Auch das Einschwören vor Spielbeginn half am Ende nicht: Der VfB verlor am Freitag 1:2 gegen Hoffenheim – es war bereits das neunte sieglose Spiel in Serie. Foto: Baumann

Der VfB Stuttgart steckt tief im Tabellenkeller der Fußball-Bundesliga fest. Schafft der Club aus Cannstatt den Klassenverbleib? Ein Pro und Contra unserer VfB-Reporter.

Stuttgart - Zehn Spieltage vor Saisonende befindet sich der VfB Stuttgart in akuter Abstiegsgefahr. Durch neun sieglose Spiele in Serie sind die Schwaben auf den vorletzten Tabellenrang abgerutscht – mit inzwischen vier Zählern Rückstand auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz.

 

Unsere beiden Sportredakteure Marco Seliger und Carlos Ubina wagen eine Prognose, ob der VfB trotz der derzeitigen Negativserie auch in der kommenden Saison noch in der Bundesliga spielen wird – und kommen dabei zu unterschiedlichen Einschätzungen.

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Der VfB Stuttgart packt den Klassenerhalt

Carlos Ubina meint: Ja, der VfB schafft es noch. Das klingt in diesen Wochen der Stuttgarter Sieglosserie verrückt, und man setzt sich in der Fußballwelt mit einer solchen Aussage dem Vorwurf aus, unter einer Bewusstseinsstörung zu leiden. Aber nein, es gibt keinen Grund für den Bundesligisten, den Abstieg jetzt schon als gegeben hinzunehmen. Das verbietet allein der Sports- und Kampfgeist, der in jedem Spieler steckt. Und es gibt sie tatsächlich noch – die Siegertypen in Stuttgart.

Zugegeben, es sind nicht mehr viele, die einem einfallen. Doch Konstantinos Mavropanos, Waldemar Anton und Wataru Endo sollten mit vereinten Kräften die junge Mannschaft mit- und das Ruder herumreißen können. Schließlich verbleiben zehn Ligaspiele, und so seltsam es erscheint: Die VfB-Elf präsentierte sich zuletzt bei allen Unzulänglichkeiten siegfähig. Jedenfalls bis in die Schlussphase eines Spiels hinein.

Wichtiges Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach

Der Countdown beginnt also mit der Heimpartie am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach. Ein Gegner, der ebenfalls im Schlamassel steckt. Es folgen Duelle gegen direkte Konkurrenten um die rettenden Tabellenplätze: FC Augsburg, Arminia Bielefeld, Hertha BSC, VfL Wolfsburg. Da ließ das Team von Trainer Pellegrino Matarazzo in der Hinrunde viel liegen. Nun sind es Finalspiele um den Klassenverbleib. Denn 15 weitere Punkte wird der VfB benötigen, um zumindest die Relegation zu erreichen.

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Da steigt der Druck. Doch da eine Reihe von VfB-Profis mit Wechseln zu internationalen Topclubs liebäugeln, sollten sie zunächst mal zeigen, dass sie national erstklassig sind. Wie erwähnt: Eine verrückte Vorstellung sind diese Gedanken- und Rechenspiele mit dem studierten Mathematiker Matarazzo im Zentrum. Doch selbst der verstorbene US-Ingenieur Captain Edward A. Murphy hätte mit Blick auf die Stuttgarter wohl langsam genug von der Bestätigung seines Gesetzes, wonach alles, was schiefgehen kann, auch tatsächlich schiefgeht. Der VfB hat sein Pech ab sofort aufgebraucht – er muss jetzt nur noch anfangen zu gewinnen.

Der Abstieg des VfB Stuttgart ist besiegelt

Marco Seliger meint: Nein, der VfB schafft es nicht mehr. Die vergangenen Monate waren bitter, mit neun sieglosen Spielen nacheinander. Das böse Ende aber kommt noch: der dritte Abstieg innerhalb von sechs Jahren. Warum das so ist? Weil der VfB schon Anfang März alle schlimmen Erlebnisse durch hat und keine Aussicht auf Besserung besteht. Extremes Pech mit Corona-Infektionen und Verletzungen, das steht in dieser Saison über allem – und wirkt bis heute nach. Denn noch immer hat das Matarazzo-Team die konditionellen Defizite nicht aufgeholt und wird es im Saisonfinale nicht mehr tun.

Pellegrino Matarazzo hat bereits alles versucht

Unabhängig davon haben Spieler und Verantwortliche schon jetzt, zehn Runden vor Schluss, alles versucht. Der Trainer Pellegrino Matarazzo etwa verschärfte bereits Anfang Januar den Ton gegenüber seinen Profis, auch öffentlich. Gewonnen hat der VfB seither nicht. Sportdirektor Sven Mislintat mobilisierte vor dem vergangenen Heimspiel gegen den VfL Bochum die Fans, er schwor sie ein. Gewonnen hat der VfB wieder nicht.

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Ähnliches passierte nun vor dem 1:2 in Hoffenheim. Wieder hat der VfB nicht gewonnen. Begleitet wurde all das von Durchhalteparolen, die teils branchenüblich waren, teils aber auch glaubhaft erschienen. Wieder aufstehen, nachdem man hingefallen war: Das versucht und beteuert der VfB Woche für Woche. Gewonnen hat er immer noch nicht. Weil obendrein jene Profis schwächeln, die vorangehen müssten (Konstantinos Mavropanos, Waldemar Anton und Kapitän Wataru Endo), ist die Mission Klassenverbleib ein Himmelfahrtskommando.

Die bittere Erkenntnis: es gibt nichts mehr, was man noch tun könnte. Selbst das obligate Kurz-Trainingslager ist seit Marbella ja erledigt, es blieb zumindest mit Blick auf die Ergebnisse wirkungslos. Und ein Trainerwechsel, der kommt offenbar weniger denn je in Frage für die Chefs. Zehn Spiele bleiben – und, das nur fürs Protokoll: Der Autor lässt sich gerne vom Gegenteil überzeugen. Der Abstiegscountdown des VfB Stuttgart aber hat begonnen.