Foto: Avanti

Immer mehr Stuttgarter haben einen Hund. Mit steigender Zahl, steigen auch die Zusammenstöße zwischen Vierbeiner und Hundebesitzer mit Radfahrern oder Fußgängern. Kann ein Hundeführerschein helfen, unliebsame Vorfälle zu vermeiden? Dazu ein Pro und Kontra.

Stuttgart - Einen verbindlichen Hundeführerschein gibt es weder für Deutschland noch für Baden-Württemberg. Aber es gibt aber verschiedene Kursanbieter. Die Kurse bestehen meist aus Theorie- und Praxisteil und einer Prüfung. Inhaltlich geht es nicht nur darum, dass der Hund folgt und auf Zuruf oder Signale reagiert. Sondern der Hundehalter weist auch nach, dass er seinen Hund verantwortlich, vorausschauend und achtsam führt – im Alltag und in Stresssituationen, etwa in der Begegnung mit Joggern, Radlern, kleinen Kindern oder anderen Hunden. Dazu gehört auch, den eigenen Hund richtig einzuschätzen und seine Signale und Bedürfnisse richtig zu deuten.

Pro: „Für ein friedliches Miteinander“

Man muss es fairerweise vorwegschicken: Viele Hundehalter gehen achtsam mit ihrem Hund und ihren Mitmenschen um, nehmen den Vierbeiner zur Seite, wenn Radfahrer oder Jogger kommen, bedanken sich fürs Klingeln und lassen nicht zu, dass der Hund nach Gusto andere Kreaturen attackiert – seien es Zwei- oder Vierbeiner. Es gibt aber auch Hundehalter, die mit dieser Aufgabe überfordert sind: die ihren Hund – zuweilen sind es auch gleich mehrere – nicht richtig einschätzen können, ihm keinen Gehorsam beigebracht haben – oder die offensichtlich auf ein friedliches Miteinander pfeifen. Und entsprechende Attacken ihrer Vierbeiner billigend zur Kenntnis nehmen.

Das ist für die Betroffenen nicht lustig, zumal diese kaum die Möglichkeit haben, die Identität des Hundehalters herauszufinden. Mehrfach schon haben sich Hundehalter nach Bissattacken aus dem Staub gemacht und falsche Personalien angegeben. Für so ein schlechtes Benehmen ihrer Herrchen oder Frauchen können die Vierbeiner natürlich nichts – und auch dafür nicht, dass ihnen keine Manieren beigebracht wurden.

Natürlich kann man mit der Einführung eines generellen Hundeführerscheins für alle Hundehalter nicht deren charakterliche Eignung erzwingen. Aber man könnte erreichen, dass sich alle mit den Hunde-Basics vertraut machen. Und was wäre schlimm dran, dass alle zeigen müssen, dass sie und ihr Bello in Alltags-, aber auch in Stresssituationen ein gutes Team sind? Das würde ein friedliches Miteinander zumindest begünstigen. Gegenseitige Rücksichtnahme gilt aber genauso für Radler und Jogger.

Kontra: „Der Wesenstest für Menschen muss sein“

Menschen ohne Hund erleben solche Situation, Menschen mit Hund genauso: Situationen, in denen es ganz offensichtlich besser wäre für Hund, Mensch und Umwelt, wenn es diese Beziehung nicht geben würde. Was passiert da: Die Besitzer der Hunde sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um sich um ihren Hund zu kümmern, der Hund geht deshalb seinen Launen nach.

Konkret: Der Hund springt ausgelassen durch das Gelände, wechselt auf Wegen kühn von links nach rechts, stellt Radfahrer, Skater, Jogger, bellt herausfordernd oder springt sie gar an. Zugespitzt wird das noch von Menschen, die ihre Hunde zu aggressivem und rücksichtslosem Verhalten drillen. Ein Hundeführerschein bringt da nichts. Er dokumentiert nur, dass Basisbefehle funktionieren, mehr nicht. Doch in den beschriebenen Fällen greifen solche Basisbefehle nicht. Notwendig ist dafür ein Wesenstest jener Menschen, die einen Hund wollen: Was wollen sie, was erwarten sie und was schätzen sie.

Um dann zu sehen, welcher Hund (welches Tier) geeignet ist für ein Miteinander. Schon der Begriff Hundeführerschein klingt wie Autoführerschein. Doch hinter Letzterem steckt – bei aller Komplexität – ein Regelwerk, das erlernt und praktiziert werden muss. Der Hund dagegen ist ein Wesen, ein Charakter, ein Partner. Und wer sucht sich schon einen Partner nach Paragrafen und Vorschriften aus? Wenn billig Hundewelpen aus zweifelhafter Herkunft gekauft werden, muss der Mensch in der Tat mit Gesetzen und Regeln dagegen vorgehen. Das Miteinander aber müssen Menschen mit ihren Partnern untereinander regeln, mit und ohne Hund.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: