Prinzessin Kate erholt sich von einer offenbar größeren Operation, aber die nötige Ruhe findet sie dafür nicht. Foto: AFP/JONATHAN BRADY

Klar, die Photoshop-Panne ist peinlich. Aber können wir Prinzessin Kate nicht einfach zugestehen, dass sie eine Zeit lang von der Bildfläche verschwindet, fragt unsere Autorin.

Zwölf Wochen ohne Prinzessin Kate. Zwölf Wochen ohne: Was tut sie? Was trägt sie? Wie schaut sie? Für eine kleine, aber laute Gruppe im Netz ist das offenbar kaum auszuhalten. Eine giftige Suppe aus Spekulationen und Unwahrheiten schwappt durchs Netz, je absurder das Gerücht, desto schneller verbreitet es sich.

 

Der Kensington Palace fühlt sich offenbar von dieser kleinen Gruppe getrieben. Dass ein Foto, veröffentlicht am britischen Muttertag und wahrscheinlich auch, um das Heft des Handelns wieder in die Hand zu nehmen, wegen unbeholfener Photoshop-Bearbeitung zum Skandal wird, Agenturen es zurückziehen müssen, ist ein Zeichen mangelnder Professionalität. Statt Druck aus dem Kessel zu nehmen, hat es die Situation noch verschlimmert. Und dann muss Prinzessin Kate den Fehler auch noch persönlich auf ihre Kappe nehmen – in einem hastig nachgeschobenen Tweet. Das wirft Fragen auf: Wie gut geölt ist die Monarchie-Maschine?

Wir haben aber auch kein Anrecht auf regelmäßige Lebenszeichen aus Adelaide Cottage, wie manche Kommentatoren behaupten. Der an Krebs erkrankte König Charles III. mag das tun, aber er ist auch der Monarch, das Staatsoberhaupt. Halten wir es im Zeitalter von Social Media wirklich nicht mehr aus, nicht von jemandem zu hören? Nicht permanent zu wissen, was ein Mensch tut? Brauchen wir ständige Postings, Clips, Videos, um uns seiner zu versichern? „I have to be seen to be believed“, das Credo der verstorbenen Queen, ad absurdum getrieben.

Dass in unserer Gesellschaft einer Frau – einer dreifachen Mutter von Grundschulkindern –, die sich offenbar von einer größeren Operation erholt, nicht die Zeit, Ruhe und Privatsphäre gelassen wird, zu genesen, wirft ein schlechtes Licht auf unsere Zeit. Die bringt offenbar eine Gesellschaft hervor, in der viele verlernt haben, sich mit sich selbst zu beschäftigen.