Pro und Kontra zur WM 2018 Gehen manche TV-Experten zu weit?

Von Tim Wohlbold und Jochen Klingovsky 

Mario Basler äußert deutliche Kritik an Mesut Özil und dem DFB-Team bei der WM 2018. Foto: Getty Images Europe
Mario Basler äußert deutliche Kritik an Mesut Özil und dem DFB-Team bei der WM 2018. Foto: Getty Images Europe

Viele Ex-Nationalspieler kritisieren das deutsche Team in aller Schärfe. Ihre zum Teil niveaulosen Sprüche und ihr beißender Spott ärgern viele Fußballer, Fans und Fernsehzuschauer – zu Recht? Zwei Redakteure, zwei Meinungen.

Stuttgart - Noch immer diskutiert ganz Fußball-Deutschland über die Auftaktniederlage des Nationalteams bei der WM gegen Mexiko – und zahlreiche TV-Experten äußern sich in Talkrunden oder bei Analysen im Fernsehen bissig und scharf, manchmal auch am Rande des guten Geschmacks. Viele Fans sind verärgert, wiederum andere halten die Aussagen für notwendig und angebracht. Ein Pro und Kontra zur Debatte.

Pro: Populismus ist Gift für jede Debatte

Mario Basler sitzt bei „Hart, aber fair“ und erklärt ohne fachliche Einordnung Mesut Özil habe die „jämmerliche“ Körpersprache eines „toten Frosches“. Das mögen manche TV-Zuschauer witzig finden – in meinen Augen ist es nur eines: beleidigend. Baslers abfällige Aussagen stehen stellvertretend für einen zu beobachtenden Trend: Die Verrohung der Sprache im Netz, in Talkshows und mittlerweile gar im politischen Diskurs.

Unter der Flagge „das wird man doch noch sagen dürfen“ segeln seit geraumer Zeit Politiker und Meinungsmacher durch die Talkshows – „klare Kante zeigen“, nennen das die einen. Unsäglich populistisch empfinden es die anderen. Dass Özil ein schwaches Spiel gemacht hat, steht außer Frage. Dass er in der Erdogan-Debatte eine – zurückhaltend formuliert – sehr unglückliche Figur abgibt, ist ebenso wahr und muss aufgearbeitet werden. Wer hier „klare Kante“ seitens der Experten fordert, liegt richtig. „Seine Persönlichkeitsentwicklung hat nicht Schritt halten können mit dem, was er auf dem Platz zeigt.“

Klar in der Sache, aber höflich im Ton

Zack! Das saß. Klare Kante? Absolut! Polemisch oder beleidigend? Keineswegs! Und das kam nicht etwa aus dem Munde der vermeintlichen Klarsprecher wie Basler oder Effenberg, sondern von ARD-Experte Thomas Hitzlsperger - klar in der Sache, aber höflich im Ton. Diese Aussage tätigte er wohlgemerkt mit dem Teammanager des DFB direkt neben sich. Das ist mutig, richtig und wohl das, was als „klare Kante“ verstanden wird.

Aber wie Matthäus zu unterstellen, dass Özil sich im Deutschland-Trikot „seit Jahren nicht wohlfühlt“, ist anmaßend und bedient zudem leider das Klischee des Deutsch-Türken, dem Deutschland irgendwie egal sei. Die Zwischentöne, die Matthäus – ob bewusst oder unbewusst – mitschwingen lässt, sind Gift für die sachliche Debatte. Und wenn Basler mitteilt, wir hätten nur noch „weichgespülte Nationalspieler“, um direkt danach Mats Hummels öffentliche, aber sachliche Kritik als „No-go“ zu bezeichnen, ist das weder klare Kante noch inhaltlich schlüssig – das ist einfach nur polemisch und dumm. Das ist zwar nicht verboten, braucht aber kein Mensch.

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