Lustig oder einfach nur peinlich? An Junggesellenabschieden scheiden sich die Geister. Foto: dpa

Über Junggesellenabschiede lässt es sich wunderbar streiten. Auch bei unseren Autorinnen gehen die Meinungen auseinander.

Stuttgart - Jungesellenabschiede sind ein gängiges Ritual vor Hochzeiten geworden. Vor allem im Frühjahr und im Sommer haben die Partygruppen auf der Königstraße und Theodor-Heuss-Straße in Stuttgart Hochkonjunktur. Während manche Passanten freudestrahlend für Selfies posieren, suchen andere möglichst schnell das Weite. Unsere Autorinnen Charlotte Faul und Tanja Kleeh haben ebenfalls sehr unterschiedliche Einstellungen zu dieser Art von Hochzeitsritual.

b>Der Junggesellenabschied gehört einfach dazu

Zusammen freuen sich Familie und Freunde auf die Hochzeit, den großen Tag der zukünftigen Eheleute. Die Freiheit vor dem Ja-Wort, das vermeintlich letzte Mal über die Stränge schlagen, soll am Junggesellenabschied nochmal genossen werden. Viele Kritiker vergessen, worum es bei der Party wirklich geht: Um Spaß, Lachen und die Braut oder den Bräutigam in spe.

Junggesellenabschiede erkennt man oft schon aus der Ferne: Mit auffälligen Klamotten, bei denen der zukünftige Ehepartner heraussticht, zieht die Gruppe um die Häuser. Der Großteil der Partytruppe ist außerdem mit einem mal mehr und mal weniger innovativen Motto unterwegs.

Selbst wenn man den Rest der Gruppe vorher noch nicht kennt, haben die Feiernden beim Junggesellenabschied einen besonderen Zusammenhalt, schließlich gehört man zu jeweiligen „Team Braut“ oder „Team Bräutigam“ – und das machen die oft kreativen Outfits deutlich.

Einen Tag mit seinen Freunden ausgelassen feiern, das gehört einfach vor der Hochzeit dazu. Es muss ja nicht der klischeehafte Verkauf von Kondomen und Schnaps oder der Besuch eines Stripclubs sein. Solange der Tag den Vorstellungen der jeweiligen Hauptperson entspricht, ist der Junggesellenabschied eine gelungene Veranstaltung.

Charlotte Faul

Junggesellenabschiede sind einfach nur peinlich

Kein Wochenende vergeht, an dem sie nicht in Stuttgart einfallen: künftige Ehefrauen und -männer inklusive Anhang, die laut grölend überteuerten Schnaps oder billigen Plunder verkaufen wollen. Meist tragen sie dazu aufeinander abgestimmte T-Shirts mit pseudolustigen Sprüchen wie „Letzter Tag in Freiheit“ oder „Er heiratet – wir sind nur zum Saufen hier“. Damit es auch noch der Letzte versteht, wird die Hauptperson wahlweise in ein bescheuertes Kostüm gesteckt oder bekommt ein altes Stück Vorhang als Schleierersatz übergestülpt. Muss das sein?

Wer das Glück hat, die Liebe seines oder ihres Lebens gefunden zu haben, sollte nicht so tun, als ginge es ins Gefängnis. Offene Freude wäre deutlich angebrachter. Und wenn man wirklich davon ausgehen muss, dass nun bis ans Ende aller Tage gefängnisähnliche Verhältnisse drohen, dann sollte das Hochzeitsvorhaben vielleicht noch einmal gut überdacht werden.

Was ist eigentlich daraus geworden, die zukünftigen Eheleute zu beglückwünschen anstatt zumindest einen von ihnen komplett zu blamieren? Bei einem Polterabend beispielsweise, wo für eine glückliche Zukunft ordentlich Porzellan zerdeppert wird. Hat auch den Vorteil, dass man mit den Menschen feiert, die einem etwas bedeuten und die man kennt – und nicht mit dahergelaufenen Partyvolk auf der Königsstraße.

Tanja Kleeh

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