziele, die wir mit diesem Gebiet verfolgen, haben Bestand. Wir nehmen uns die Zeit, die nötig ist, um das Ganze gut zu entwickeln“, sagt Andrea Schwarz. Man fange nicht bei Null an, das Konzeptverfahren sei auch ohne den Erfolg wichtig gewesen, um Probleme auszuloten. Das Franck-Areal ist am Donnerstag Thema im Bauausschuss.