Stuttgart in elf Jahren ohne Gas? Daran hegt nicht nur Haus & Grund Zweifel. Foto: Archiv 7aktuell.de/Oskar Eyb

Dass die Stadt Stuttgart private Gebäudeeigentümer nicht zur Energiewende zwingen will, begrüßt der Verein Haus & Grund – und zieht daraus bemerkenswerte Schlüsse.

Ginge es allein um die Klimabilanz der Stadt Stuttgart, sähe die Lage besser aus. Die CO2-Emissionen städtischer Liegenschaften sind im Berichtsjahr 2022 um 75 Prozent zurückgegangen (im Vergleich zu 1990). Aber die Stadtgebäude allein zählen eben nicht, wenn Stuttgart bis 2035 emissionsfrei sein will. Es geht auch um die privaten Immobilien, von denen etliche unsaniert und bisher ohne erneuerbare Energien sind. Unter dem Strich gelang – auf die Gesamtstadt bezogen – eine Reduktion von 49 Prozent im Vergleich zu 1990, nötig gewesen wären 50 Prozent.

 

Wird der Gashahn bis 2035 zugedreht?

Um die private Energiewende in Schwung zu bringen, bietet Stuttgart verschiedene Förderungen an, die auch mit Bundeszuschüssen kombiniert werden können. Im Ausschuss für Klima und Umwelt hatte Jürgen Görres, Leiter der städtischen Energieabteilung, aber auch auf Grenzen verwiesen. Die Stadt könne niemanden zwingen. Darauf reagiert nun der Verein Haus & Grund.

Man begrüße diese Haltung der Stadt, sagte Joachim Rudolf, der Vorsitzende von Haus & Grund Stuttgart. Der Geschäftsführer des Vereins, Ulrich Wecker, zieht daraus gar einen bemerkenswerten Schluss: „Die zuvor absolutistisch anmutenden Festlegungen von Gemeinderat und Verwaltung, den Gashahn in elf Jahren in Stuttgart zuzudrehen und damit vielen Eigentümern wie Mietern ohne Alternative das Warmwasser und die Heizung abzuklemmen, dürfte demnach Geschichte sein“, sagte er.

Was private Eigentümer laut Haus & Grund brauchen

Das ist indes fraglich. Der Gemeinderat hatte im Sommer 2022 beschlossen, dass Stuttgart nicht erst 2050 klimaneutral sein soll, sondern bereits 2035. Wiederholt hatte die Stadtverwaltung bekräftigt, dass bis in elf Jahren fossiles Gas in der Stadt keine Rolle mehr spielen soll. Zuletzt erst Mitte Juni.

Die energetische Sanierung sei für private Eigentümer „eine Herkulesaufgabe, sowohl organisatorisch, technisch und finanziell“, sagt Ulrich Wecker. Die Förderungen seien gut, aber man brauche auch Planungssicherheit. „Vor diesem Hintergrund ist es unverantwortlich, sich schon heute alternativlos darauf festzulegen, 2035 die Gasversorgung zu kappen“, sagte Rudolf. Es gebe etliche Häuser, die in den vergangenen acht bis zehn Jahren auch mit fachlicher Unterstützung des Energieberatungszentrum noch auf Gas umgerüstet worden seien oder Wärmepumpen, die in der Spitze mit Gas zugeheizt werden müssten.