Irgendwann kommt für jeden Senioren die Zeit, den Führerschein abzugeben. Foto: dpa

Der britische Prinzgemahl Philip fährt mit 97 Jahren noch selbst Auto – und hat jetzt einen Verkehrsunfall verursacht. Ab wann ist man wirklich zu alt fürs Autofahren? Kann man Senioren zwingen, den Führerschein abzugeben?

Stuttgart - Der Verkehrsunfall von Prinz Philip hat in Großbritannien eine Debatte über die Fahrtauglichkeit von Senioren losgetreten. Im Vereinigten Königreich läuft der Führerschein zwar ab dem Alter von 70 Jahren aus, kann aber mit einem simplen Selbsteinschätzungstest erneuert werden. Amtlichen Angaben zufolge haben mehr als 100 000 Senioren über 90 Jahren noch eine Fahrerlaubnis. Der Ehemann von Königin Elisabeth II. ist 97.

Mehrheit der Deutschen für Test

In Deutschland sind verpflichtende Gesundheitschecks für ältere Autofahrer – anders als in den meisten anderen europäischen Ländern – ein Tabu. Laut einer repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag des Versicherers CosmosDirect befürwortet die überwiegende Mehrheit der Deutschen (80 Prozent) einen obligatorischen Fahrtauglichkeitstest für ältere Verkehrsteilnehmer geben. Mehr als ein Viertel der Befürworter (28 Prozent) hält dabei eine Prüfung ab 70 Jahren für sinnvoll.

Sollten Senioren regelmäßig zum Fahrtest? Auch in der Redaktion gehen die Meinungen auseinander:

Pro: Mit 65 zum Check-up, sonst ist die Pappe weg

Jede Gesellschaft hat ihre Tabus: In Indien sind Kühe unantastbar, in Deutschland Auto fahrende Senioren. Wer es öffentlich wagt, verpflichtende Gesundheitschecks für Pkw-affine Rentner zu fordern, muss fürchten, wie im Wilden Westen geteert und gefedert zu werden.

Dass Ältere in den meisten europäischen Ländern regelmäßig zum Arzt müssen, um ihre Fahrtauglichkeit nachzuweisen, spielt ausgerechnet im Land der Oberregulierer keine Rolle. 80-, 90-, ja sogar 100-Jährige dürfen sich hinters Lenkrad hocken, ohne dass irgendwer überprüft, ob sie nicht eine Gefahr für sich selbst und ihre Mitmenschen darstellen.

Da freiwillige Check-ups genauso effektiv sind wie freiwillige Geschwindigkeitsbegrenzungen – nämlich gar nicht –, hilft nur der gesetzliche Zwang. Ab 65 muss der Gang zum Arzt obligatorisch werden, sonst ist die Pappe weg. Basta!

(Markus Brauer, 55, ist Redakteur im Ressort Leben)

Contra: Gängeln und abkassieren

Klingt gut, bringt aber nichts – außer mehr Bürokratie und Bevormundung. Gesetzlich verordnete Fahrtests für Ältere gibt es in einigen Ländern bereits, zum Beispiel in Griechenland und Italien. Der Effekt für die Verkehrssicherheit: null, wie eine große Vergleichsstudie ergeben hat.

Zu groß sind die individuellen Unterschiede. Der eine ist mit 75 topfit, der andere mit 50 schon so unbeweglich, dass der Blick zurück über die eigene Schulter unmöglich ist.

Wann also beginnen mit der Überprüfung der Fahrtüchtigkeit? Mit 40? Oder erst mit 70? Und wie oft soll sie stattfinden? Einmal im Jahr? Bald würden die Befürworter fordern, dass es alle sechs Monate sein muss. Am besten gegen ein geringe Gebühr von, sagen wir, 200 Euro. Spätestens dann wäre klar, worum es sich tatsächlich handelt: um ein weiteres Abkassiermodell.

(Peter Trapmann, 57, leitet das Ressort Leben)

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