Dieses Uniqlo-Logo ziert von Freitag an auch die Stuttgarter Königstraße. Foto: dpa

Am Freitag eröffnet die japanische Textilkette Uniqlo ihre erste Filiale in Stuttgart. Bereichert sie das Angebot auf der Königstraße oder verliert die Einkaufsmeile noch mehr ihr Gesicht? Ein Pro und Kontra.

Stuttgart - Die Königstraße in Stuttgart steht als Einkaufsmeile seit vielen Jahren unter Druck. Die Mieten steigen, alteingesessene Einzelhändler können sich die Präsenz an Stuttgarts erster Shoppingmeile kaum noch leisten. Die Eröffnung der beiden Shopping-Malls Milaneo und Gerber, die viel Kundschaft aus der Fußgängerzone abgezogen haben, hat die Situation noch einmal verschärft.

Hier entlang: Was man über Uniqlo wissen muss.

In der Folge sind immer mehr große Filialisten auf der Königstraße präsent, die bestenfalls global unterwegs sind und mit ihrer Mischkalkulation auch die teure Einkaufsmeile im Herzen Stuttgarts zahlen können. Mit der Texttilkette Uniqlo kommt nun ein weiterer Global Player dieser Art nach Stuttgart.

Doch was ist davon zu halten? Ist Uniqlos Einzug an der Königstraße nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zur gesichtslosen Einkaufsstraße? Oder birgt die Entwicklung auch Chancen? Ein Pro und Kontra.

Lukas Jenkner freut sich über junges Publikum in der Stadt

H&M schon lange, kürzlich Reserved, jetzt Uniqlo, bald Primark: Die Königstraße in Stuttgart scheint für global agierende Textilketten eine attraktive Adresse zu sein, und das ist eine gute Nachricht! Denn eines ist gewiss: Der Wandel im Handel ist in vollem Gange. Dass es dem individuellen Einzelhändler mit nur einer Filiale immer schwerer fällt, sich an der ersten Adresse der Landeshauptstadt zu behaupten, ist zwar bedauerlich, aber wer wollte sich diesem globalen Trend entgegenstemmen? Der Kunde entscheidet am Ende, wo er sein Geld lässt.

Hier entlang: wie die Uniqlo-Eröffnung im Netz gesehen wird.

Mit Bekleidung ist schlicht nur noch im oberen Segment (Breuninger) oder mit günstig hergestellter Massenware aus Fernost (Primark und Co.) Geld zu verdienen. Individuelle Mode, gerne auch ökologisch bewegt, hat ihre Nischen, aber mehr eben nicht. Dies gilt auch für viele andere Branchen. Ein Ladenmix aus individuellen Anbietern an der ersten Straße einer Stadt ist nicht zukunftsfähig. Ihr einzigartiges Gepräge bekommt eine Einkaufsstraße heute weniger durch die Händler, sondern mehr durch ein attraktives Gesamtambiente.

Das Leben wird an der Königstraße weiter pulsieren

Und da hat die Königstraße mit Königsbau, Schlossplatz und weitverzweigter Fußgängerzone nebst zahlreichen gastronomischen und kulturellen Angeboten in Laufnähe eine ganze Menge zu bieten. Offenbar so viel, dass es sich sogar für Ketten wie Primark und Reserved, die bereits im Milaneo vertreten sind, immer noch lohnt, mit einer weiteren Filiale nur wenige Hundert Meter weiter an die Fußgängerzone zu ziehen. Und mit ihrem modischen Angebot locken sie junges Publikum in die Stadt. Den Machern, denen die Stuttgarter Innenstadt am Herzen liegt, kann das nur recht sein, denn dann bleibt die Kaufkraft in der Stadt. An der Königstraße wird das Leben weiter pulsieren – nur eben anders.

Siri Warrlich sieht die Königstraße in Eintönigkeit versinken

Stuttgart - 112,5: Dieser Wert ist ein Symbol dafür, wie es um Stuttgart als Einkaufsstadt steht. 112,5 beträgt der Kaufkraftindex des Stuttgarter Stadtkreises. Den fünften Platz deutschlandweit belegt Stuttgart damit im Vergleich unter Stadtkreisen mit mehr als 200.000 Einwohnern. Das hat die Gesellschaft für Konsumforschung ausgerechnet. Berlin kommt diesen Daten zufolge auf läppische 91,4. Stuttgart ist attraktiv als Einkaufsstadt – sowohl für die Kunden aus der Stadt und dem Umland als auch für viele Händler.

Alles zur Uniqlo-Eröffnung in Stuttgart steht hier.

Am Freitag dürfte das Shopping-Paradies Stuttgart in den Augen vieler Verbraucher noch paradiesischer werden: Uniqlo eröffnet in der oberen Königstraße eine Filiale. Schlichte Klamotten für wenig Geld, Kleidung für den Alltag, dazu Funktionsklamotten wie ultraleichte Daunenjacken. Uniqlo ist teurer als Primark, weniger bunt, die Models sehen unglücklicher aus als beim Kollegen mit dem türkisfarbenen Schriftzug. Das Geschäftsmodell ist aber dasselbe: Produziert wird zum Großteil in Niedriglohnländern wie China, sagt der Markenchef für Großbritannien im Interview.

Die Verbraucher entscheiden

Uniqlo ist ein weiteres Symptom dafür, dass Stuttgart zur Shopping-Oase verkommt, deren wirtschaftliche Logik alternative Angebote ausschließt. Denn wer Verbraucher bedienen will, die sich nicht von der „Geiz-ist-Geil“-Mentalität anstecken lassen und die fair produzierte Klamotten tragen wollen, kann bei über 300 Euro Miete für den Quadratmeter – so hoch sind die Spitzenpreise für Ladenflächen auf der Königstraße – kaum noch mithalten. Im Ergebnis wird die Innenstadt immer eintöniger. In der oberen Königstraße wird Uniqlo in unmittelbarer Nachbarschaft zu Zara und H&M liegen. Im Herbst 2017 kommt noch Primark dazu. Die Königstraße, zugekleistert von großen Modeketten, wird als Einkaufsstraße gewöhnlich, austauschbar, einförmig.

Ein Gutes aber hat es wohl, dass der Laden nach Stuttgart kommt. Wer Uniqlo in Stuttgart als Symbol für die längerfristige Entwicklung der Innenstadt sieht, sollte den Hype um die Eröffnung des Ladens als Weckruf sehen: Wie die Königstraße in zwanzig Jahren aussieht, ob der Shopping-Wahn noch größer wird und die großen Ketten noch erfolgreicher, entscheiden allein die Verbraucher – mit ihren Geldbeuteln.

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