Angela Merkel besucht die Germanwings-Absturzstelle. Sollten Politiker in Unglücksregionen fahren? Foto: dpa

Katastrophentourismus oder echte Anteilnahme – sollten Politiker in Unglücksregionen fahren?

Pro: Ein wichtiges Zeichen

Politik steht permanent im Verdacht der Selbstinszenierung. Tatsächlich finden sich unzählige Beispiele dafür, wie sich Volksvertreter ins rechte Licht zu setzen versuchen – bis hinunter in die Kommunalpolitik. Sie wollen Nähe dokumentieren, die oft nur ein Spiel mit Bildern ist. Daraus sollte man jedoch keine pauschalen Schlüsse ziehen. Denn in manchen Fällen ist es geradezu unerlässlich, dass Politiker Gesicht zeigen – wie jetzt nach der Flugzeugkatastrophe in den französischen Alpen.

Mit ihrer Reise an den Absturzort haben Kanzlerin Angela Merkel, ihr spanischer Kollege Mariano Rajoy und Frankreichs Staatspräsident François Hollande ein wichtiges Zeichen gesetzt – in erster Linie für die Angehörigen. Ihnen signalisieren sie: Wir trauern mit. Alles andere steht erst einmal zurück. Es braucht diese Form der öffentlichen Partei- und Anteilnahme – wie zuletzt auch nach dem Anschlag auf das Satireblatt „Charlie Hebdo“. Sicher nicht von jedem einzelnen Minister, aber von den Spitzen des Staates.

Contra: Keine große Hilfe

Politiker sollten sich nur dann ins Krisengebiet begeben, wenn sie zur Bewältigung der Katastrophe vor Ort einen konkreten Beitrag leisten. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sie nur wertvolle Ressourcen binden, die für die Bergungsmaßnahmen besser eingesetzt wären. Ein gutes Beispiel: die Jahrhundertflut 1962 in Hamburg, als der damalige Innensenator Helmut Schmidt das Krisenmanagement anführte.

Politikern soll nicht a priori ihr Mitgefühl mit den Angehörigen der Opfer abgesprochen werden. Dazu ist das Unglück zu unfassbar. Viele Bürger achten gerade in solchen Momenten genau auf die Worte und Taten ihres Führungspersonals. Auch ist es bewegend zu sehen, wie die Regierungschefs Frankreichs, Spaniens und Deutschlands im Leid zusammenfinden. Doch für diese Geste, die tröstenden Worte müssen die Regierungschefs nicht mit ihrem Begleittross ins unwegsame Gebirge reisen. Und selbst der ermutigende persönliche Dank an die Retter kann warten, so lange, bis deren schwere Arbeit getan ist.

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