Borussia Mönchengladbach steht an der Spitze der Fußball-Bundesliga – hat aber keinen beruhigenden Vorsprung. Foto: AFP/Ina Fassbender

Von Platz eins bis neun sind es in der Fußball-Bundesliga derzeit nur zwei Punkte. Super spannend, jubeln die einen. Zu viel Durchschnitt, sagen die anderen. Auch unsere beiden Autoren haben eine klare Meinung.

Stuttgart - Borussia Mönchengladbach steht derzeit an der Spitze der Fußball-Bundesliga. Einen beruhigenden Vorsprung haben die Fohlen aber nicht. Am vergangenen Samstag gab’s eine Niederlage gegen Borussia Dortmund – die das Tableau in der oberen Tabellenhälfte noch enger zusammenschob. Vom Ersten bis zum Neunten sind es gerade einmal zwei Punkte Abstand.

 

Das gab’s noch nie – und die Frage sei erlaubt: Ist das nun gut oder schlecht für die Fußball-Bundesliga. Auch unsere Autoren haben sich Gedanken gemacht – und kommen zu ganz unterschiedlichen Einschätzungen.

„Es lebe die Spannung“

Sportredakteur Marko Schumacher: Man sollte sich mittlerweile daran gewöhnt haben, dass die weltbesten Fußballer in anderen Ländern zaubern und in der Bundesliga eher Hausmannskost serviert wird. Es bringt nichts, dies ständig zu beklagen – viel besser ist es, sich an den Vorteilen zu erfreuen: Kein absurder Starkult um durchgeknallte Neymars, keine grotesken Ablösesummen für Durchschnittskicker, keine verrückten Scheichs, die mit den Petro-Dollar um sich werfen, kein völlig zerfaserter Spielplan. Und neuerdings auch noch: keine Langeweile mehr an der Tabellenspitze. Was will man mehr? Niemand wird behaupten können, dass die Bundesliga attraktiver war, als die Bayern schon im Frühjahr als Meister feststanden und genauso frühzeitig aus der Champions League ausschieden. Gerne dürfen sie auch weiterhin gegen Clubs wie den FC Augsburg Punkte liegen lassen. Und gerne dürfen Vereine wie der SC Freiburg noch länger beweisen, dass auch weniger Geld Tore schießt. Es lebe die neue Spannung in der Bundesliga!

„Masse statt Klasse“

Sport-Ressortleiter Dirk Preiß: Der FC Bayern ist in der Fußball-Bundesliga das Maß aller Dinge. Das gilt seit Jahren – und ist kein Ammenmärchen, sondern belegbar. Siebenmal in Folge holten die Münchner zuletzt den Titel, die internationalen Hoffnungen ruhen meist ausschließlich auf dem Rekordmeister. Und nun? Haben über den Sommer gleich acht deutsche Clubs aufgeschlossen? Mitnichten. Dass die Spitzengruppe der Liga derzeit bis Rang neun reicht, ist kein Ausweis von breit vorhandener Spitzenklasse. Im Gegenteil: Die Topteams haben Probleme, davon profitieren andere, die derzeit solide arbeiten. Das suggeriert Spannung, macht jedoch vielmehr deutlich, dass es in Deutschland aktuell kein internationales Topteam mehr gibt. Denn auch wenn Mannschaften wie Borussia Mönchengladbach in der heimischen Liga top sind – in der Europa League haben die Fohlen jüngst gegen den österreichischen Riesen aus Wolfsberg verloren. 0:4 übrigens. Gut, das war ein Ausrutscher. So wie die aktuelle Lage der Liga hoffentlich einer ist.

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