Patinnen mit einem großen Herzen für Hunde: Sandra Stark und Julia Zimmermann (rechts). Foto: Roberto Bulgrin

Hundehäufchen stinken zum Himmel. Doch ihre Entsorgung ist im Esslinger Stadtgebiet nicht so einfach. Hundekotbeutel fehlten bisher. In einem Feldversuch wurden zwei Stationen probeweise aufgestellt. So sind die Erfahrungen damit.

Viele Hunde hatten die Schnauze voll. Und auch ihre Herrchen und Frauchen waren empört über die Tierpolitik der Stadt Esslingen. Sie forderten die Aufstellung von Stationen für Hundekotbeutel im Stadtgebiet. Nach anfänglichem Zögern lenkte die Verwaltung ein – ein Feldversuch an erst einmal zwei Stellen im Schiller- und im Merkelpark ist im Juli vergangenen Jahres angelaufen. Die Erfahrungen damit seien gut, meinen die Patinnen, die die Stationen betreuen und befüllen. Die Stadt signalisiert weitere Gesprächsbereitschaft.

 

Die Beutel werden Julia Zimmermann, neben Sandra Stark eine der beiden Patinnen, nach eigenen Angaben fast aus den Händen gerissen: „Sie sind schneller weg, als ich die Stationen befüllen kann. Somit sind sie sehr nachgefragt.“ Wenn die Spender leer seien, kämen sofort Nachfragen von Hundehaltern, wann denn wieder Nachschub komme. Julia Zimmermann wertet den Feldversuch daher als vollen Erfolg. Doch mit der Stadt Esslingen habe es bisher keine weiteren Gespräche über eine Ausweitung oder eine Auswertung des Feldversuchs gegeben.

Gleichzeitig aber, so die Tierfreundin, würden von Seiten der Stadt hohe Hundesteuern verlangt: „Wer sich mit einem Hund begnügt, zahlt im Jahr 132 Euro.“ Die Zahl höre sich gering an. Doch beim Halten von mehreren Tieren würden höhere Sätze erhoben. Bei vier Hunden etwa müssten fast 1000 Euro jährlich hingeblättert werden. Julia Zimmermanns Kritik: „Wer hofft, dass das Geld in eine bessere Infrastruktur oder zusätzliche Dienstleistungen fließt, wird schnell enttäuscht.“

„Hunde sind die besten Steuerzahler“

Die einzige nennenswerte „Leistung“ seien die beiden Kotbeutelstationen im Stadtgebiet: „Das ist ein spärlicher Trost für die Steuerzahler.“ Während Hundehalter Jahr für Jahr tiefer in die Tasche greifen müssten, bleibe die Gegenleistung der Stadt gering: „Man könnte fast sagen, die Hunde selbst sind die besten Steuerzahler – auch wenn sie dafür außer ein paar Tütchen für ihre Hinterlassenschaften wenig zu erwarten haben.“

Die Stadt Esslingen weist auf Nachfrage unserer Zeitung darauf hin, dass Einnahmen aus der Hundesteuer – im Gegensatz zu Gebühren – nicht zweckgebunden seien. Sie dienten der Deckung allgemeiner kommunaler Ausgaben, teilt Marcel Meier vom städtischen Pressereferat mit. Gleichzeitig wird Gesprächsbereitschaft signalisiert: „In wenigen Wochen werden wir uns mit den beiden Patinnen der Hundekotbeutelstationen zusammensetzen“. Nach Einführung des Pilotversuchs im vergangenen Jahr könne nun gemeinsam evaluiert werden, wie die Stationen angenommen werden: „In diesem Zuge werden wir auch besprechen, inwieweit eine Fortführung des Pilotversuchs möglich ist.“

Mit einer Hunde-Demo im April 2024 hatten Julia Zimmermann und viele weitere Hundefreunde auf die fehlenden Spender für Hundekotbeutel aufmerksam gemacht. Mülleimer zur Entsorgung der Hinterlassenschaften ihrer Hunde seien zwar vorhanden, aber Tüten dafür seien nirgends zu bekommen, hatten sie damals kritisiert. Nach einem Gespräch mit Oberbürgermeister Matthias Klopfer hatte sich das Stadtoberhaupt auf die versuchsweise Aufstellung an zwei Stellen eingelassen. Paten sollten für die Betreuung der Stationen und das Befüllen mit Beuteln, die sie im städtischen Bauhof abholen, zuständig sein.

Julia Zimmermann sucht inzwischen nach weiteren Patinnen und Paten, die ihr und Sandra Stark bei ihrer Arbeit unter die Arme greifen: „Unterstützung der Hundehalter ist gefragt, sodass wir der Stadt Vorschläge unterbreiten können für weitere Kotbeutelstationen.“

Interessierte können sich per E-Mail unter buergeraufvierpfoten@gmx.de melden.